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Made in kg
Mottener Start-Up: Erster Kunde war Fresenius
Motten – In Motten sitzt das Start-Up „Psilkon“, das kleine und filigrane Silikonteile herstellt. Die Geschäftsführer erzählen, wo diese gebraucht werden und warum Fresenius einer der ersten Kunden war.

Philipp Metz, einer der Geschäftsführer von Psilkon ist sich sicher: „An jedem Patienten im Krankenhaus ist ein Teil, das wir auch produzieren.“ Sei es das Rückschlagventil am Venenkatheter, ein Dichtungsring oder Teile der Spritze oder andere medizinische Hilfsmittel. Denn das 2017 gegründete Start-Up mit Sitz in Motten hat sich auf kleine, filigrane Silikonteile spezialisiert.

Auch Bestandteile für Dialysegeräte, Stimmimplantate oder Aufsätze für Spritzen stellt Psilkon her. Zwar seien Medizinprodukte mit etwa 70 Prozent die größte Sparte, jedoch produziert das Unternehmen in Motten auch in anderen Bereichen:

  • Lebensmittel (z. B.: Verschlussteile für Verpackungen)
  • Elektronik (z. B.: diverse Ringe und Dichtungen)
  • Lifestyle (z. B.: Menstruationscups oder Türstopper)
  • Automotive (z. B.: Dichtungen)
Eine Maschine, die gerade Silikonteile spritzt.
Eine Maschine, die gerade Silikonteile spritzt. // Pascal Koch

Dinge anders angehen

Den Grundstein von Psilkon legten zum einen Philipp Metz – er habe in seiner alten, ähnlichen Firma „schon Vorstellungen gehabt, wie man Dinge anders angehen kann“, berichtet Steffen Metz, der vor etwa einem Jahr in die Geschäftsführung von Psilkon kam, über ihn.

Zum anderen gründete Patrick Buberl die Firma mit. Er hatte ein Unternehmen von seinem Onkel geerbt, das Stanzmaschinen handelt und repariert. Darüber hatten die Freunde die Gelegenheit, ihre eigene Firma zu gründen: Psilkon. Das „P“ steht hier für die Vornamen der beiden Gründer.

Hinter gepackten Kartons in der Produktionshalle stehen von links: Steffen Metz, Philipp Metz und Patrick Buberl.
Hinter gepackten Kartons in der Produktionshalle stehen von links: Steffen Metz, Philipp Metz und Patrick Buberl. // Pascal Koch

Neues Fertigkungskonzept für Silikon-Spritzguss

„Es sollte ein anderes Fertigungskonzept geben, den Kunden Vorteile bieten und voll automatisiert laufen“, berichtet Steffen Metz. Der Anspruch: So gut in die Produktion zu investieren, dass sie automatisch läuft und am Ende nur noch eine Überprüfung durch Mitarbeitende stattfinden muss.

Das Konzept ist erfolgreich: Psilkon hat ein Drittel des Umsatzes in Indien, sogar einen Vertriebler vor Ort. Hier hatte Mitgründer Philipp Metz das Glück, bereits Kontakte in das Land zu haben, die als Türöffner dienten. Insgesamt sind 50 Prozent des Umsatzes im Ausland.

Steffen Metz hält in der Hand einen Brocken Silicium – das Halbmetall ist ein Grundstoff von Silikon.
Steffen Metz hält in der Hand einen Brocken Silicium – das Halbmetall ist ein Grundstoff von Silikon. // Ellen Mützel

Doch in Motten wird nicht nur produziert: „Wir machen die ganze Bandbreite: Von Prototypen-, Bauteil- und Werkzeugentwicklung bis Serienproduktion“, erklärt Philipp Metz.

Fresenius als erster Kunde

Unter den Kunden sind so beispielsweise Preox oder Fresenius – letzterer als erster Kunde, wie Philipp Metz erzählt: „Am 4. Oktober 2017 hatten wir die Firmengründung, am fünften den Termin mit Fresenius – was ja nicht üblich ist, so große Firmen greifen normalerweise auf etablierte Unternehmen zurück.“

Geholfen habe ihnen ihre positive Einstellung: Fresenius wünschte eine 100 Mal wiederverwendbare Dichtung, alle anderen Firmen waren sich sicher, das funktioniert nicht. „Wir haben gesagt, das geht, das können wir machen.“ Das haben wir jetzt drei Jahre entwickelt und produzieren jetzt in Serie.

Bestandteil von PDA-Spritzen

Ein weiteres Teil, das Psilkon herstellt: die Silikondichtung in der sogenannten PDA-Spritze, die bei Geburt oder Knie-OPs benutzt wird. Die Dichtung muss hier zum einen abdichten, zum anderen aber so leicht gleiten, dass der Arzt oder die Ärztin sie ohne viel Druck verabreichen kann. In dem Moment müsse alles klappen.

Das blaue Teil in der PDA-Spritze stellt die Firma Psilkon her.
Das blaue Teil in der PDA-Spritze stellt die Firma Psilkon her. // Pascal Kümmert

„Alles, was klein ist, filigran und eine Nullfehlertoleranz erlaubt ist – da fühlen wir uns richtig wohl“, beschreibt Philipp Metz die Richtung, in die Psilkon geht.

Je kleiner, umso besser

So fallen winzige Dichtungsringe mit Durchmesser von zwei Millimeter ebenfalls unter die Produktvielfalt, wie sehr feine Aufsätze für Spritzen, die bei einer Augen-OP Verwendung finden. Diese Aufsätze stellt Psilkon als eine von zwei Firmen her.

Eine Mitarbeiterin prüft sogenannte „Sleeves“, eine Art Kappe für eine Spritze, auf Fehler unter einem Mikroskop.
Eine Mitarbeiterin prüft sogenannte „Sleeves“, eine Art Kappe für eine Spritze, auf Fehler unter einem Mikroskop. // Pascal Koch

Daran zeige sich auch die Besonderheit der Fertigung: Das Teil werde nicht hergestellt und dann die feinen Löcher ins Produkt hineingestanzt oder -gelasert, sondern das Produkt fällt komplett fertig aus der Maschine.

Psilkon plant eigenen Standort in Oberthulba

Positiv für die Jungunternehmer: Silikon wird immer beliebter, die Anwendungsgebiete wachsen. Und auch Psilkon wächst. Und zwar so erfolgreich, dass die drei Geschäftsführer dem Bau eines eigenen Werks auf eigenem Standort in Oberthulba entgegenfiebern. Die Pläne sind bereits da, der Bau soll 2024 starten.

 

Ebenfalls "Made in Bad Kissingen": 

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