Seit fast zehn Jahren bemühen sich die Premicher, mit einem Dorfladen wieder eine Einkaufsmöglichkeit in ihren Ort zu bringen. Nach mehreren gescheiterten Versuchen scheint es nun Erfolgsaussichten zu geben: Ein Tante Enso Laden könnte bereits im kommenden Jahr in Premich eröffnet werden. Alle Zeichen stehen auf Grün: Die Enso E-Commerce aus Bremen ist interessiert und ein Grundstück ist vorhanden, es fehlen nur noch genügend Bürger, die sich mit 100 Euro an dem Vorhaben beteiligen.
Eins vorweg: Die 100 Euro sind nicht verloren, falls der Tante Enso Laden in Premich scheitern sollte. „Wir gehen kein Risiko ein“, betont Gemeinderat Eugen Edelmann, der das Projekt gemeinsam mit weiteren Mitstreitern maßgeblich vorantreibt. 400 Bürger müssten zusammenkommen, damit der Tante Enso Laden in Premich Wirklichkeit wird. „399, ich habe schon gezeichnet“, erklärte Bürgermeister Daniel Wehner zu Beginn der Bürger-Informationsveranstaltung im Schützenhaus. „So nah wie jetzt waren wir noch nie dran.“
Premich ist der ideale Standort
Edelmann freute sich besonders über das Interesse vieler junger Menschen bei der Veranstaltung. „Die jungen Leute werden es unterstützen“, ist er überzeugt. Die Sitzplätze im Schützenhaus reichten nicht aus, es mussten zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden. „Ich bin begeistert und sprachlos, mit so vielen Leuten habe ich nicht gerechnet.“ Gut 150 Personen waren seiner Schätzung nach gekommen.
Nachdem frühere Versuche für einen Dorfladen gescheitert waren, nahm Andreas May vor zwei Jahren Kontakt zu Enso E-Commerce auf. Das Unternehmen ließ sich überzeugen, dass Premich der ideale Standort für einen Tante Enso Laden ist. Zunächst wurde versucht, in bestehenden Immobilien unterzukommen, was sich als schwierig erwies. Dann erklärte sich der Eigentümer eines Grundstücks an der Ortsdurchfahrt bereit, das Gelände zu verkaufen.
Der Tante Enso Laden soll neben der alten, leerstehenden Disco gebaut werden. „Es sieht bis jetzt perfekt aus. Ich denke, es klappt diesmal. Den Schwung müssen wir jetzt mitnehmen. Jetzt liegt es an uns“, motiviert Edelmann die Bevölkerung.
Ein Laden für Premich, Gefäll und Stangenroth
Nicht nur die Premicher, sondern auch die Bewohner der Nachbardörfer Gefäll und Stangenroth sind eingeladen, sich mit 100 Euro an Tante Enso zu beteiligen, denn auch in diesen Orten gibt es keine Einkaufsmöglichkeiten mehr.
Ein Investor, der mit der Enso E-Commerce zusammen arbeitet, wird den Laden bauen und an das Unternehmen vermieten. Die Bevölkerung ist aufgerufen, bei der Gestaltung der Außenanlage zu helfen. „Pflasterarbeiten und Büsche pflanzen, das bekommen wir hin“, ist Edelmann überzeugt.
Die Bevölkerung bestimmt mit
Lisa Vierke, Projektmanagerin bei Tante Enso, stellte das Konzept des „besten Supermarktes“ vor. Die Premicher werden die Möglichkeit zur Mitbestimmung haben, von der Farbgestaltung über die Öffnungszeiten bis zur Produktauswahl. „Wie sieht dein bester Supermarkt aus?“, diese Frage stehe über allen Entscheidungen. 1500 Orte in Deutschland haben sich bisher um einen Tante Enso Laden beworben, aktuell gibt es 46 Läden - Premich sei aufgrund der idealen Voraussetzung als weiterer Standort ausgewählt worden.
Im Tante Enso Laden können alle einkaufen, mit oder ohne Kundenkarte. Der Laden wird alle notwendigen Haushaltsartikel für eine Vollversorgung anbieten, von bekannten Markenprodukten bis hin zu regionalen Erzeugnissen und Produkten von sogenannten Food-Pionieren, das sind kleinere Unternehmen, die klima- und gesundheitsbewusste Produkte anbieten. Die Premicher können mitbestimmen, welche Waren es in ihrem Laden zu kaufen gibt, vor allem auch welche regionalen Produkte wie Brot, Honig und Eier im Laden angeboten werden sollen.
24/7 kann eingekauft werden
Einkaufen im Tante Enso Laden wird rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche möglich sein. Mit der Kundenkarte können die Bürger den Laden jederzeit betreten, ihre Einkäufe selbst scannen und bezahlen. Es wird aber auch Öffnungszeiten mit Personal geben, währenddessen bar bezahlt werden kann. Wie lange Personal im Laden sein soll, können die Premicher selbst festlegen.
Auf einer „Wünsch Dir was“-Tafel im Laden können neue Produkte vorgeschlagen und so in den Laden gewünscht werden. Rund 4000 Artikel sollen auf der geplanten Verkaufsfläche von 300 Quadratmetern angeboten werden. „Ihr müsst theoretisch nirgendwo mehr einkaufen gehen. Es wird Lebensmittel, Obst, Gemüse, Haustierbedarf und Drogerieartikel geben“, sagte Vierke. Der Laden könne auch ein sozialer Treffpunkt mit einer Sitzecke und einem Kaffeeautomaten sein und so zur Seele des Dorfes werden.
Arbeitsplätze für Premich
Neben den Produkten vor Ort gibt es die Möglichkeit, Waren online zu bestellen und entweder nach Hause oder in den Laden liefern zu lassen. Im Online-Shop gibt es rund 10.000 Produkte.
Tante Enso bringt Arbeitsplätze nach Premich, es werden vier bis fünf Mitarbeitende benötigt. Die Gewerbesteuer bleibe vor Ort und komme der Gemeinde zugute. Darüber hinaus gebe es ein Sponsoring von 400 Euro pro Quartal für Projekte in Premich, wenn festgelegte Umsatzziele erreicht werden.
Die erste Abstimmung über das Farbkonzept für den Laden in Premich wurde direkt vor Ort vorgenommen. Die Mehrheit der Bürger entschied sich für Blau als Grundfarbe, zur Auswahl standen auch Rot und Gelb.
Bis zum 14. August können Interessierte mit 100 Euro der Genossenschaft beitreten und sich einen Anteil sichern. Die notwendigen Unterlagen wurden bereits an alle Haushalte verteilt und können im Briefkasten auf der Wiese, auf der der Tante Enso Laden einmal stehen wird, eingeworfen werden.
Wer noch Unterlagen benötigt, kann sich an Eugen Edelmann unter der Telefonnummer 09701-908090 wenden oder sich über tanteenso.de anmelden.
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