0
Wo es zu viel Beleuchtung gibt
Schnitzeljagd in Hammelburg: Licht aus, Sterne an!
Tour durch Hammelburg
Indirekte Schaufensterbeleuchtung ist besser als strahlend helle. // Elisabeth Assmann
Tour durch Hammelburg
Bodenstrahler sind unnötig, blenden und schaden den Bäumen. Denn wie wie hier zu sehen ist, ist auch ohne Bodenstrahler ausreichend Beleuchtung am Gehweg für sicheres Gehen. // Elisabeth Assmann
Tour durch Hammelburg
Auch am Brunnen wird der Bodenstrahler als blendend empfunden. Besser wäre eine Beleuchtung von oben nach unten oder reflektierende Kennzeichnung an den Seiten. // Elisabeth Assmann
Tour durch Hammelburg
Bodenstrahler blenden Fußgängerinnen und Fußgänger, schaden den angestrahlten Bäumen, verwirren nachtaktive Insekten und Fledermäuse und verursachen am Himmel viel Lichtverschmutzung. // Elisabeth Assmann
Tour durch Hammelburg
Mit Hilfe der Sternenkarte und der Informationen von der App konnte an einer dunkleren Stelle an der Saale bei der Herrenmühle das Sternenbild Bärenhüter am Himmel erkannt werden. // Elisabeth Assmann
Tour durch Hammelburg
Die Teilnehmer der Schnitzeljagd durch die Hammelburger Innenstadt begutachten die unterschiedlichen Beleuchtungssysteme. // Elisabeth Assmann
Tour durch Hammelburg
Nach oben gerichtete Strahler leuchten bis in den Nachthimmel und das schadet der Insektenwelt enorm. // Elisabeth Assmann
Tour durch Hammelburg
Joachim Schneider vom Naturerlebniszentrum Rhön und Kerstin Scheller vom Bund Naturschutz erklären den Ablauf des interaktiven Abends, bei dem durch die Infos mit der actionbound-App und der Austausch innerhalb der Gruppe viele Ideen zum Schutz der Nacht zusammenkamen. // Elisabeth Assmann
Tour durch Hammelburg
Ein positives Beispiel: Lampen, die nach oben abgeschirmt sind, beleuchten nicht den Sternenhimmel sondern den Boden, so wie es sein soll. // Elisabeth Assmann
Signet des Fränkischen Tags von Elisabeth Assmann
Hammelburg – Eine Tour zu unnötig beleuchteten Stellen der Stadt Hammelburg brachte überraschende Erkenntnisse.

Licht aus Sterne an, Sterne an – was macht den Unterschied? Seit 2021 findet in 30 Kommunen des Sternenparks Rhön die Aktion „Licht aus, Sterne an!“ statt. In Hammelburg hatten das Naturerlebniszentrum Rhön und der Bund Naturschutz zu einer Schnitzeljagd zu unnötig beleuchteten Stellen eingeladen.

So ging es vom Hammelburger Marktplatz aus durch die Straßen, um Informationen über Lichtverschmutzung, gute und schlechte Beispiele in der Stadt zu besuchen. Sternenparkführer und Leiter des Naturerlebniszentrums Rhön Joachim Schneider und Kerstin Scheller vom Arbeitskreis „Schutz der Nacht“ des Bund Naturschutz, Kreisgruppe Bad Kissingen, hatten die Tour als digitale Schnitzeljagd mit der Actionbound-App vorbereitet.

Keine Beleuchtungspflicht

Es ist schon fast vergessen, angesichts der hell erleuchteten Straßen, Bahnhöfe und Leuchtreklamen: In Deutschland besteht keine kommunale gesetzliche Beleuchtungspflicht außer an Fußgängerüberwegen. Die Kommune hat nur Verkehrssicherungspflicht bei Gefahrenquellen wie bei Baustellen, Pflanzkübeln oder Schlaglöchern.

In Gemeinden, in denen die Nachtbeleuchtung stark eingeschränkt wurde wie zum Beispiel in Schondra, ist es bisher nicht zu mehr Unfällen oder Delikten gekommen. In Frankreich schalten bereits 12.000 Kommunen nachts die Straßenbeleuchtung ab.

Dass durch das Bundesgesetz zum Schutz der Insektenvielfalt in Deutschland vom 18. August 2021 der Schutz der Nacht zu einer Pflichtaufgabe der Kommunen wurde, freut Kerstin Scheller vom Bund Naturschutz sehr. Aber bis das Gesetz überall in der Praxis umgesetzt ist, bleibt noch viel zu tun.

