Der Platz vor dem neuen Laden ist schon lange vor zwölf Uhr kaum noch zu überblicken. Bierbänke, Kinderlachen, der Gesangsverein, der Musikverein, der Kindergarten – und mittendrin Menschen, die sich ansehen und lächeln, als hätten sie gerade gemeinsam etwas gewonnen. Und das haben sie auch: Premich hat wieder einen Dorfladen.
Die Konfettikanone knallt, der Chor stimmt an: „Heute ist so ein herrlicher Tag.“ Passender hätte es nicht sein können. Nach jahrelangen Anläufen, unzähligen Stunden freiwilliger Arbeit und 532 Teilhabern aus der Dorfgemeinschaft hat Premich wieder eine Einkaufsmöglichkeit. Das Dorf ist stolz darauf, man sieht es jedem Gesicht an und hört es in den Reden.
Gespannt und begeistert
Monika Reith hat sich früh einen Platz auf einer der Bierbänke gesichert. „Ich bin schon sehr gespannt auf den Tante Enso“, sagt sie. Benno Hartmann und Hermann Köth sind von Anfang an mit dabei. Sie sind sich einig: „Wir brauchen so einen Laden.“
Jugendliche, die sich mit Tüten voller Chips und Süßigkeiten eindecken, sind begeistert von der Einkaufsmöglichkeit vor Ort: „Da muss ich nicht mehr nach Burkardroth fahren.“
Ein langer Weg
Es war ein langer Weg bis zu dieser Eröffnung. Bürgermeister Daniel Wehner erinnerte an den Werdegang: Nachdem frühere Versuche, einen Dorfladen zu etablieren, gescheitert waren, brachte Initiator Andreas May 2023 das Enso-Konzept ins Spiel. Doch es fehlten geeignete Räumlichkeiten. Erst als Enso die Investoren Thomas Johannes und Christoph Kuhlmann aus Niedersachsen vermittelte und das Grundstück von Eckart Reinmann gefunden war, konnte das Projekt Form annehmen.
Was folgte, war ein Kraftakt der ganzen Gemeinschaft. Enso wollte sehen, wie groß die Bereitschaft der Bevölkerung wirklich war. Das Ergebnis der Kampagne übertraf alle Erwartungen: „Statt der benötigten 400 Teilhaber konnten insgesamt 532 gewonnen werden“, erinnert Wehner.
Push-Nachrichten aus Ihrer Region
Das Dorf packt an
Im Sommer 2025 wurde es auf der Baustelle konkret: Erdarbeiten, Bodenplatte, Fertigteile, und schließlich, im Jahr 2026, die Außenanlagen. Unter der Leitung von Horst Hartmann pflasterten und bepflanzten die Premicher an mehr als zehn Wochenenden das Außengelände.
Aus nahezu jedem Haus kamen Helferinnen und Helfer. Wer nicht selbst mitarbeiten konnte, brachte Kaffee, Kuchen oder Brotzeit. „Das gesamte Dorf hat an einem Strang gezogen“, weiß Wehner.
Zukunftssicher rund um die Uhr
Wehner würdigte das Projekt als echte Gemeinschaftsleistung. Der Tante-Enso-Laden verbinde das Beste aus zwei Welten: vertrautes Personal vor Ort und dank der Tante-Enso-Karte sieben Tage die Woche rund um die Uhr einkaufen. „Das ist ein riesiger Gewinn für Berufstätige und junge Familien und macht Premich zukunftssicher.“ Der Bürgermeister bat die Premicher: „Lasst uns diesen Laden mit unserem Einkaufsverhalten unterstützen und lebendig halten.“
Dritter Bürgermeister Eugen Edelmann, der die Eröffnung moderierte, dankte allen Helfern für das große Engagement und den ehrenamtichen Einsatz bis zur letzten Minute. „Lasst uns diesen Gemeinschaftsgeist bewahren“, rief Edelmann den Premichern zu.
Lob von allen Seiten
Auch die Investoren zeigten sich beeindruckt. Thomas Johannes und Christoph Kuhlmann lobten die unkomplizierte Zusammenarbeit mit den Akteuren vor Ort. „Ihr könnt stolz sein, dass ihr euch einen Ort geschaffen habt“, sagten sie. Und sie machten klar: „Es liegt an euch, dass der Laden lange bleibt.“
Annchen Fleger, Expansionsmanagerin bei Enso, sprach von einer Eröffnung der besonderen Art. Die lange Bauzeit, das außergewöhnliche Engagement vor Ort – und am Ende ein Live-Stream nach Bremen, wo die Enso-Zentrale die Eröffnung mitverfolgte. „Wir haben es geschafft“, rief sie.
Pfarrer Stephan Hartmann bat um Segen für alle, die im Tante-Enso-Laden ein und ausgehen, Die Dorfgemeinschaft habe sich einen Ort der Gemeinschaft und des Miteinanders geschaffen.
Jürgen Eisentraut vom Amt für Ländliche Entwicklung lobte die Dorfgemeinschaft ausdrücklich: Sie habe ein positives Beispiel für Nahversorgung und Daseinsvorsorge geschaffen.
Der Laden lebt
Nach der Eröffnung strömten die Menschen in den Laden und viele staunten, wie groß das Angebot tatsächlich ist. „Da muss man ja gar nicht mehr woanders hinfahren“, sagte eine Besucherin. Junge Besucher nutzten die Eröffnungsangebote sofort und luden Chips in die Einkaufstüte. Und auch der Kaffee und der Blechkuchen, gebacken von den Premicher Frauen, gingen weg wie warme Semmeln. Die Einnahmen daraus werden für ein Helferfest Ende August gespendet.
Andreas May, der am Anfang stand und bis zum Schluss dabei war, fasste es so zusammen: „Ich freue mich sehr. Das Dorf hat es möglich gemacht. Wegen euch stehen wir hier. Wir holen uns ein großes Stück Dorfleben zurück. Danke, Premich.“
Info:
Der Personalstand ist noch nicht vollständig. Die Filialleitung kommt zum 1. September. Bis dahin gelten eingeschränkte Öffnungszeiten: montags, dienstags, donnerstags und freitags von 8 bis 12 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten kann mit der Tante-Enso-Karte eingekauft werden. Für den Laden wird außerdem noch ein Minijobber gesucht.































