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Gastronomie
Vietnamesische Azubis für die Neumühle
Petko Novakov (Mitte), stellvertretender Leiter des Restaurants im Hotel Neumühle, geht mit den beiden vietnamesischen Auszubildenden Huy Nguyen (links) und Trung Le (rechts) das richtige Decken und Dekorieren eines Tisches durch.
Petko Novakov (Mitte), stellvertretender Leiter des Restaurants im Hotel Neumühle, geht mit den beiden vietnamesischen Auszubildenden Huy Nguyen (links) und Trung Le (rechts) das richtige Decken und Dekorieren eines Tisches durch. // Ralf Ruppert
Hammelburg – Weil es keine deutschen Bewerber gibt, sucht das Hotel „Neumühle“ weltweit Nachwuchs fürs Personal. Das sind die Erfahrungen.

Im April hat sich Huy Nguyen für lange Zeit von seiner Familie verabschiedet: Frühestens im Jahr 2024 will er zum ersten Mal zurück in seine Heimat Vietnam reisen, berichtet der 22-Jährige. Bis dahin lebt er in Diebach und arbeitet im Hotel „Neumühle Resort und Spa“.

„Die Kollegen sind sehr nett“, erzählt der neue Auszubildende im Restaurant. Besonders beeindruckt habe ihn die frische Luft im Saaletal: „In Hanoi ist es stickig und staubig.“ In seiner Freizeit höre er viel Musik, manchmal fahre er zum Einkaufen mit dem Zug nach Hammelburg, und einmal in der Woche telefoniert er mit der Familie in der 8600 Kilometer entfernten Heimat.

Ausbildung startete am 1. September

Huy Nguyen ist einer von zwei vietnamesischen Auszubildenden, die am 1. September im Hotel Neumühle begonnen haben. „Wir hatten keine Bewerber aus der Region auf die Stellen“, erzählt Direktionsassistentin Lisa Backhaus, wie es dazu kam.

Anfang 2022 habe sie zufällig von einem Kooperationsprogramm des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga gelesen und sofort Kontakt mit der Vermittlungsagentur aufgenommen, die mit der Dehoga zusammenarbeitet. „Wir müssen Essen und Logis garantieren“, sagt sie zu den Rahmenbedingungen.

Zudem muss vor der Einreise der Ausbildungsvertrag unterschrieben sein. Sechs bis acht Bewerber mit Erfahrungen standen zunächst zur Auswahl. Die seien aber sofort vermittelt gewesen, also musste die Neumühle auf Bewerber ohne Vorerfahrung ausweichen.

Huy Nguyen etwa hat in Vietnam Informationstechnologie studiert, das Studium allerdings abgebrochen. Sein Kollege Trung Le, 21 Jahre alt und ebenfalls aus Hanoi, hat ebenfalls noch keine abgeschlossene Berufsausbildung. Beide haben bis April weder Deutsch noch eine andere Fremdsprache gesprochen. „Ich dachte, dass wir uns vielleicht auf Englisch unterhalten können, aber das ist auch nicht möglich“, sagt Lisa Backhaus.

Erste Station war deshalb ab Mai ein Deutschkurs in der Nähe von Regensburg. In dieser Zeit haben beide auch Freundschaften geschlossen: Huy Nguyen zum Beispiel hat bereits einen anderen vietnamesischen Auszubildenden in Nürnberg besucht. Mit dem Zug fuhr er von Diebach aus. Das sei eine ungewohnte Erfahrung gewesen: „In Vietnam fahren wir überall nur mit dem Moped hin“, berichtet der 22-Jährige.

Mitarbeiterwohnung angemietet

Wohl fühlen sich beide in der Mitarbeiterwohnung, die das Hotel extra in Diebach angemietet hat. Gerade einmal fünf bis zehn Minuten sei es von dort zu Fuß. „Wir lassen gerade prüfen, ob wir ein Mitarbeiterhaus hier bauen können“, sagt Neumühle-Geschäftsführer Christoph Hoenig.

Für das abgelegene Hotel sei die Unterbringung vor Ort immer wichtiger, „denn die lange herbeigesehnten Akquise-Programme für ausländische Mitarbeiter scheinen nun endlich zu greifen“. Neben den beiden vermittelten Auszubildenden habe sich zudem ein junger Mann aus Aserbaidschan direkt beworben. Er hatte am 1. September in der Küche begonnen, leider sei das Ausbildungsverhältnis nach einem Fahrradunfall aus persönlichen Gründen beendet worden und er musste wieder ausreisen.

„Kulturelle Bereicherung“

Geschäftsführer Christoph Hoenig verbindet mit den neuen Auszubildenden auch eine „kulturelle Bereicherung“. „Wir sind sehr zufrieden, die beiden haben große Fortschritte gemacht“, fasst er die Erfahrungen nach den ersten gut drei Monaten zusammen. Beide seien sehr engagiert und zuverlässig. Um sie und weitere ausländische Fachkräfte fernab der Heimat auf andere Gedanken zu bringen, biete das Hotel auch Freizeitbeschäftigungen an: Eine Weinwanderung, der Besuch auf einem Weihnachtsmarkt und in einem Escape-Room standen bereits auf dem Programm, andere Angebote wie ein Bowling-Ausflug sind bereits geplant. Viele einheimische Kollegen würden auch mit Fahrgemeinschaften immer wieder aushelfen.

Trotz der ausländischen Mitarbeiter hofft Hoenig auch auf mehr deutsche Bewerber. Rund 60 Mitarbeiter hat das Haus mit 30 Doppelzimmern. Jeder Praktikant sei willkommen und könne in kurzer Zeit das gesamte Haus kennenlernen. Bis dahin müsse das Hotel aber über die Region hinaus denken. Deshalb komme zum 1. März ein türkischer Auszubildender, der aktuell noch in seiner Heimat in einem Hotel arbeitet und deshalb bereits gut deutsch spreche. Von der Politik erhoffen sich Hoenig und Backhaus, dass die Zuwanderung von Fachkräften noch einfacher gehandhabt wird.

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