Das neue Schuljahr beginnt in wenigen Tagen. Die Saison für die Ausstattung von Erstklässlern – sie ist längst vorbei. „Ostern ist Hauptsaison bis in den Mai und vielleicht auch noch Juni. Dann ist so gut wie Schluss“, erklärt Alexandra Gerhard von „Leder & Trend Schöpfner“ in Bad Brückenau und zeigt den Restbestand in den Regalen.
Seit 2008 verkauft Familie Gerhard, die seit 135 Jahren das Traditionsgeschäft „Geschenke Schöpfner“ in Familienhand betreibt, auch Schulranzen, Rucksäcke und Erstausstattungen im Laden nebenan. 2008, erinnern sich die Gerhards, kostete ein Schulranzen für die Jüngsten rund 99 Euro. Heute verkaufen sie keine unter 200 Euro, vieles geht bis 300 Euro. Auch wenn die Kunden dafür ein Set mit Schulranzen, Sporttasche und Federmäppchen bekommen, so sind die Preise extrem gestiegen.
Verkauf in Bad Brückenau ist zurückgegangen
Das merken auch die Gerhards im Laden. Seit etwa fünf Jahren ist der Verkauf von Erstausstattungen etwa um die Hälfte zurückgegangen. Die Corona-Zeit, das Internet und die Preissteigerung kommen zusammen, schätzt Alexandra Gerhard. Das Geschäft muss eine gewisse Menge an Waren vom Hersteller abnehmen. Bei der rückläufigen Kundenzahl keine leichte Aufgabe für die Gerhards im kleinen Bad Brückenau.
Oftmals bleiben die teuren, qualitativ hochwertigen Schulranzen - zum Leid der Eltern – nur maximal vier Jahre in Gebrauch. Denn ab der fünften Klasse sind Raketen und Einhörner nicht mehr zeitgemäß und schnell wünscht sich der Nachwuchs einen „coolen“ Rucksack. Doch auch der kostet, wenn auch nicht ganz so viel. Die Rucksäcke für die Jugendlichen hängen im „Leder & Trend Schöpfner“ direkt gegenüber der Ware für die erste Klasse. Hier gibt es Preise ab 100 Euro, 139 Euro ist etwa der Durschnitt.
Einzelhandel profitiert vom Schulstart
Der Schulstart bringt dem bayerischen Einzelhandel regelmäßig einen deutlichen Umsatzzuwachs. Das geht aus Zahlen des Handelsverbandes Bayern aus dem vergangenen Jahr hervor. Denn neben der Schulausstattung landen Spielwaren, Bücher und Schreibwaren in der Schultüte. Für dieses Jahr prognostiziert der Handelsverband Deutschland laut einer Pressemitteilung noch einen Zuwachs des Einzelhandelsumsatzes um 3,3 Prozent für die Einnahmen durch die Einschulung.
Beim Schulstart der Kinder wird der Euro offenbar nicht zweimal umgedreht, auch diese Erfahrung machen die Gerhards. Oft kaufen auch die Paten oder Großeltern die Erstausstattung, da wird ebenfalls nicht so sehr auf den Preis geachtet. Für Alexandra Gerhard ist das immer eine besondere Zeit im Jahr. „Ich mache das sehr gerne“, sagt sie und meint insbesondere die glücklichen Kinderaugen und die Freude über den nahenden Schulstart.
Materialien für den Unterricht kosten mehr
Neben Ranzen, Taschen, Sportschuhen und Mäppchen kommen in den Sommerferien dann noch die Listen der Lehrkräfte hinzu. Materialien, die im Unterricht benötigt werden, müssen Eltern selbst kaufen. Zwar werden die Bücher von der Schule verliehen – Stichwort Lernmittelfreiheit –, doch oft müssen Zusatzhefte und Ergänzungsmaterialien zu den Büchern selbst bezahlt werden. Und das kann bei mehreren Kindern empfindlich in den Geldbeutel gehen.
Der Kauf der Materialien für die erste Klasse kostet auf Nachfrage in einem Schreibwarenladen zwischen 120 und 150 Euro. Das gilt einerseits für die erste Klasse, andererseits auch für den Übertritt auf eine neue Schule ab der 5. Klasse, erzählt eine Verkäuferin aus ihrer langjährigen Verkaufserfahrung. Eine Schultüte mit Süßigkeiten, Spielsachen, Stiften oder anderen Geschenken kommt oftmals noch extra hinzu.
Unterstützung für Kinder in prekären Lagen
Was machen Familien, die sich das alles nicht leisten können? In Bayern gibt es für Familien, die Bürgergeld, Sozialgeld, Wohngeld, Kinderzuschlag, Sozialhilfe oder Asylbewerberleistungen beziehen, eine Unterstützung über das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT), im Landkreis Bad Kissingen bietet das Landratsamt weitergehende Informationen dazu an. Das BuT zahlt unter anderem einen Zuschuss für Schulbedarf sowie Kostenübernahmen für Schul- und Klassenfahrten.
Laut Bayernportal liegt der Zuschuss im Kalenderjahr 2025 zum persönlichen Schulbedarf bei 195 Euro in zwei Teilbeträgen, grundsätzlich zum 1. August 130 Euro und zum 1. Februar 65 Euro.
Die „Versteckten Engel“ helfen im Landkreis Bad Kissingen
Unbürokratische und niederschwellige Hilfe für Kinder in prekären Situationen im Landkreis bieten die „Versteckten Engel“ der Tafel Bad Kissingen. „Die Familien müssen nicht Kunden der Tafel sein“, erklärt die Vorsitzende der Tafel, Dagmar Ziegler. Für die Ausstattung von Erstklässlern, sprich einen Schulranzen oder in höheren Klassen Rucksäcke, Klassenfahrten oder Ausflüge, kann über die Schule direkt Kontakt aufgenommen werden.
Die „Versteckten Engel“ wollen nicht in Erscheinung treten, daher auch der Name. Es soll möglichst unbürokratisch und niederschwellig ablaufen, weil das Thema für die Eltern oft mit Scham behaftet sei, so Ziegler. Spenden für diesen Zweck nimmt die Tafel Bad Kissingen gerne an.














