Es ist ein Gerücht, das in den letzten Wochen in Bad Brückenau die Runde machte: Das Caritas-Lädchen in der Ludwigstraße, direkt am Marktplatz, solle schließen und keine Waren mehr annehmen.
Für viele Stammkunden und Unterstützer des Second-Hand-Ladens ein Schock. Doch Theresia Schodorf-Friedrich von der Gemeindecaritas, Bad Kissingen, stellt klar: „Das stimmt nicht. Im Gegenteil, wir suchen weiterhin Ehrenamtliche und nehmen auch gerne Waren an – nur keine Herrenanzüge, die gehen in Bad Brückenau einfach nicht.“
Ein Ort der Vielfalt
Seit Juni 2019 öffnet das Caritas-Lädchen seine Türen für jedermann. Unter dem liebevollen Namen „CarLa“ bietet das Geschäft auf zwei Etagen wahre Schätze: im Erdgeschoss Damenmode und Haushaltswaren, von schicken Kleidern für besondere Anlässe bis hin zu dekorativen Vasen.
Im Obergeschoss gibt es Herrenmode, wobei vor allem Trachten und Trachtenschuhe der Renner sind. Für die Kleinen gibt es Kinderwagen, Spielsachen, Autositze, Kommunionkleider, Kinderbetten, Stubenwagen und Kuscheltiere. Auch Erstlingsausstattungen sind hier zu finden.
Wer hier stöbert, findet oft Markenware in gutem Zustand zu günstigen Preisen. „Es gibt Frauen, die kommen jede Woche und finden immer etwas“, erzählt eine der ehrenamtlichen Helferinnen mit einem Lächeln.
Doch das Lädchen hat klare Regeln: Nur Dinge, die in gutem Zustand sind und für die man selbst Geld ausgeben würde, werden angenommen. Alte Zinnteller, defekte Kinderwagen oder Koffer ohne Rollen müssen abgelehnt werden – oft ein schwieriger Moment, wie Schodorf-Friedrich erklärt: „Manchmal bringt das Frust, aber wir haben einfach keinen Platz für Sperrmüll.“
Ehrenamt mit Herz und Hand
Das Herzstück des Caritas-Lädchens sind die 22 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die mit viel Engagement und Liebe zum Detail den Betrieb am Laufen halten. Vom Sortieren der Ware über das Bügeln, bei besonders hochwertige Ware, bis hin zum Verkauf – jede Aufgabe wird mit Sorgfalt erledigt. „Es ist eine schöne Gemeinschaft im Team“, erzählt Hildegard Rehm, die seit ihrer Pensionierung 2016 hier aktiv ist. „Wir unterstützen uns gegenseitig und haben Freude an der Arbeit.“
Neue Helfer sind willkommen
Oliver, ist ein neuer Helfer. Er wurde von Diakon Kim Sell auf die Idee gebracht, mitzuhelfen. „Ich will mal reinschnuppern und schauen, wo ich gebraucht werde“, sagt er, während er die ersten Kartons in den oberen Stock trägt.
Die Arbeit im Lädchen ist vielfältig, aber auch körperlich fordernd. Besonders im Frühjahr, wenn viele Menschen ausmisten, wird jede helfende Hand gebraucht. Aktuell sucht das Team Unterstützung für den Mittwochs-Dienst, vor allem für das Tragen von Kartons über die drei Etagen.
Ein Ort der Begegnung
Das Caritas-Lädchen ist weit mehr als nur ein Second-Hand-Shop, sondern ein Treffpunkt für Menschen aller Altersgruppen und Hintergründe. Hier kaufen junge Menschen, die bewusst auf Nachhaltigkeit setzen, ebenso wie Schnäppchenjäger, Rentner, Kurgäste und Urlauber auf der Suche nach etwas Besonderem und Individuellem. Erst kürzlich sei eine Kundin im Laden gewesen, auf der Suche nach Trachten im Landhausstil. „Sie war so begeistert und hat gleich fünf Kleider mitgenommen“, weiß Schodorf-Friedrich aus Erzählungen.
Eine besondere Geschichte ist die von Nahida ShaFahi, die jede Woche, manchmal sogar zweimal, ins Caritas-Lädchen kommt. Nahida stammt aus Afghanistan und lebt jetzt in Wildflecken. Für sie ist das Lädchen ein Ort der Hoffnung und Unterstützung. Hier findet sie regelmäßig Kindersachen, die sie für ihre Familie benötigt. Ihre Besuche im Lädchen sind nicht nur eine Möglichkeit, notwendige Dinge zu erwerben, sondern auch eine Gelegenheit sich in der deutschen Sprache zu üben. „Ich finde hier immer etwas“, sagt sie dankbar.
Gerne erinnert sich Anne Perlick an eine andere junge Frau, mit der sie eine Erstlingsausstattung auswählte. Einige Monate später kam sie mit dem Baby vorbei, um sich zu bedanken. „Solche menschlichen Begegnungen sind einfach schön. Ich habe das Baby auch halten dürfen“, erinnert sich Perlick.
Walli Büchner aus Bad Brückenau bringt regelmäßig Kleidung vorbei. „Ich freue mich, wenn es jemand anzieht und es passt“, sagt sie. Gleichzeitig stöbert sie selbst gerne nach Spielen für ihren Enkel. Als sie vom Gerücht hörte, war sie erschrocken: „Der Laden soll erhalten bleiben.“
Nachhaltigkeit und Unterstützung
Der Erlös des Ladens – bisher beeindruckende 22.762 Euro – fließt direkt in die Beratungsdienste der Caritas und unterstützt damit Menschen in Not. Doch der Laden leistet noch mehr: Er fördert einen bewussten Umgang mit Ressourcen und zeigt, dass Secondhand nicht nur nachhaltig, sondern auch stilvoll sein kann. „Die Kundschaft schätzt die individuellen Stücke, die man hier findet – von Trachtenkleidern bis zu Modeschmuck“, betont Schodorf-Friedrich, die selbst auch gerne in den Neuheiten stöbert.
Wichtig ist ihr, die Ehrenamtlichen zu unterstützen. Bei Unklarheiten und Fragen ist sie stets die Ansprechpartnerin. Aber auch der fachliche Austausch und gemeinsame Freizeitunternehmungen sind ihr wichtig.
Öffnungszeiten:
Mittwoch von 14 bis 17 Uhr
Donnerstag von 10 bis 12 Uhr
Außerdem ist an Marktsonntagen und bei Festen wie dem Stadtfest geöffnet.
Weitere Informationen: caritas-kissingen.de













