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Neue Ansätze für Parkdisziplin
Bad Brückenau denkt über Kontrolle von Falschparkern nach
Nur zwei Stunden erlaubt: Parkende Autos auf einem öffentlichen Parkplatz in Bad Brückenau.
Nur zwei Stunden erlaubt: Parkende Autos auf einem öffentlichen Parkplatz in Bad Brückenau. // Marion Eckert
Bad Brückenau – Mehr Kontrolle, weniger Chaos: Bad Brückenau denkt über einen Sicherheitsdienst für Parksünder nach. Der Stadtrat berät über erste Schritte.

Wer kennt es nicht? Fahrzeuge, die deutlich länger als erlaubt auf Parkplätzen stehen, Falschparker, die Gehwege, Einfahrten oder Feuerwehrzufahrten blockieren, und das tägliche Verkehrschaos vor Schulen und Bushaltestellen. Auch das Weiterdrehen der Parkscheibe wird vielerorts zum Ärgernis – so auch in Bad Brückenau.

Bürgermeister Jan Marberg (SPD) wurde durch seinen Münnerstädter Kollegen Michael Kastl auf den ESD Sicherheitsdienst aus Mühldorf aufmerksam, der in mehreren Kommunen im Landkreis Bad Kissingen bereits erfolgreich die Verkehrsüberwachung übernommen hat.

ESD Sicherheitsdienst stellt sich vor

Um dem Stadtrat eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten, stellte Martin Grohganz, Operativer Manager von ESD, das Konzept in Bad Brückenau persönlich vor. Er erläuterte die Vor- und Nachteile einer professionellen Überwachung des ruhenden Verkehrs, gab Einblicke in die Arbeitsweise seines Teams und informierte über die Kosten sowie den Verwaltungsaufwand für die Stadt.

Eine Entscheidung über den Start einer zunächst einjährigen Pilotphase wurde allerdings noch nicht getroffen – erst sollen die anstehenden Haushaltsberatungen am 5. Juli abgewartet werden.

Mehr Sicherheit

Grohganz machte gleich zu Beginn deutlich, dass es bei der kommunalen Verkehrsüberwachung nicht um Gewinnmaximierung oder die Sanierung des Stadthaushalts geht. Dennoch sei klar: „Es wird ein Gewinn übrigbleiben. Wie hoch dieser letztlich ausfällt, hängt vom Verhalten der Falschparker ab.“

Besonders in der Innenstadt und im Außenbereich herrsche, trotz zahlreicher Parkplätze, ein enormer Parkdruck – viele Flächen seien zudem mit Parkscheibenpflicht belegt. Die Folge: Frust und gefährliche Situationen, weil Autofahrer aus Bequemlichkeit falsch parken. „Die Kapazität reicht oft nicht aus, um den Bedarf zu decken“, so Grohganz.

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Für unsere Kinder auf dem Schulweg, für ältere Menschen und Menschen mit Einschränkungen.

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Martin Grohganz Operativer Manager, ESD Sicherheitsdienst

Wie bereits in Münnerstadt, Nüdlingen und Maßbach könnten künftig auch in Bad Brückenau uniformierte Außendienstmitarbeiter von ESD den ruhenden Verkehr überwachen – sowohl in der Innenstadt als auch an sensiblen Orten wie Kindergärten und Schulen.

Das Hauptziel: durch regelmäßige Kontrollen die Verkehrssicherheit erhöhen und Unfallgefahren senken. „Für unsere Kinder auf dem Schulweg, für ältere Menschen und Menschen mit Einschränkungen“, betonte Grohganz. Die Verkehrsüberwachung stärke das Sicherheitsgefühl und schütze letztlich alle Verkehrsteilnehmenden.

Erfahrungsgemäß zeige sich: Verwarngelder entfalten bei den meisten Verkehrsteilnehmern eine erzieherische Wirkung, was die Situation langfristig verbessere und das Stadtbild aufwerte.

Die Grundlage für alle Maßnahmen bildet die Straßenverkehrsordnung (StVO). „Unsere Außendienstmitarbeiter handeln nicht nach eigenem Ermessen, sondern sind zertifizierte kommunale Verkehrsüberwacher“, stellte Grohganz klar.

Flexible Einsatzzeiten und klare Regeln

Er schlägt der Stadt Bad Brückenau vor, monatlich 30 Stunden für die Überwachung einzuplanen – 26 Stunden im Außendienst, vier im Innendienst. Die Schwerpunkte können flexibel gesetzt werden: Kurzzeitparkplätze, Parkscheibenpflicht, E-Lade- und Behindertenparkplätze sowie Falschparker auf Geh- und Radwegen.

Ein besonderes Augenmerk könnte auf Schulen und Kindergärten gelegt werden. Auch eine verstärkte Überwachung der Fußgängerzone nach 13 Uhr sei möglich.

Alle Parkverstöße werden mit Fotos belegt, um die Nachverfolgung zu gewährleisten. Wann und wo kontrolliert wird, bleibe flexibel – so soll der erzieherische Effekt möglichst schnell einsetzen. „Der Deutsche lernt, wenn er zahlt“, bringt es Grohganz auf den Punkt.

Der fließende Verkehr könne zwar nicht überwacht werde, aber Verstöße wie unerlaubtes Befahren der Innenstadt außerhalb erlaubter Zeiten können dokumentiert werden. 

Finanzielle Aspekte für die Stadt

Finanziell habe die Stadt mit monatlichen Kosten von 1245 Euro für 30 Stunden zu rechnen, hinzu kommen 119 Euro für die Verwarn-App und eine monatliche Anfahrtspauschale von 50 Euro. Einmalig werden 600 Euro für die Systemaufnahme fällig. Sollte weniger überwacht werden, reduziert sich der Grundbetrag entsprechend. Die Einnahmen aus Verwarngeldern werden auf rund 20.000 Euro jährlich geschätzt.

Ablauf bei Parkverstößen

Das Verfahren bei einem Parkverstoß ist klar geregelt: Am Fahrzeug wird ein Verwarn-Angebot hinterlegt. Erfolgt keine Zahlung, wird der Halter zweimal schriftlich erinnert. Bleibt auch dies erfolglos, übernimmt die zentrale Bußgeldstelle in Viechtach das Verfahren – mit deutlich höheren Kosten für den Betroffenen als beim ersten Verwarn-Angebot.

Vorteil für die Stadt: Sie muss sich nicht selbst mit dem Eintreiben der Gelder beschäftigen. Nachteil: Nur Verwarngelder bis 55 Euro fließen direkt in die Stadtkasse, höhere Beträge gehen an den Freistaat Bayern.

Polizei bleibt eingebunden

Robin Schomann vom Ordnungsamt bestätigt, dass die Polizeiinspektion Bad Brückenau selbstverständlich eingebunden ist und keine Dienstkräfte durch die kommunale Verkehrsüberwachung abgezogen werden. 

Zum Hintergrund: Die ESD Sicherheitsdienst GmbH ist ein Familienunternehmen in vierter Generation, gegründet 1947, und sowohl im militärischen als auch im zivilen Sektor tätig.

 

 

 

 

 

 

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