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Elektrozäune
Landwirte rüsten aus Angst vor dem Wolf auf
LKR Bad Kissingen – Zum Schutz von Weidetieren vor einem Wolfsangriff werden Herdenschutzzäume aufgestellt. Bis zu 10.000 Volt Spannung führt so eine Absperrung.

Die Angst vor einem Wolfsangriff und die Sorge um die ihnen anvertrauten Tiere ließen Silvia und Roland Wehner tätig werden. Sie haben ihre drei Weiden neu eingezäunt, mit einem speziellen Schutzzaun, der dem Wolf das Eindringen in die Weide und Herde erschweren soll. 5,2 Kilometer elektrischen Schutzzaun sind es geworden.

Für Wehners war der Schutzzaun die einzige Alternative, um im Fall, dass ein Tier gerissen werde, Schadensersatz beantragen zu können. Ihr Hof am Fuße des Dreistelz liegt mitten im derzeit ausgewiesenen Wolfsgebiet.

Mit einem Zaunprüfer überprüft Roland Wehner die Spannung des Zauns.
Mit einem Zaunprüfer überprüft Roland Wehner die Spannung des Zauns. // Marion Eckert

Betriebe, die in diesem Bereich liegen und keinen Schutzzaun haben, bekommen keinen Schadensersatz. Im Gegenzug wurde der Zaunbau über das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gefördert.

Neugierig beobachten die Rinder die Besucher.
Neugierig beobachten die Rinder die Besucher. // Marion Eckert

Wehners widmen sich seit 2009 der Jungviehaufzucht, das heißt Rinder ab fünf Monaten werden von Landwirten zu ihnen gebracht, werden besamt und etwa vier Wochen vor der Kalbung kommen sie zurück in den heimischen Betrieb. Sie verbringen den Sommer auf der Weide, den Winter im Stall.

Verantwortung für die Tiere

Gut 100 Tiere stehen derzeit auf den drei Weiden, nur die jüngsten Tiere sind noch im Stall. „Unser Mädcheninternat“, scherzt Wehner. Das bedeutet für Wehner eine besondere Verantwortung. „Es sind nicht meine Tiere. Wird ein Tier vom Wolf gerissen, muss ich den Schaden in voller Höhe ersetzen. Daher muss ich mich absichern.“

Der tägliche Kontrollgang zu den Tieren gehört dazu.
Der tägliche Kontrollgang zu den Tieren gehört dazu. // Marion Eckert

Zwischen 6000 und 10.000 Volt betrage die Spannung an solch einem neuen Herdenschutzzaun.

Die Spannung passt. Bis zu 10.000 Volt laufen durch einen der Drähte.
Die Spannung passt. Bis zu 10.000 Volt laufen durch einen der Drähte. // Marion Eckert

Damit Wanderer und Spaziergänger gewarnt sind, sei alle 200 Meter ein Hinweisschild am Zaun angebracht. „Zu Wegen halten wir mehr Abstand, damit Wanderer und auch landwirtschaftliche Geräte genügend Platz haben“, erklärt Wehner.

Wanderer und Spaziergänger werden alle 200 Meter durch solch ein Schild vor dem Elektrozaun gewarnt.
Wanderer und Spaziergänger werden alle 200 Meter durch solch ein Schild vor dem Elektrozaun gewarnt. // Marion Eckert

Ein fest installierter Herdenschutzzaun besteht aus fünf Stahldrähten. Der unterste Draht hat zum Boden einen Abstand von 20 Zentimetern. „Damit der Wolf nicht unter dem Zaun durchkriechen kann“, demonstriert Wehner.

Landwirt Roland Wehner demonstriert wie ein Wolf sich an eine Herde anschleicht und am Herdenschutzzaun auf ein elektrisch geladenes Hindernis stößt.
Landwirt Roland Wehner demonstriert wie ein Wolf sich an eine Herde anschleicht und am Herdenschutzzaun auf ein elektrisch geladenes Hindernis stößt. // Marion Eckert      

Wölfe schleichen nicht nur an

Bei den bisherigen Zäunen für Rinder war der unterste Draht in etwa 50 Zentimeter Höhe angebracht, für den Wolf kein Problem sich durchzuschleichen. „Wölfe schleichen sich nicht nur an, sie haben auch eine gewaltige Sprungkraft, können anderthalb Meter hohe Zäune problemlos überspringen. Daher seien die neuen Zäune auch höher. Selbst die Tore sind oben und unten gesichert“, zeigt Wehner.

„Normalerweise sind die Metalltore ohne zusätzlichen Strom.“ Der geringe Abstand zum Boden mache eine aufwendigere Zaunpflege nötig.

Zaunpflege ist regelmäßig nötig

Je nach Aufwuchs müsse der Bereich unter dem Zaun regelmäßig ausgemäht werden, damit die Spannung nicht abgeleitet wird. Um die Zaunpflege einigermaßen effektiv betreiben zu können, schafften Wehners sich ein eigenes Mähgerät als Anbauteil für den vorhandenen Hof-Truck an. Für den über 5000 Euro teuren Mulchmäher gab es keinen Zuschuss.

Drei der fünf Zaun-Kilometer könne er mit dem Mäher freischneiden. „Vier Stunden benötige ich dafür. Ich kann nur im Schritttempo fahre.“ Jeder Zaunpfahl müsse umfahren werden.

Zaunpflege unter dem kritischen Blick der Herde: Um den Herdenschutzzaun regelmäßig ausmähen zu können, schaffte Landwirt Roland Wehner eigens einen Mulchmäher an.
Zaunpflege unter dem kritischen Blick der Herde: Um den Herdenschutzzaun regelmäßig ausmähen zu können, schaffte Landwirt Roland Wehner eigens einen Mulchmäher an. // Marion Eckert

Auf den restlichen zwei Kilometern könne der Mäher nicht eingesetzt werden, das Gelände sei zu steil und unwegsam. „Da muss ich mit der Sense und der Astschere ran.“ 

Mehr zum Herdenschutzzaun und dem Wolfsgebiet in der Rhön finden Sie hier:

 

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