Ausgestattet mit Sonnenfinsternisbrillen, Picknickdecken, Stühlen, Snacks und Getränken, treffen am Mittwochabend um kurz nach 19 Uhr immer mehr Menschen an der Grillhütte Edelruh über Bad Brückenau ein. Sie sind gekommen, um die partielle Sonnenfinsternis zu beobachten. Für die meisten ist es – zumindest hier – die einzige Gelegenheit, das Himmelsschauspiel zu Lebzeiten zu erleben. Denn: Die nächste dieser Art wird es erst 2081 wieder geben.
Wer keine Schutzbrille mehr bekommen hat, hilft sich anderweitig. Patricia Dernbach etwa hat sich aus einem Karton und Alufolie eine Lochkamera gebastelt. „Ich denke, damit geht es auch“, sagt sie, kurz bevor der Mond beginnt, die Sonne zu verdecken. Auch Familie Schmäling hat selbst gebastelte Kameras dabei.
Wer durch die Sonnenfinsternisbrillen schaut, ist aber klar im Vorteil. Immer weiter verwandelt sich das Zentralgestirn in eine Sichel, weil der Mond sich langsam immer weiter davor schiebt. „Darf ich auch mal durchschauen?“, fragt das junge Mädchen, das mit ihrer Familie gekommen ist. Die Brillen werden gerne weitergereicht, damit alle den Blick direkt gen Sonne richten können.
Einige der Sonnenfinsternis-Gucker am Mittwoch waren schon vor 27 Jahren dabei. Damals gab es eine totale Sonnenfinsternis über Deutschland. Peter Mennen aus Bad Brückenau war damals mit seiner Familie in Ungarn, wo die Sonnenfinsternis ebenfalls zu sehen war. Eine Frau erinnert sich, wie es in Bad Brückenau war: „1999 war die ganze Wiese voller Menschen.“ Dieses Mal sind es zwar deutlich weniger. Es lohnt sich dennoch.
Während sich der Mond weiter vor die Sonne schiebt, bis er letztlich rund 88 Prozent des Sterns verdeckt, kommen die Menschen ins Gespräch. Es geht unter anderem darum, wie Menschen vor Hunderten oder Tausenden Jahren solche Ereignisse wohl empfunden haben. „Da sind einige sicher komplett durchgedreht“, meint ein junger Mann. Ein anderer Zuschauer wird philosophisch: „Die Sonnenfinsternis zeigt, dass Kleinere und vermeintlich Schwächere auch etwas ausrichten können.“ Er hat recht: Der kleine Mond verdeckt den Stern, der etwa 400-mal größer ist und 27.000.000-mal mehr Masse hat.
So richtig dunkel wird es nicht. Alle bemerken aber eine Veränderung. „Das Licht ist ganz anders“, sagt Gerda Müller. Sie schaut auf die Stadt im Tal runter. „Da ist es jetzt schon ziemlich düster, sonst ist es um die Uhrzeit noch nicht so dunkel.“ Es ist 20 Uhr. Tatsächlich: Die Häuser verschwinden fast im Schatten.
Und noch etwas ist anders, zumindest empfinden es einige so: Plötzlich kommt Wind auf und es wird etwas kühler. Ob das direkt mit der Sonnenfinsternis zu tun hat?
Eins jedenfalls ist klar: Der Hund, den Patricia Dernbach dabei hat, lässt sich von der Sonnenfinsternis ganz und gar nicht aus der Ruhe bringen. Das Tier liegt seelenruhig auf der Erde und freut sich, draußen zu sein.
Ein letzter Blick durch die Brille gegen 20.14 Uhr. Die Sonne ist fast komplett vom Mond verdeckt. Sie sieht aus wie sonst der Erdtrabant.
Einige Minuten später sind Mond und Sonne hinter den Bergen in nordwestlicher Richtung verschwunden. Es ist Nacht. Und am nächsten Tag gehen beide Himmelskörper wieder auf.































