Ulf Zeidler sitzt im Schatten auf der Terrasse, mit Blick auf seinen Garten, in dem Schmetterlinge und viele weitere Insekten brummen und summen. Es ist ein Idyll inmitten der Natur, das Zeidlers Liebe zur Natur widerspiegelt.
Der Ehrenvorsitzende der Kreisgruppe des Bund Naturschutz plaudert gerne und angeregt über die vielen Meilensteine in der 50-jährigen Geschichte der Kreisgruppe und er wirft einen kritischen Blick auf die „Letzte Generation“ mit ihren Protestaktionen.
Naturschutz war Artenschutz
Naturschutz sei in den 1970 und 1980er Jahre beim Bund Naturschutz im Schwerpunkt Artenschutz gewesen. „Theoretische Diskussionen über Klimawandel haben wir nicht geführt. Der Klimawandel war nicht im Bewusstsein der Bevölkerung und auch bei uns kein Thema.“
Ulf Zeidler sieht darin kein Versäumnis, denn die Aktivitäten der Kreisgruppe und des Bund Naturschutz insgesamt seien rückblickend durchaus wichtige Beiträge, die auch dem Klimawandel entgegenwirken. „Wir hätten nichts anders machen können.“ Letztlich gehe es um die Frage: „Wie weit ist man seiner Zeit voraus?“
Zeidler fährt fort: „Wir sind an unseren Erfahrungen gewachsen. Zu meiner Zeit trat der Klimawandel nicht so deutlich zutage, wie das heute der Fall ist.“
Kritik an Klimaaktivisten
Es sei wichtig und richtig, dass der Klimawandel jetzt ins Bewusstsein gerückt werde. Allerdings kritisiert Zeidler die Aktivitäten der „Letzten Generation“. „Sie tun dem Thema keinen Gefallen. Sie fallen mit negativen Aktivitäten auf, die die Bevölkerung verärgern.“
Das Festkleben an Straßen, Kunstwerken, Blockaden und Proteste verurteilt Zeidler. „Ich lehne sie ab.“ Es führe nur zur Belastung der Bevölkerung und Verkehrsstaus seien dem Klima keineswegs zuträglich.
Ein Engagement in Parteien, Verbänden oder Vereinen sei, seiner Ansicht nach, zielführender und solider. „Es gibt genug Möglichkeiten, sich zu engagieren“, betont Zeidler, der sich selbst als Praktiker bezeichnet. Er habe stets den Kontakt mit den öffentlichen Stellen gesucht und habe auf diese Weise viel erreichen können.
Vom Amateur zum gefragten Fachmann
Ende der 1960er Jahre wurde Zeidler aus dem Bayerischen Wald an die Infanterieschule nach Hammelburg versetzt, wo er für die Schießausbildung verantwortlich war.
„Mir fiel auf, wie viele schöne Dinge wir hier in der Natur haben, welch eine Artenvielfalt es gab an Schmetterlingen, Orchideen oder auch Fledermäusen. Ich war ein Amateur, aber mir fielen bei Spaziergängen auch negative Dinge ins Auge.“
Gut erinnert er sich noch an die, aus heutiger Sicht große Unsitte, Böschungen abzuflammen oder mitten im Sommer Hecken zurückzuschneiden, in denen Vögel brüteten. Zeidler zögerte nicht und löschte die Brände, dabei traf er auf Gleichgesinnte, mit denen er beim Hammelburger Bürgermeister vorstellig wurde.
Den Bürgermeister aufgesucht
„Naturschutz war damals kein Thema“, erinnert er sich an die ersten Gespräche. „Es gab immer wieder Anlass, beim Bürgermeister vorstellig zu werden, der uns letztlich riet, einen Verein zu gründen.“ Den gründete Zeidler nicht. Er und seine Mitstreiter traten der Kreisgruppe des Bund Naturschutz bei. „Wir waren rund 15 Aktive, viele Dinge haben wir angeregt.“
Sie sammelten Kröten, hängten Nistkästen auf, bauten Brutplätze für Schleiereulen, sammelten Müll und kauften Flächen auf, um Biotope anzulegen und zu pflegen. Im Laufe der Jahre kamen 264 Grundstücke mit 120 Hektar Fläche zusammen.
30 Jahre Vorsitzender
Den Vorsitz der Kreisgruppe übernahm er im Jahr 1983 für 30 Jahre. Nicht nur beim Bund Naturschutz engagierte er sich für Naturschutz, sondern auch bei der Bundeswehr. „In den 1980 und 1990er Jahren ist bei der Bundeswehr das Thema Naturschutz aufgekommen.“
Zeidler erkannte, welches Potenzial in den Liegenschaften der Truppenübungsplätze steckt, die frei vom Tourismus blieben. „Zuerst war ich ein Einzelkämpfer, den niemand ernst genommen hat. Wenn ich aber in der Praxis zeigte, worum es geht, wurden manche doch sehr nachdenklich.“
In die Aufgaben hineingewachsen
Später war er als fachlicher Berater in ganz Deutschland unterwegs, nach der Wende war gerade in den von den Russen aufgegeben Truppenübungsplätzen in der ehemaligen DDR hoher Beratungsbedarf.
Im militärischen wie zivilen Bereich erlebte Zeidler den Aufbau der Umweltministerien, der Naturschutzbehörden und der Verbände – wie dem Landschaftspflegeverband – nicht nur mit, sondern war ein gefragter Fachmann.
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