Die Angst vor einem Wolfsangriff und die Sorge um die ihnen anvertrauten Tiere ließen Silvia und Roland Wehner tätig werden. Sie haben ihre drei Weiden neu eingezäunt, mit einem speziellen Schutzzaun, der dem Wolf das Eindringen in die Weide und Herde erschweren soll. 5,2 Kilometer elektrischen Schutzzaun sind es geworden.
Für Wehners war der Schutzzaun die einzige Alternative, um im Fall, dass ein Tier gerissen werde, Schadensersatz beantragen zu können. Ihr Hof am Fuße des Dreistelz liegt mitten im derzeit ausgewiesenen Wolfsgebiet.
Betriebe, die in diesem Bereich liegen und keinen Schutzzaun haben, bekommen keinen Schadensersatz. Im Gegenzug wurde der Zaunbau über das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten gefördert.
Wehners widmen sich seit 2009 der Jungviehaufzucht, das heißt Rinder ab fünf Monaten werden von Landwirten zu ihnen gebracht, werden besamt und etwa vier Wochen vor der Kalbung kommen sie zurück in den heimischen Betrieb. Sie verbringen den Sommer auf der Weide, den Winter im Stall.
Verantwortung für die Tiere
Gut 100 Tiere stehen derzeit auf den drei Weiden, nur die jüngsten Tiere sind noch im Stall. „Unser Mädcheninternat“, scherzt Wehner. Das bedeutet für Wehner eine besondere Verantwortung. „Es sind nicht meine Tiere. Wird ein Tier vom Wolf gerissen, muss ich den Schaden in voller Höhe ersetzen. Daher muss ich mich absichern.“
Zwischen 6000 und 10.000 Volt betrage die Spannung an solch einem neuen Herdenschutzzaun.
Damit Wanderer und Spaziergänger gewarnt sind, sei alle 200 Meter ein Hinweisschild am Zaun angebracht. „Zu Wegen halten wir mehr Abstand, damit Wanderer und auch landwirtschaftliche Geräte genügend Platz haben“, erklärt Wehner.
Ein fest installierter Herdenschutzzaun besteht aus fünf Stahldrähten. Der unterste Draht hat zum Boden einen Abstand von 20 Zentimetern. „Damit der Wolf nicht unter dem Zaun durchkriechen kann“, demonstriert Wehner.
Wölfe schleichen nicht nur an
Bei den bisherigen Zäunen für Rinder war der unterste Draht in etwa 50 Zentimeter Höhe angebracht, für den Wolf kein Problem sich durchzuschleichen. „Wölfe schleichen sich nicht nur an, sie haben auch eine gewaltige Sprungkraft, können anderthalb Meter hohe Zäune problemlos überspringen. Daher seien die neuen Zäune auch höher. Selbst die Tore sind oben und unten gesichert“, zeigt Wehner.
„Normalerweise sind die Metalltore ohne zusätzlichen Strom.“ Der geringe Abstand zum Boden mache eine aufwendigere Zaunpflege nötig.
Zaunpflege ist regelmäßig nötig
Je nach Aufwuchs müsse der Bereich unter dem Zaun regelmäßig ausgemäht werden, damit die Spannung nicht abgeleitet wird. Um die Zaunpflege einigermaßen effektiv betreiben zu können, schafften Wehners sich ein eigenes Mähgerät als Anbauteil für den vorhandenen Hof-Truck an. Für den über 5000 Euro teuren Mulchmäher gab es keinen Zuschuss.
Drei der fünf Zaun-Kilometer könne er mit dem Mäher freischneiden. „Vier Stunden benötige ich dafür. Ich kann nur im Schritttempo fahre.“ Jeder Zaunpfahl müsse umfahren werden.
Auf den restlichen zwei Kilometern könne der Mäher nicht eingesetzt werden, das Gelände sei zu steil und unwegsam. „Da muss ich mit der Sense und der Astschere ran.“
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