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Vom Himalaya nach Deutschland
In Hammelburg arbeitet ein Azubi aus Nepal
Andreas Fella und Azubi Pustam Gharti Magar
Andreas Fella und Azubi Pustam Gharti Magar // Riccarda Rascher
Hammelburg – Für ihn eröffnet sich eine neue Welt der Chancen: Pustam Gharti Magar aus Nepal lernt aktuell bei der Firma Metallbasis in Hammelburg. Der Mut, diese Reise anzutreten, zahlt sich für den jungen Mann aus.

Pustam Gharti Magar ist 20 Jahre alt und mittlerweile schon fast ein Jahr lang Auszubildender bei der Firma Metallbasis in Hammelburg. Ein junger Mann, der Spengler wird, scheint erstmal nicht ungewöhnlich. Doch Magar kommt aus Nepal und ist extra nach Deutschland gekommen, um hier eine Ausbildung machen zu können.

So kommen Auszubildende nach Deutschland

Während in Deutschland weiterhin Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, ist in Nepal die Arbeitslosenquote junger Leute laut macrotrends bei gut 20 Prozent. Das Nepal Sekretariat of Skills and Training (NSST), übersetzt Nepalesisches Sekretariat für Fähigkeiten und Ausbildung, versucht daher, mit dem deutschen Konsulat in Kathmandu, junge Menschen aus Nepal für eine Ausbildung nach Deutschland zu bringen.

Auch Magar kam über dieses Programm nach Deutschland. Ein Jahr lang hat er in Nepal die Sprache und Kultur kennengelernt, Bewerbungstraining erhalten und vermittelt bekommen, welche Werte in seiner neuen Heimat essenziell sind: „In der Schule haben wir gelernt, dass Pünktlichkeit wichtig ist, Sauberkeit und genaues Arbeiten.“ 

Gegenseitiges Verständnis aufbringen

Geschäftsführer Andreas Fella hat über das Programm ebenfalls Züge der nepalesische Kultur vermittelt bekommen. Er ist für die Lehrlinge zuständig und meint: „Uns wurde erklärt, dass Termine in Nepal anders funktionieren. Wenn man sagt Freitag 15 Uhr, ist das hier ein festes Treffen, in Nepal nicht.“ Magar schmunzelt und nickt. 

Der 20-Jährige sagt, dass er gut in Deutschland angekommen ist: „Ich habe Freunde gefunden und es gibt eine Gemeinschaft nepalesischer Leute in Deutschland. Wir feiern zusammen die Feiertage, die es hier nicht gibt.“

Besonders gefallen ihm die vielen Möglichkeiten, die hier geboten werden. „Wer Deutschland eine Ausbildung macht, kann danach studieren. Es gibt so viele Berufe.“ Er unterbricht sich selbst und schmeißt ein: „Außerdem sind die Regale immer voll. In Nepal ist der Lohn schlecht, es gibt nicht viele verschiedene und nur wenige Jobs und viele junge Leute sind arbeitslos.“

„Der Dialekt, alles war neu“

Magar spricht gut Deutsch. Doch trotz der Vorbereitung in Nepal, war das zuerst schwierig: „Der Dialekt, alles war neu.“ Der Geschäftsleiter fügt an: „Und die Fachbegriffe. Wir verwenden viele Wörter, die man nicht in der Schule lernt, aber inzwischen geht es gut. Wenn ich eins gelernt habe, dann Geduld. Etwas übers Knie brechen zu wollen, funktioniert mit Sprachbarriere einfach nicht.“

Fella hat vor, wieder Auszubildende aus Nepal zu holen. „Das Programm ist absolut seriös und ansonsten bekomme ich zu wenig Azubis.“ Bis vor der Corona-Pandemie habe er regelmäßig den Beruf des Spenglers und seinen Betrieb in Mittel- und Realschulen vorgestellt. „Daraus sind manchmal Praktika entstanden, aber nicht die Menge an Bewerbungen, die ich bräuchte.“

Woran das liegt, weiß er nicht genau, hat aber festgestellt: „Man muss nicht nur die Kinder überzeugen, sondern vor allem auch die Eltern. Viele wollen unbedingt, dass ihre Kinder aufs Gymnasium gehen, obwohl sie begabte Handwerker wären. Dabei kann man speziell in Deutschland nach einer Ausbildung so viel machen und man lernt nebenbei soviel Lebenspraktisches.“

Metallbasis Hammelburg – mehr Einsatz für Azubis

Die Azubis von weiter herzuholen erfordert zwar mehr Einsatz der Ausbildungsstätte, aber es lohnt sich, meint Fella. „Ich habe für Magar eine Gastfamilie gefunden, was zum Glück gut funktioniert. Habe mich darum gekümmert, dass er einen Hausarzt und einen Zahnarzt hat. Außerdem wusste ich, dass er gerne Fußball spielt, also habe ich ihn an den örtlichen Verein vermittelt“, sagt Fella. Wer eine Ausbildung daheim in der Nähe seiner Eltern und Freunde macht, kann meistens auf deren Hilfe zurückgreifen. Fällt das weg, wie bei Magar, muss der Ausbildungsbetrieb vieles ersetzen. 

„Es gibt auch Momente, die mich berühren“, meint der Geschäftsleiter, „manchmal sieht Magar etwas, das für uns total normal ist und freut sich darüber, dann habe ich die Chance, die Welt auch nochmal mit neuen Augen zu betrachten.“ 

 

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