Die Isolatoren und Stromleitungen aus Aluminium und Kupfer glänzen in der Sonne, sämtliche Betonsockel sind neu, die Wege frisch asphaltiert, das Umfeld frisch angesät: Dreieinhalb Jahre lang hat Bayernwerk das Umspannwerk Fuchsstadt komplett umgekrempelt.
Auf rund acht Millionen Euro beziffert der Netzbetreiber die Investition in die Energiewende. Wie nötig der Umbau war, zeigen Zahlen, die Bayernwerk auf Nachfrage veröffentlicht: Im Jahr 2023 gab es in den ersten zehn Monaten an 262 von 304 Tagen unterm Strich eine so genannte Rückspeisung. Das heißt: An 86 Prozent der Tage wurde in der Region Hammelburg mehr Strom erzeugt als verbraucht.
Noch eindeutiger fallen die Zahlen der Tage aus, an denen mindestens einmal am Tag ein Stromüberschuss durch die Windräder zwischen Sulzthal und Hammelburg sowie sämtliche Photovoltaikanlagen auf Dächern und Freiflächen gemessen wird: Von März bis Oktober war das durchgehend der Fall, in den Monaten Juni, Juli und September lag sogar an allen Tagen in Summe ein Stromüberschuss durch regenerative Energien vor, die Region speiste also im Saldo Strom ins 110-Kilovolt-Netz ein.
Jahrzehntelang nur in eine Richtung
Über Jahrzehnte diente das deutsche Stromnetz dazu, zentral erzeugte Energie auf Kommunen, Unternehmen und Haushalte zu verteilen. Große Kraftwerke, ob mit Kernkraft, Kohle oder Gas betrieben, speisten den Strom an wenigen Punkten ein, die Netzbetreiber verteilten den Strom an die Verbraucher. Das kehrt sich mit dem Bau von Windrädern und PV-Anlagen immer mehr um.
Die Zahl der Tage, an denen rund um Fuchsstadt zumindest zeitweise ein Stromüberschuss vorlag, hat sich laut Bayernwerk in den vergangenen drei Jahren kontinuierlich gesteigert: Im ersten Halbjahr 2021 lag der Wert noch bei 135 von 181 Tagen (74,5 Prozent), im gleichen Zeitraum 2022 waren es 158 Tage (87,3 Prozent) und von Januar bis Juni 2023 bereits 173 Tage, also 95,5 Prozent.
Netzausbauplan entwickelt
Als Reaktion auf diese Entwicklung hat der Netzbetreiber Bayernwerk einen umfangreichen Netzausbauplan entwickelt, berichtet Pressesprecher Christian Martens. Mehr als 390.000 dezentrale Einspeiseanlagen seien bereits ins bayerische Stromnetz eingebunden, der größte Teil davon seien private Photovoltaikanlagen. Bayernwerk verteile mittlerweile schon zu mehr als 70 Prozent Strom aus regenerativen Quellen.
Das wirkt sich auch auf die Umspannwerke aus: Das in den 1980er Jahren gebaute und 2012 erweiterte Umspannwerk in Fuchsstadt kam immer öfter an seine Grenzen. Um die Windräder in der Region anschließen zu können, gab es provisorische Erweiterungen: „Weil wir keine Schaltfelder mehr frei hatten, haben wir separaten Boxen aufgestellt“, berichtet Projektleiter Matthias Behringer. Engpass im Umspannwerk war die Transformation ins 110-Kilovolt-Netz: Bislang gab es zwei Trafos mit bis zu 40 Megawatt Leistung, die in beide Richtungen Strom arbeiten konnten. Beide wurden zwar erhalten, aber versetzt.
Neuer 80-Mega-Watt-Trafo
Neu ist ein 80-Megawatt-Trafo, der ausschließlich Strom ins Netz einspeisen kann. „Das ist wie eine Einbahnstraße rauswärts von der Region ins Netz“, sagt Behringer. Der Trafo mit einem Gesamtgewicht von 85 Tonnen hat eine geschätzte Betriebsdauer von 50 Jahren.
Details zum Umbau und geplanten Netzausbauprojekten im Landkreis:










