Von Oktober bis Januar ist auf den Straßen besondere Vorsicht geboten. Denn an den herbstlichen und winterlichen Morgenden und Abenden kommen Wildunfälle vermehrt vor. Etwa, weil die kürzer werdenden Tage mit Berufsverkehr in der Dämmerung und Dunkelheit zusammenfallen. Oder, weil die Tiere auf Nahrungs- oder Partnersuche sind und sich dadurch mehr bewegen.
Die örtliche Polizei erklärt, wie Autofahrer einem Zusammenstoß mit Wild zuvorkommen können, wo sie aufpassen sollten und was zu tun ist, wenn es doch zu einem Unfall kommt.
Wildunfall-Hotspots in Waldnähe
Als Hotspots, also Punkte, wo es oft zwischen Tier und Auto kracht, zählen grundsätzlich Strecken durch Waldgebiete oder am Waldrand entlang. Auch Strecken durch Freiflächen mit Waldnähe sprechen für ein erhöhtes Wildaufkommen oder Wildwechsel, berichtet Florian Heuring, Sachbearbeiter für den Verkehr bei der Polizei Bad Kissingen.
Die Unfälle mit Wild seien im gesamten Landkreis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stark rückläufig: zwischen zehn und 25 Prozent im Vergleich zu 2022. Die Wildarten Reh, Rot- und Damwild seien nach wie vor Spitzenreiter bei Unfällen, wie Heuring erklärt. Während den Dämmerungszeiten passierten die meisten Unfälle, fügt er an.
Die Punkte, an denen häufig Unfälle passieren, würden sich teilweise im Halbjahresrhythmus ändern, berichtet er. So sei eine Strecke nach dem Lauterer Kreisel für etwa zwei Jahre ein Schwerpunkt gewesen, weil dort eine Route des Wildes verlief. Danach änderte sich das.
Wildwechsel-Warnschilder da, wo sie nötig sind
Ansonsten könnten sich die Autofahrer an den dreieckigen Wildwechsel-Warnschildern orientieren: Bemerkt die Polizei Punkte, an denen es zu vielen Unfällen kommt, wendet sie sich an Straßenverkehrsbehörde oder Straßenbaulastträger, die dann ein Warnschild aufstellen. „Wir können nicht an allen Waldstücken Schilder aufstellen. Sie stehen wirklich nur da, wo es nötig ist“, erklärt Heuring.
Daneben seien ein Wildschutzzaun oder der Rückschnitt von Bewuchs an der Straßenseite eine Möglichkeit, Unfälle zu minimieren. Die Jäger täten ihren Teil, wenn sie die Abschnitte bejagen, wo das Wild oft quert.
Wichtigste Maßnahme: Angepasste Geschwindigkeit
Doch Heuring betont: „All diese Maßnahmen sind wenig bis kaum effizient. Den größten Beitrag leisten die Autofahrer, wenn sie vorausschauend fahren.“ Dazu gehöre auch, die Geschwindigkeit anzupassen. Behördenleiter der Kissinger Polizei, Christian Pörtner, sagt dazu: „Könnte das Wild die Geschwindigkeit außerorts bestimmen, dann würde die 100 Kilometer pro Stunde wackeln.“
Nur Verringerung der Geschwindigkeit helfe nachhaltig. So wäre der Bremsweg bei 100 km/h bei rund 80 Metern, bei 80 km/h bei 55 Metern und bei 60 km/h nur noch bei 35 Metern.
Wild auf der Straße: Kontrollierte Vollbremsung
Doch was ist zu tun, wenn wie so oft berichtet plötzlich ein Reh von der Seite auf die Fahrbahn springt? „Weichen Sie nicht aus“, rät Heuring. Die Gefahr, auf die Gegenfahrbahn zu gelangen oder von der Fahrbahn abzukommen, sei dabei zu groß.
„Versuchen Sie, das Steuer gerade zu halten und machen Sie eine kontrollierte Vollbremsung.“ Fahren Sie auf ein Tier zu, das sich nicht von der Straße bewegt, wird geraten, das Licht abzublenden und auf die Hupe zu drücken.
Verhalten nach Zusammenstoß
Kommt es dennoch zum Zusammenstoß, sollte man die Warnblinker einschalten, die Warnweste anziehen und ein Warndreieck aufstellen. Wer sich nicht zutraut, bei Dunkelheit im Wald aus dem Auto zu steigen oder nicht sicher ist, ob das Tier wirklich tot ist, kann es bei den Warnblinkern belassen, erklärt Heuring.
Außerdem sollte die Polizei kontaktiert werden. Tut man das nicht, sind Autofahrer für Unfallfolgen haftbar, etwa wenn ein weiteres Auto wegen des Tiers auf der Straße einen Unfall baut. Zudem wird es so schwierig, den Schaden bei der Versicherung zu melden. Den Kontakt zum Jagdpächter nimmt die Polizei selbst auf.
Oft würden die Tiere nur angefahren, lägen also nicht direkt tot am Boden. „Falls es noch laufen kann, sollte man sich merken, wo das Tier hingerannt ist, damit der Jagdpächter es später nachsuchen kann.“ Einfach weiterfahren verstoße gegen das Tierschutzgesetz.
...und wenn ich im Funkloch bin?
Weil Wildunfälle oft abseits der Zivilisation, meist im Wald passieren, würde naheliegen, dass es beim Polizei anrufen zu Problemen mit dem Empfang kommt. Das sei bisher nicht vorgekommen, berichtet Heuring. Sollte man doch im absoluten Funkloch stehen, sei es zum einen möglich, anhaltende Autofahrer um Hilfe zu bitten oder ein paar Meter zu fahren, bis der Empfang wieder da ist.
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