Silvester ist meist feuchtfröhlich, wild und laut. Was Partygängerinnen und -gänger am letzten Abend des Jahres auf die Straßen und zu den Feierlichkeiten zieht, lässt Haustierbesitzer schon Tage und Wochen vorher verunsichert auf den Jahresabschluss blicken, denn vor allem Feuerwerk ist für Tiere ein Ausnahmezustand. Luci Schröder, stellvertretende Leiterin des Tierheims Wannigsmühle in Münnerstadt (Lkr. Bad Kissingen), gibt Tipps, wie Tierhalterinnen und -halter ihre Lieblinge auf den Jahreswechsel vorbereiten können und was sie beachten sollten.
Warum ist das Feuerwerk an Silvester schlecht für die Tiere?
Tiere hören wesentlich mehr als wir Menschen. Diese Tatsache den Menschen bewusst zu machen, hält die stellvertretende Tierheimleiterin Schröder für mit am wichtigsten vor Silvester. Da Tiere dutzend Mal lauter hören als der Mensch, seien die Geräusche wie an Silvester für sie teilweise in einem schmerzempfindlichen Bereich.
Außerdem empfiehlt Luci Schröder, die Tiere vor dem Jahresabschluss zu sensibilisieren. Dies wäre beispielsweise mit einem Radio möglich. Wichtig sei zudem, Hunden und Katzen einen Schutzraum einzurichten, in den sie ausweichen können und eine Ruhezone haben. Manche Tierhalter würden auch während der Knallerei irgendwohin fahren, wo die Tiere Ruhe haben und abgelenkt sind, erklärt sie.
Dabei müsse man ganz stark darauf achten, dass die Hunde abgesichert sind, weiß Schröder. „Oft ist es so, dass sie sich erschrecken und weglaufen können.“ Laut der Expertin empfehlen sich hier Sicherheitsgeschirre und doppeltes Anleinen.
Oft Fundtiere über Silvester im Tierheim
Hunde sollten zusätzlich nicht direkt mit zum Feuerwerk genommen werden. „Das machen leider trotzdem viele und sind sich der Konsequenzen nicht bewusst“, erklärt die stellvertretende Tierheimleiterin. Das eine sei der Gehörschaden, den die Tiere erleiden können, das andere sei, dass es eben passieren könne, dass sich der Hund entreißt, wegläuft und beispielsweise vor ein Auto gerät.
„Das ist schon oft genug passiert“, sagt Schröder. Über Silvester würde es im Tierheim öfter Fundhunde geben, da die Leute diese mit nach draußen nehmen, nicht absichern und die Tiere schlussendlich abhauen. Schröder empfiehlt zudem, im eigenen Zuhause zu überprüfen, ob die Türen und der Garten wirklich ausbruchssicher sind. Wenn die Tiere fliehen, rennen sie laut Schröder so lange, bis sie der Geräuschkulisse entgehen.
Frühzeitiges Gassi-gehen an Silvester und Vorsicht bei den Überresten der Feierlichkeiten am Folgetag sind außerdem sinnvoll.
Was sollten Katzenbesitzer an Silvester beachten?
Auch bei Katzen sei das Thema mit den Rückzugsorten wie Höhlen, in denen sich die Tiere verstecken können, wichtig. Man sollte darauf achten, dass Ruhe im Haus und nicht so viel Trubel herrscht. Da viele über Silvester Besuch haben, sollte man die Tiere da ein wenig herausnehmen, erklärt Schröder.
Am besten sollte man die Katzen im Haus oder der Wohnung lassen, auch wenn man mancher Katze damit laut Schröder in dem Moment erst einmal keinen Gefallen tut, weil sie nicht nach draußen kann. Aber für eine Nacht, oder sogar noch die Folgenacht, sollten die Tiere drinnenbleiben.
Ob der Rollladen heruntergezogen oder offen sein sollte, dass die Katze hinausschauen könne, spiele weniger eine Rolle, erklärt die Expertin. Wichtig sei, dass die Tiere abgelenkt oder beschäftigt seien – beispielsweise mit Leckerlis oder mit Spielaufforderungen. Auch bei Hunden empfiehlt Schröder Kauleckerlies wie Schweineohren, dass die Tiere über einen längeren Zeitraum gut beschäftigt.
Welche Regeln gelten für andere Kleintiere?
Wenn die Katze wirklich verängstigt sein sollte und sich in ihren Schutzraum zurückzieht, sei es besser, sie erst einmal in Ruhe und sich beruhigen zu lassen. Wenn das Tier entspannt ist, müsse man hingegen erst einmal gar nichts machen. Wichtig sei eben nur, dass die Katzen im Haus bleiben.
Schröder erklärt: Jedes Tier gehe individuell mit der Situation um, wobei manche ein bisschen empfindlicher reagieren würden. Auch mit Blick auf Kleintiere wie Wellensittiche oder Hamster gibt sie zu bedenken, dass diese panische Angst bekommen könnten, weil sie die Geschehnisse an Silvester gar nicht zuordnen können. Auch hier sollten Schutzzonen geboten werden und die Tiere aus dem Lärm komplett herausgenommen werden.
Tier-Notfall zum Jahreswechsel: Was tun?
Aber was tun, wenn das geliebte Haustier beginnt, beispielsweise zu hyperventilieren? Sollte sich das Tier gar nicht beruhigen, rät Luci Schröder, es ins Auto zu setzen und wegzufahren. Bei Katzen sei das jedoch etwas schwieriger, da sie ortsgebunden sind und für sie auch eine Autofahrt enormer Stress sei.
Wenn man im Vorfeld wisse, dass das eigene Tier in Panik ausbricht, könnte man etwa mit CBD-Ölen oder Beruhigungstropfen arbeiten – nach Rücksprache mit dem Tierarzt. Schröder sagt: „Lieber ein bisschen Vorarbeit als Nacharbeit.“
In akuten Notfällen gebe es außerdem Kontaktstellen wie den tierärztlichen Notdienst, der für Rhön-Grabfeld, Schweinfurt, den Haßbergkreis und Bas Kissingen zuständig ist.
Weitere Informationen unter tbvunterfranken.de (Tierärztlicher Bezirksverband Unterfranken).