Schädliche Bodenstrahler

So war die einhellige Meinung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, dass die Bodenstrahler, die fast jeden Baum in der Innenstadt von unten anleuchten, Fußgänger blenden, für das Wohlergehen der Bäume und auch der Nachtfalter schädlich sind. Durch das nächtliche Anstrahlen der Bäume wird deren Wachstumsrhythmus gestört. Das kann dann der Faktor sein, der den Baum zusätzlich zu Trockenheit und Hitze zum endgültigen Absterben bringt. „Das vermisst keiner, wenn das aus ist, und Geld spart es auch,“ so die Überzeugung eines der Teilnehmer.

Anstrahlungen, die ungeschützt nach oben in den Himmel gerichtet sind, waren an Gebäuden in der Innenstadt etliche zu finden. Besser ist eine Beleuchtung von oben nach unten. Auch die von weit weg zu sehenden Gebäude wie Schloss Saaleck, Rotes Schloss und Stadtpfarrkirche sollten kürzer und von oben nach unten, oder besser gar nicht, beleuchtet werden. Die Tiere der Nacht werden es danken.

An der Stadtpfarrkirche erfuhren die Besucher und Besucherinnen, wie ein typisches Sommerquartier von Fledermäusen aussieht. Diese sind nachtaktiv. Viele Fledermausarten meiden das Licht. Wird das Umfeld durch künstliches Licht aufgehellt, fliegen die Tiere nachts später zur Nahrungssuche aus. Damit entfallen für diese Fledermauskolonien die ersten Stunden der Nacht, die noch recht warm und besonders insektenreich sind. Das Nahrungsangebot wird für sie dadurch knapper.

Nützliche Fledermaus

Eine Fledermaus frisst bis zu 1000 Insekten pro Nacht, das vermindert auch die für Menschen lästigen Stechfliegen. Erfreulicherweise war in diesem Abend der Scheinwerfer auf dem Kirchendach dunkel und der Kirchturm nicht angestrahlt.

Am Saaleufer bei der Herrenmühle war es etwas dunkler, sodass das Sternenbild des Bärenhüter mithilfe einer Sternenkarte identifiziert werden konnte.

Auch die Schaufensterbeleuchtung könnte zum Teil optimiert werden. Denn grell und flächendeckend beleuchtet, fällt zwar auf, ist aber nicht gut für die Umwelt. Eine gedimmte punktuelle Beleuchtung, lädt auch zum Anschauen der Auslagen ein, so der Vorschlag.

In drei Gruppen waren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbstständig auf Schnitzeljagd in der Nacht unterwegs. An sechs Stationen wurden Informationen zum Thema per App abgerufen, Rätsel gelöst und Wörter gesammelt, um schließlich den Lösungssatz „Bitte lass das Licht nachts aus, die dunkle Nacht ist unser Zuhause“ in die verteilten Postkarten eintragen zu können.

„Mal was Neues, Interaktives, wir bekamen die Lösungen, Schwachpunkte der Beleuchtung nicht serviert, sondern mussten selbst mit überlegen, “ so eine Teilnehmerin, die eine klassische Führung erwartet hatte, aber sehr angetan war von diesem gemeinsamen Rundgang.

LED-Leuchten sparen zwar Energie, aber deshalb wird oft noch mehr beleuchtet. An diesem Abend wurde klar: Manche Beleuchtung könnte man komplett ausschalten. Es spart Energie und schont die Umwelt.

Nächste Aktion am 11. September 2026

Übrigens gibt es am 11. September eine weitere Aktion zur sogenannten Earth night: Dieses mal bequem von zu Hause auf dem Sofa oder Balkon aus. Mit geschlossenen Augen kann man dann über Hörspiele und Podcast Geschichten zum Thema „Schutz der Nacht“ lauschen. Der Link hierzu wird erst am 11. September auf der Homepage freigeschaltet und lautet: bad-kissingen.bund-naturschutz.de/projekte-der-kreisgruppe/ak-lichtverschmutzung-schutz-der-nacht.

Tipps für zu Hause

Was jeder tun kann, damit die Nacht weniger hell ist:

  • So wenig Licht wie möglich machen und nur da, wo es nötig ist.
  • Außenbeleuchtung mit Bewegungsmelder verwenden und nur nach unten leuchten lassen.
  • Auf Solar Dekolampen verzichten, sie stören die nachtaktiven Tiere im Garten.
  • Vermeiden, dass Licht von drinnen nach draußen scheint. Dazu zieht man Vorhänge zu und schließt die Rolläden.  
  • Für die Beleuchtung warme Lichtfarben und niedrige Luxzahlen wählen,   beim Kauf von Außenbeleuchtung auf die Bezeichnung Dark Sky achten.
  • Wer findet, dass es zu hell in seiner Straße ist, kann auf die Gemeinde zugehen. 
Inhalt teilen
  • kopiert!