Das alte Jahr schleppte sich seinem Ende entgegen, da ereilte die Bad Brückenauer noch eine Hiobsbotschaft: Die Medzentrum Bad Brückenau GmbH & Co. KG - die Betreibergesellschaft des neuen Ärztehauses in der Bahnhofstraße - steckt in der Insolvenz. Das ist nur die Spitze des Eisbergs.
Insolvenzantrag am 28. Dezember
Laut dem durch die Insolvenzgerichte gefütterten Internetportal insolvenzbekanntmachungen.de ist "am 28. Dezember 2023 um 12:51 Uhr die vorläufige Verwaltung des Vermögens der Antragstellerin angeordnet worden".
Die Antragstellerin heißt in diesem Fall Medzentrum Bad Brückenau GmbH & Co. KG und hat ihren Sitz im nordhessischen Gießen. Vertreten wird die Betreiberfirma des Rhöner Ärztehauses durch die dbp Projekt GmbH als persönlich haftende Gesellschafterin. Die Adresse in Gießen ist dieselbe. Als Geschäftsführer wird ein Gunnar Volkers genannt.
Vorläufiger Insolvenzverwalter benannt
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Medzentrum Bad Brückenau GmbH & Co. KG wurde Rechtsanwalt Dr. Jan Markus Plathner aus der Frankfurter Kanzlei "Brinkmann und Kollegen" bestellt. Er bestimmt künftig über alle finanziellen Angelegenheiten der Medzentrum-GmbH.
Ohne seine Zustimmung kann diese keine Forderungen einziehen, abtreten oder anderweitig über Vermögensgegenstände verfügen, auch nicht über die eigenen Konten. Die Verantwortung für bestehende Arbeitsverhältnisse, falls vorhanden, bleibt zwar bei der Betreibergesellschaft; wesentliche Entscheidungen beim Personal gehen aber nicht ohne Okay des Insolvenzverwalters. Gläubiger müssten ihre Ansprüche bei ihm anmelden.
Muttergesellschaft in Gießen in Finanzproblemen
Über genaue Gründe für die Insolvenz lässt sich bisher nur spekulieren. Bei der Dachgesellschaft IWG Holding AG, ebenfalls mit Sitz in Gießen, liefen telefonische Kontaktversuche am Dienstag ins Leere. Die ärztlichen Praxen im Medzentrum selbst sind zwischen Neujahr und Dreikönig geschlossen; bei Sanitätshaus Haas weiß man nichts. Eine redaktionelle Anfrage beim Konkursverwalter in Frankfurt läuft.
Doch offensichtlich ist die Schieflage bei der Brückenauer Medzentrum-GmbH Teil einer Lawine, die durch die allgemeine Krise auf dem Immobilienmarkt ins Rollen gekommen ist. Denn wie unter anderem die Gießener Allgemeine berichtet, hat auch die Muttergesellschaft, die IWG Holding AG, große finanzielle Probleme. So sei für diese bereits Ende September 2023 ein vorläufiges Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt worden.
Probleme nicht nur in Bad Brückenau
Am 1. Dezember 2023 wurde es schließlich eröffnet. Für die Unterfirmen IWG Medical Real Estate AG und IWG Versorgungskonzepte GmbH wurden Anträge auf Eröffnung eines regulären Insolvenz-Verfahrens gestellt. Laut Gießener Allgemeine drohe die Zahlungsunfähigkeit der Unternehmen. Als Ursache für die kritische wirtschaftliche Situation der gesamten IWG-Gruppe nennt die Zeitung vornehmlich die Krise der Immobilienwirtschaft und damit verbundene branchenübliche Risiken für Bauträger und Projektierer.
"Massive Zinserhöhungen, Bauverzögerungen, eine hohe Eigenkapitalbindung und rapide gestiegene Bau- und Energiekosten sowie eine eingebrochene Nachfrage bei institutionellen Anlegern infolge des Krieges in der Ukraine hätten das Projektentwicklungsgeschäft der Gruppe stark beeinträchtigt", heißt es in dem Beitrag weiter. Neben dem "Ärzte- und Gesundheitszentrum" in Bad Brückenau befindet sich offenkundig mindestens ein weiteres der insgesamt 20 Medzentren in Deutschland in der Krise. Die Neue Rottweiler Zeitung berichtet von Schwierigkeiten beim Weiterbau eines Medzentrums 2 in Schramberg im Schwarzwald (Landkreises Rottweil).
Mehr zum Medzentrum in Bad Brückenau erfahren Sie hier:









