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Denkmalschutz
Streit um Gebäude am Hammelburger Marktplatz
Obwohl das Gebäude selbst mittlerweile eingerüstet ist, sorgen Bauzäune davor für Behinderungen. Nicht nur im Stadtrat gibt es Kritik an der Situation, völlig offen ist die Frage, wie es mit dem Gebäude weitergehen soll.
Obwohl das Gebäude selbst mittlerweile eingerüstet ist, sorgen Bauzäune davor für Behinderungen. Nicht nur im Stadtrat gibt es Kritik an der Situation, völlig offen ist die Frage, wie es mit dem Gebäude weitergehen soll. // Ralf Ruppert
Hammelburg – Das Gebäude der Einhorn- Apotheke ist mittlerweile eingerüstet. Wie es weitergeht, ist völlig offen, die Fronten scheinen verhärtet.

Wer aktuell auf dem historischen Marktplatz steht, sieht vor allem eines: Gerüste. Im Süden baut die Stadt Hammelburg das neue Bürgerhaus. Die Fassade wird derzeit verputzt, dieses Gerüst könnte in wenigen Monaten weg sein. Im Osten hat die VR-Bank in dieser Woche ihre Fassade komplett eingerüstet, allerdings nur für kurze Zeit.

Im Norden dagegen ist völlig ungewiss, wie es weitergehen soll: Das historische Gebäude der Einhorn-Apotheke sollte eigentlich saniert werden, die Eigentümergesellschaft hat die Arbeiten jedoch abgebrochen und besteht darauf, dass eine Sanierung nicht wirtschaftlich sei. Stadt, Landratsamt und Landesamt für Denkmalpflege lehnen Abriss und viergeschossigen Neubau bislang jedoch ab. Droht nun eine jahrelange Hängepartie mitten in der Stadt?

Stadträte äußern ihren Unmut

Als „Schildbürgerstreich“ bezeichnete SPD-Stadtrat Norbert Schaub in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses die Situation. Ein mit Netzen abgehängtes Gerüst und zusätzlich Bauzäune auf dem Gehweg sorgen bei mehreren Stadträten für Unmut.

„Genügt das Gerüst nicht?“, fragte CBB-Stadtrat Reimar Glückler in der Stadtratssitzung. Die Sperrung des Gehweges führe zu einer erhöhten Gefahr für Fußgänger.

„Wir haben auch Probleme, das logisch nachzuvollziehen“, sagte Stadtbaumeister Detlef Mohr. Allerdings habe das Landratsamt die Stadt gebeten, die Sicherungsmaßnahmen am Gebäude zu tolerieren: „Beides, Gerüst und Bauzaun, sind beantragt und genehmigt.“ Trotzdem wolle er versuchen, zumindest den Bauzaun wegzubekommen. Aber: „Es ist leider unmöglich, mit dem Bauherrn direkt Kontakt aufzunehmen.“

Bisher seien Anträge immer nur über den Architekten oder sogar Anwälte an die Stadt gegangen. „Wir müssen uns nicht alles bieten lassen“, betonte Stadtrat Norbert Schaub. Er forderte eine Information dazu, für wie lange und zu welchen Konditionen die Sondernutzung des öffentlichen Grundes genehmigt wurde. Vielleicht könne die Stadt darüber „einen gewissen Druck“ aufbauen, stellte auch Stadtbaumeister Mohr in Aussicht.

Zugang zur Apotheke eingeschränkt

Unmut über die Einrüstung des Gebäudes gibt es auch bei den letzten beiden noch verbliebenen Mietern: „Einschränkungen für meine Kunden bestehen im Moment darin, dass die doppelseitige Treppe zur Apotheke nur von einer Seite begehbar ist und natürlich das Ganze durch Zaun und Gerüst sowie Fangnetze nicht gerade einladend wirkt“, berichtet etwa Apotheker Sebastian Hose.

