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Verkehr geregelt
Eine Fußgängerzone in der Hammelburger Innenstadt?
In der Bahnhofstraße in Hammelburg gilt aktuell Tempo 20. Eine Umwandlung zur Fußgängerzone ist nicht geplant.
In der Bahnhofstraße in Hammelburg gilt aktuell Tempo 20. Eine Umwandlung zur Fußgängerzone ist nicht geplant. // Wolfgang Dünnebier
Hammelburg – Eine Fußgängerzone am Marktplatz Hammelburg ist schon lange Thema. Warum Stadt, Verein für Wirtschaft und Stadtmarketing und Geschäftsinhaber dagegen sind.

Verwahrloste Verkaufsflächen mit teilweise vergilbten „Zu vermieten“-Schildern sind auch in Hammelburg keine Seltenheit mehr. Immer mehr Geschäfte fallen weg, die Räume bleiben lange Zeit leer. Der Wunsch aus dem Heimat-Monitor: „Durch die Umwandlung der Innenstadt (Kissinger Straße/Bahnhofstraße) in eine Fußgängerzone würde sich die Lebensqualität in Hammelburg erheblich verbessern und die Innenstadt würde dadurch wiederbelebt werden.“ Wir haben bei der Stadt, dem Verein für Wirtschaft und Stadtmarketing und ansässigen Geschäftsinhabern nachgefragt, was sie von dem Konzept halten und warum Hammelburg keinen verkehrsberuhigten Bereich in der Innenstadt hat.

Verkehr bereits abgebremst

Über eine Fußgängerzone habe sich der Stadtrat in der Vergangenheit immer wieder Gedanken gemacht, teilt Pressesprecherin Heike Gnerlich auf Anfrage mit. Ein verkehrsberuhigter Bereich in der Innenstadt habe in Hammelburg noch nie existiert. „Am Ende haben die Argumente gegen eine Fußgängerzone überwogen. Gerade die Geschäftsleute, Ärzte und Apotheken sind der Auffassung, dass ein Parkplatz in unmittelbarer Nähe des Geschäfts oder der Praxis sehr wichtig ist.“

Die Altstadt sei bereits ein verkehrsberuhigter Bereich. Bedeutet: Hier muss Schrittgeschwindigkeit gefahren werden. „Die Geschäftsstraßen wie Innere Kissinger Straße, Weihertorstraße und Bahnhofstraße sind geschwindigkeitsberuhigte Streckenbereiche“, heißt es aus dem Rathaus. Autofahrer dürfen auf diesen Strecken also mit höchstens 20 Kilometer pro Stunde fahren. Der Vorteil daran sei, dass die Innenstadt attraktiv bleibe. Sie könne weiterhin gut angefahren werden, ist aufgrund der Beschränkungen aber dennoch verkehrsberuhigt. „Menschen mit Einschränkungen können die Innenstadt gut erreichen“, sagt Gnerlich.

Mehr Gastronomie

Der Nachteil: Der Durchgangsverkehr erfordere mehr Aufmerksamkeit von allen Verkehrsteilnehmern. „Wir sehen ein gesundes Mittelmaß als erforderlich an, um Geschäfte in der Innenstadt zu halten und zu gewinnen.“ Das aktuelle Konzept scheint zu funktionieren. In letzter Zeit hätten sich mehrere inhabergeführte Geschäfte angesiedelt. Es gibt allerdings auch noch Lücken: „Wichtig für Hammelburg wäre die Erweiterung des gastronomischen Angebotes.“

Hier sieht auch Sebastian Hose, erster Vorsitzender des Vereins für Wirtschaft und Stadtmarketing, noch Nachholbedarf. Es sei wichtig, eine hohe Aufenthaltsqualität in der Hammelburger Innenstadt zu schaffen. „Hier wird zukünftig die Erweiterung des gastronomischen Angebotes eine wichtige Aufgabe sein“, ergänzt er.

Aber: Die Sanierung des Viehmarktes und der Bahnhofstraße sowie das Einrichten einer zentralen Tourist-Info im neuen Bürgerhaus am Marktplatz würde bereits zu einer höheren Aufenthaltsqualität beitragen. „Wir sehen hier in den Maßnahmen der letzten Jahre den richtigen Weg beschritten.“

Kunden auf das Auto angewiesen

Hose bestätigt: Der Vorschlag zur Umwandlung der Innenstadt in eine Fußgängerzone sei in den letzten Jahrzehnten immer wieder diskutiert worden. „Eine entsprechende Maßnahme würde die Lebensqualität in der Innenstadt nicht verbessern, sondern binnen kurzer Zeit zu einer Destabilisierung dieser Standorte führen“, erklärt er.

Vor allem der fehlende Branchenmix und das Missverhältnis der vorhandenen Verkaufsflächen in der Innenstadt zur Gesamtverkaufsfläche der Stadt spreche gegen eine Änderung der aktuellen Verkehrsregelung.

„Im Gegenzug würde die Wiederansiedlung von Lebensmittelversorgern eine gewisse Impulswirkung für unser Stadtzentrum haben“, ist sich der Vorsitzende sicher. Er weist außerdem auf das große Einzugsgebiet der Stadt hin. Viele Kunden seien auf das Auto angewiesen. „Zieht man noch die demografische Entwicklung und damit auch immer älter werdende Kunden mit ein, ist eine Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Pkw dringend erforderlich“, berichtet Hose.

Mischnutzung der Stadt

Die Möglichkeit, mit einer Fußgängerzone dem aktuellen Leerstand entgegenzuwirken, sehen sowohl Stadt als auch Verein nicht. „Vielmehr ist bei zukünftigen Planungen eine Mischnutzung der Innenstadt, das heißt, Handel, Dienstleistung, Wohnen anzustreben“, meint Hose. Reine Geschäftsstraßen werde es in Kleinstädten nicht mehr geben.

Die Stadt teilt diese Meinung. Aus dem Rathaus heißt es: „Die Attraktivität einer Innenstadt ist nicht zwangsläufig durch eine Fußgängerzone gegeben.“ Durch die Gestaltung ansprechender Aufenthaltsmöglichkeiten lasse sich für eine Stadt in der Größe von Hammelburg viel mehr erreichen.

Verkehr auf Umgehungsstraße umleiten

Dieter Hohmann ist seit fast 40 Jahren Inhaber des Sport Hohmann in der Kissinger Straße. Für ihn ist die Fußgängerzone kein Thema. Die ansässigen Geschäfte würden bereits jetzt unter dem Mangel der Kundenfrequenz leiden und seien auf die Parkplätze direkt vor Ort angewiesen. „Wenn ich noch eine Schicht wegschneide, wird das sicherlich nicht leichter“, sagt Hohmann.

Er macht den Vorschlag: „Man müsste eher daran arbeiten, dass der reine Durchgangsverkehr auf die Umgehungsstraße umgelegt wird.“ Das hätte den Effekt, dass in der Innenstadt weniger los sei, ohne direkt die Verkehrsregelung ändern zu müssen.

 

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