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Von Frauen für Frauen
Die Tradition der Kräuterbüschel in Hammelburg bewahren
Ist der Strauß fertig, wird er noch in Form geschnitten.
Ist der Strauß fertig, wird er noch in Form geschnitten. // Milena Meder
Hammelburg – Jedes Jahr am Tag vor Mariä Himmelfahrt kommen die Frauen der Kolpingsfamilie in Hammelburg zusammen, um Kräuterbüschel für den Festtag zu binden. Was es mit der Tradition auf sich hat.

Ein großer Tisch, bedeckt mit den unterschiedlichsten Kräutern, ist am Tag vor Mariä Himmelfahrt im Hof der Familie Krapf in Hammelburg zu sehen. Drumherum tummeln sich zehn Frauen, die ausgelassen miteinander sprechen und fröhlich lachen.

Immer wieder greifen sie in die Menge, um nach und nach aus ausgewählten Pflanzen kleine Büschel zusammenzubinden. Der Grund: Traditionell mit dem Hochfest am 15. August verbunden ist auch der Brauch der Kräuterweihe.

In Hammelburg kommen deshalb schon seit fast 20 Jahren die Frauen der Kolpingsfamilie (plus zwei Gäste) zusammen, um am Tag vor Mariä Himmelfahrt die traditionellen Würzbüschel zu binden. Im Gottesdienst an der Stadtpfarrkirche werden die Kräutersträuße dann gesegnet und anschließend gegen eine Spende angeboten. Der Erlös kommt wohltätigen Zwecken zugute. 

In diesem Jahr haben insgesamt zehn Frauen die Kräutersträuße gebunden. Auf dem Foto zu sehen: Sechs der zehn Frauen.
In diesem Jahr haben insgesamt zehn Frauen die Kräutersträuße gebunden. Auf dem Foto zu sehen: Sechs der zehn Frauen. // Milena Meder

Tradition in Hammelburg bewahren

"Wir haben die Aktion 2006 übernommen", erzählt Marietta Panhans, die hauptsächlich für die Organisation verantwortlich ist. Vorher - von 1990 bis 2003 - habe das Büschelbinden der Edith-Stein-Kreis des katholischen Frauenbundes organisiert. 

Konzentriert werden die Büschel gebunden und anschließend in einen Blumentopf gestellt.
Konzentriert werden die Büschel gebunden und anschließend in einen Blumentopf gestellt. // Milena Meder

"Weil es eine Tradition ist, wollten wir das auf jeden Fall weitermachen", betont die Hammelburgerin. Der Brauch der Kräuterweihe gehe schließlich bis in die vorchristliche Zeit zurück. Schon damals wurden den Göttern Heilkräuter als Dank für deren Schutz und die Kraft der Pflanzen geopfert.

Die unterschiedlichsten Kräuter sind auf dem Tisch zu finden.
Die unterschiedlichsten Kräuter sind auf dem Tisch zu finden. // Milena Meder

Der Zusammenhang zwischen Maria und den Kräutern begründet sich in Legenden aus der Frühzeit der Kirche: Als die Gottesmutter gestorben war, kamen die Apostel drei Tage später an ihr Grab, fanden dort jedoch keinen Leichnam wieder. Maria war mit Seele und Leib in den Himmel aufgenommen worden, aus ihrem Grab strömten lediglich die Düfte von Rosen und Lilien, vermischt mit dem Duft von Heilkräutern.

Mariä-Himmelfahrt als Auftakt der Sammelzeit

Mariä-Himmelfahrt wurde somit zum Auftakt der wichtigsten Kräutersammelzeit des Jahres. Heilpflanzen, die während dieser Zeitspanne gesammelt werden, übertreffen alle anderen Kräuter an Kraft. Die als beste Sammelzeit der Kräuter geltende Spanne von 15. August bis zum 15. September, dem Tag der Kreuzerhöhung - dreißig Tage - nennt man auch "Frauendreißiger."

Von einem großen Tisch sammeln sich die Kolpingfrauen die Kräuter zusammen.
Von einem großen Tisch sammeln sich die Kolpingfrauen die Kräuter zusammen. // Milena Meder

Je nach Region sind unterschiedlich viele Kräuter in den Kräuterbüscheln zu finden. Die Anzahl schwankt, ist jedoch immer eine mystische oder symbolträchtige Zahl. Möglich sind sieben oder neun bis zu 77 oder gar 99.

Laut Volksglaube sollen sie vor Unwettern oder Krankheit schützen, indem sie auf dem Dachboden aufgehängt, im Herd verbrannt oder dem Essen beziehungsweise dem Viehfutter beigemischt werden.

In Hammelburg bestehen die Büschel aus sieben Kräutern

"Bei uns sollen es mindestens sieben Kräuter sein, zusätzlich binden wir immer wieder mal Blumen rein", erklärt die Kolpingsfrau. Die Arten seien bunt gemischt. Von Schafgarbe über Goldrute, Wermut, Zitronenmelisse, Salbei und Rosmarin, bis hin zu Pfefferminz, Rainfarn und Lavendel ist alles dabei.

"Die Kräuter werden sehr oft aus heimischen Hausgärten gespendet, teilweise sind sie auch aus unseren Gärten", bedankt sich Panhans bei den Hammelburgern.  

Jeder der Sträuße ist einzigartig.
Jeder der Sträuße ist einzigartig. // Milena Meder

Wie viele Leute tatsächlich Kräuter bringen, weiß die Kolpingsfrau allerdings nicht. "Wir stellen immer Eimer mit Wasser vor das Tor, in welche die Leute ihre Kräuter legen können." 

Trotz dieser freiwilligen Spende sei die Menge jedes Jahr ungefähr die Gleiche. "Wir binden so etwa 170 bis 200 Sträuße. Das dauert so drei bis vier Stunden", schätzt Panhans. 

Eine Spende für den guten Zweck

Die fertigen Sträuße kommen dann in mit Wasser gefüllte Blumenkästen und werden am nächsten Tag mit einem Anhänger zur Kirche gefahren. Dort werden sie gesegnet und anschließend gegen eine Spende verkauft. "Der Erlös wird immer für karitative und wohltätige Aktionen gespendet. In diesem Jahr soll er dem Frauenhaus in Schweinfurt zukommen", sagt die Hammelburgerin. "Quasi von Frauen, für Frauen."

Die fertigen Kräuterbüschel werden in Blumenkästen gesammelt und am nächsten Tag per Anhänger in die Kirche gefahren.
Die fertigen Kräuterbüschel werden in Blumenkästen gesammelt und am nächsten Tag per Anhänger in die Kirche gefahren. // Milena Meder

Und auch für den Rest der Beteiligten am Kräuter-Tisch ist klar: "Wir machen das, weil es Tradition ist und einfach dazugehört", sind sie sich einig. "Es ist ein schönes Gemeinschaftserlebnis." 

Während dem Binden wird fröhlich geplaudert.
Während dem Binden wird fröhlich geplaudert. // Milena Meder

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