Gemeinderäte, Jäger und Jagdvorstände, Förster sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger haben sich am Freitagnachmittag zum Waldbegang der Gemeinde Thundorf getroffen. Revierförster Florian Seubert und Forstdirektor Hubert Türich, stellvertretender Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt an der Saale, führten die Gruppe durch den Gemeindewald, unter anderem in die Abteilung Stegholz.
Das bedeuten die Farben
Dort erläuterte Seubert die Maßnahmen des vergangenen Jahres und erklärte die im Wald verwendeten Markierungen: Eine blaue Linie kennzeichnet einen sogenannten Zukunftsbaum, der erhalten und gefördert werden soll. Rot markierte Bäume sind zur Entnahme vorgesehen – häufig, um den ausgewählten Zukunftsbaum besser zur Geltung zu bringen.
Zwei blaue Linien markieren eine Rückegasse, eine blaue Wellenlinie einen Habitatbaum. Solche lebenden oder abgestorbenen Bäume bieten besondere Lebensräume, etwa Spechthöhlen und Fledermaushöhlen oder Totholz. Im Stegholz soll ein verbliebener Fichtenbestand entnommen werden. Die Fichten stehen bereits in einem mit Buche unterbauten Bestand.
Der derzeit gute Holzpreis spreche für eine Nutzung, erklärte Seubert. Zugleich sei ungewiss, wie lange die Fichten dem Trockenstress und dem Borkenkäfer standhalten. Beides könne die Holzqualität und damit den Ertrag rasch mindern. Ob die Bäume motormanuell oder mit einem Harvester gefällt werden, ist noch offen. Auf dem Weg zum nächsten Besichtigungspunkt stieß die Gruppe auf illegal abgelagerten Bauschutt – trotz Verbotsschildern. Die Förster machten deutlich, dass der Wald keine Müllhalde sei. Er sei nicht nur Holzlieferant, sondern auch Erholungsraum, Lebensraum für Tiere und wichtig für Wasserrückhalt und regionales Klima. Ihn gesund und widerstandsfähig zu erhalten, sei deshalb eine gemeinsame Aufgabe.
Natürliche Verjüngung
Am zweiten Halt ging es um Eichennaturverjüngung. Türich lobte die Gemeinde für ihre Flächen mit natürlich nachwachsender Eiche und würdigte die Arbeit des Revierförsters. Natürliche Verjüngung sei meist kostengünstiger als Pflanzungen, die schnell mehrere Zehntausend Euro kosten könnten. Gekaufte Jungpflanzen müssten zudem vor Wildverbiss geschützt werden.
Auch Naturverjüngung brauche allerdings Pflege: Es müsse gezielt Licht geschaffen werden, während bedrängende Haselnuss zurückgeschnitten werden müsse. Seubert betonte, die Eiche solle nicht erneut zu großflächigen Monokulturen führen. Er wolle deshalb weitere Baumarten in die Verjüngung einbringen.
Bei einer anschließenden Schadfläche am Waldrand die aufgeforstet wurde, zeigte er eine Pflanzung von Elsbeeren. Die Jungbäume sind mit biologisch abbaubarem Einzelschutz versehen. Wegen des verstärkten Wildaufkommens am Waldrand sei dieser Schutz notwendig. Ziel sei es, den Wald mit unterschiedlichen Maßnahmen möglichst widerstandsfähig zu gestalten. Eine sichere Prognose für die Zukunft könne jedoch niemand geben, sagte Türich.
Fichte verliert an Bedeutung
Im Anschluss trafen sich Gemeinderat und Förster im Bauhof. Seubert stellte dort die Zahlen zur Bewirtschaftung des Gemeindewalds vor. Der Gemeinderat hatte im Vorjahr beschlossen, nicht die mögliche Höchstmenge von 1100 Festmetern auszuschöpfen, sondern einen Puffer zu lassen. 2026 wurden 723 Festmeter Holz eingeschlagen. Schadholz bei der Fichte sei erfreulicherweise nicht angefallen; Buchen und absterbende Eschen hätten jedoch vor ihrer Hiebreife entnommen werden müssen.
Gute Erlöse brachte eine Submission bei Mellrichstadt: Acht Stämme wurden zum internationalen Verkauf angeboten. Sieben davon erzielten zusammen rund 10.000 Euro – im Durchschnitt etwa 1000 Euro je Festmeter. Die Fichte, lange Zeit der „Brotbaum“ vieler Waldbesitzer, dürfte in der Region zunehmend an Bedeutung verlieren. Längere Trockenperioden und Schädlingsbefall beschleunigten diese Entwicklung.
Geeignet für das Klima
Neben der Eiche, die derzeit als besonders geeignet für die Klimabedingungen gilt, werden weitere Baumarten erprobt, darunter Elsbeere, Esskastanie, Winterlinde und Wildkirsche. Auch Baumhasel und Orientbuche stehen auf der Liste.
Welche Arten sich dauerhaft bewähren, müsse sich erst zeigen: Zwischen Planung und Wirklichkeit liege in einem lebenden System oft ein Unterschied. Für 2027 sieht der Betriebsplan einen Einschlag von 1000 Festmetern vor: 460 Festmeter aus Verjüngungsnutzungen, 430 aus Altdurchforstungen und 60 aus Jungdurchforstungen. Zudem sollen rund 700 Bäume gepflanzt werden, darunter Flatterulme, Schwarznuss, Esskastanie und Speierling. Um eine Kirschenverjüngung ist ein rund 200 Meter langer Kleinzaun vorgesehen.
Zusammen mit der Forstbetriebsgemeinschaft sollen außerdem Wege und Gräben saniert werden. Die Ausgaben für den Jahresbetriebsplan 2027 sind mit 97.310 Euro angesetzt, die erwarteten Einnahmen mit 106.915 Euro. Daraus ergäbe sich ein Überschuss von 9605 Euro. Der Gemeinderat stimmte dem Betriebsplan einstimmig zu. Die Holzpreise für 2027 sollen gegenüber dem Vorjahr unverändert bleiben. Der Gemeinderat beschloss einstimmig folgende Preise: Polterholz-Langholz hart oder weich (jeweils an den Weg gerückt), Losholz hart oder (jeweils Abraum/Jungdurchforstung): 75 Euro pro Festmeter (fm), 45 €/fm, 15 €/Ster, 5€/Ster.