Zumindest gebe es Gespräche mit der Vermietergesellschaft. Mehr möchte Hose dazu nicht sagen. Ihm gegenüber sei immerhin der Gerüstbau angekündigt worden.

Arzt will mit seiner Praxis umziehen

„Ich wurde nicht informiert seitens des Vermieters, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt“, erzählt Dr. Bernhard Hamelbeck, der seine Praxis für Psychiatrie und Psychotherapie im Gebäude hat. Er bezeichnet die Aufstellung als „Schikane“ und „Druckmittel“.

„Die aktuelle Entwicklung des Marktplatzgebäudes belastet mich in meiner Praxisführung zunehmend“, sagt Hamelbeck. Er kenne zwar die Auflage, das Gebäude von Schneelasten zu befreien, weshalb dann aber im März noch ein Gerüst aufgestellt werden muss, kann Hamelbeck nicht nachvollziehen.

Vor den Fenstern der Praxis könnten jetzt Arbeiter zu jeder Zeit entlanglaufen und in seine Praxis schauen. Der erforderliche Sichtschutz und das Schutznetz würden seine Therapieräume erheblich dunkler machen.

„Für Patienten in der Praxis, dafür benötigt man nicht viel Phantasie, ist dieses Gefühl des Eingeschlossen-Seins, des Beobachtet-Werdens von Handwerkern von draußen eine beunruhigende, ja teilweise angstauslösende Situation“, berichtet Hamelbeck, der deshalb mit seiner Praxis vermutlich zur Jahresmitte umziehen will – trotz Investitionen in die bestehenden Räume und eines laufenden Mietvertrages.

„Ich fühlte mich in den letzten Wochen ein paar Mal am Rande meiner Belastbarkeit“, gesteht Hamelbeck. Sogar an eine Aufgabe der Praxis habe er bereits gedacht, allerdings fühle er sich seinen Patienten verpflichtet.

Lediglich Sanierung genehmigt

Das Landesamt für Denkmalpflege als zuständige Fachbehörde verweist darauf, dass mit Bescheid vom 23. Juni 2017 und einem Tekturbescheid vom 23.September 2020 eine „Sanierung“ des ensemblegeschützten Gebäudes Marktplatz 9 genehmigt wurde.

Die Behörde habe dazu jeweils Stellung genommen. Aktuell liege dem Landratsamt ein weiterer Bauantrag vor, der den Abbruch des Gebäudes mit einem viergeschossigen Neubau vorsieht. „Dieser befindet sich aktuell noch in der Prüfung und ist nicht abschließend beschieden“, heißt es aus Bamberg.

Kurze Phase mit Bauarbeiten im Jahr 2020

Im Jahr 2020 hatte die Eigentümergesellschaft mit Bauarbeiten in den Obergeschossen begonnen. Die Arbeiten wurden jedoch abgebrochen. Weil die Geschosse entkernt sind, müssen die Mieter darunter mit Schmutz und deutlich höheren Heizkosten leben.

Am 15. November 2022 fand laut Landesamt für Denkmalpflege eine gemeinsame Besprechung mit der Bauherrenvertretung, der Stadt Hammelburg, dem Landratsamt und dem Landesamt statt, bei dem eine Einigung zwischen Stadt Hammelburg und dem Bauherrn angestrebt wurde. „Seitdem liegen uns keine aktualisierten Pläne vor“, heißt es zum aktuellen Stand.

Der Stadtrat hatte Abriss und Neubau mit Hinweis auf Ensembleschutz und Verbot von vier Vollgeschossen rund um den Marktplatz abgelehnt. Die Stadt ihrerseits verweist auf Landratsamt und Landesamt für Denkmalpflege.

Architekt Stefan Buttler sowie die Eigentümergesellschaft, die HWT Invest Aktiengesellschaft mit Vorstand Dr. Hubert-Ralph Schmitt, äußern sich trotz mehrfacher telefonischer und schriftlicher Anfragen nicht zu dem Verfahren.

Ein Pro und Kontra zum Thema finden Sie hier:

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