Der Imbiss "Tabib Burger" von Tasneem Kahil und ihrem Mann Mohamad wird bald zum zweiten Mal in zweieinhalb Jahren in Münnerstadt umziehen. Aber: Er bleibt hier. Das war eine kurze Zeit auf der Kippe gestanden. Sein neues Heim sind bald echte Räumlichkeiten, der Imbisswagen wird Geschichte sein: Wenn alles nach Plan läuft, zieht Tabib Burger Anfang November in die seit fast 20 Jahren leerstehende Gastwirtschaft Wilz an der Hauptstraße.
Kurt Wilz, dessen Eltern die Gaststätte früher betrieben, hatte schon länger nach einer Nutzung für die Räumlichkeiten gesucht. Ein Bekannter hatte den Zeitungsartikel unserer Redaktion im Juli gelesen, in dem es darum ging, dass Tabib Burger nicht am Hafenmarkt bleiben kann und neue Räumlichkeiten gesucht würden. "Ich hatte ihm gesagt, dass er auf mich zukommen soll, wenn er jemanden im Kopf hat, der die Gaststätte nutzen könnte. Und das hat er getan", erklärt Kurt Wilz. "Ich habe mich also mit den Kahils, den Besitzern von Tabib Burger, in Verbindung gesetzt."
Räumlichkeiten von Gasthof werden saniert
Schnell war man sich einig: Tabib Burger wird in den Gasthof einziehen. Küchengeräte sind teilweise noch vorhanden, teilweise haben die Kahils selbst etwas gekauft. Die andere Seite des Gasthofs, in der die frühere Metzgerei untergebracht war, ist noch frei – auch die Theke steht noch drin. "Wer etwas verkaufen möchte – sei es Wurst, Käse oder sonstiges – kann sich gerne melden", so Wilz.
Derzeit werden die Räumlichkeiten hergerichtet. "Das gestaltet sich etwas kompliziert, in der Küche stand Wasser." An einer anderen Stelle gibt es einen Riss in einem tragenden Balken. "Am Samstag kommt der Statiker, danach wissen wir mehr. Das war nicht geplant. Ich hoffe trotzdem, dass Tabib Burger bis November hier einziehen kann." Die Kahils freuen sich jedenfalls. Sie planen bereits, die Speisekarte auszuweiten: "Es gibt eine neue Speisekarte mit neuen Gerichte, einem Tagesgericht aus unterschiedlichen Ländern ein mal pro Woche, Grillgerichte und italienische Gerichte zweimal pro Woche. Die Preise bleiben gleich." Auch ein neues Kindermenü, Pizza und Nachtischgerichte kommen dazu.
Wie die Entwicklung begann: von der Avia in die Stadt
Doch wie kam es eigentlich zu diesem dann doch ganz glücklichen Ende? Angangs stand der Burgerimbiss an der Avia-Tankstelle. Doch mit dem Verkauf des Areals musste der Wagen im Oktober 2023 weichen. Seitdem steht er am Hafenmarkt 20, zwischen einem Tattoostudio und einem Wohnhaus. Teilweise steht der Wagen aber auch auf städtischen Grund. Im Februar 2024 beschloss der Haupt- und Finanzausschuss, erst einmal zu dulden, dass der Imbiss teilweise auf städtischem Grund steht – bis offene Fragen geklärt sind.
Im Juli 2024 kam das Thema wieder auf den Tisch. Der Tenor: Die Stadt kann dem Imbisswagen auf seinen Flächen keine Alternative anbieten, ohne investieren zu müssen – also etwa Strom und Abwasserleitungen zu legen, so die Verwaltung. Gespräche mit Personen, die private Räume vermieten könnten, seien ebenfalls ins Leere gegangen. Zudem hätten sich die Nachbarschaft über Geruchsbelästigung beschwert. In Hinblick auf die Öffnung von El Moro sei es zudem für die Stadt schwierig, den Burgerimbiss als Konkurrenten zu unterstützen. Die Frage kam auch auf, wo die Stadt bei der Unterstützung von Imbisswägen eine Grenze ziehen sollte.
Duldung aufgehoben, Kahils enttäuscht
Der Stadtrat beschloss also, die Aufstellung des Imbisses am Anger und auf anderen Flächen der Stadt abzulehnen. Zudem sollte die Duldung für die Nutzung der öffentlichen Fläche – wo der Wagen derzeit steht – bis zum 1. September aufgehoben werden. Es soll aber ein Gespräch zwischen Wirtschaftsförderung der Stadt und den Imbissbetreibern geben, um private Räumlichkeiten ausfindig zu machen.
Bürgermeister Michael Kastl (CSU), Rosina Eckert (Forum Aktiv) und Wirtschaftsförderer Johannes Wolf (Grüne) gingen daraufhin mit Tasneem Kahil und ihrem Mann Mohamad Anfang August ins Gespräch, doch es fanden sich keine Räumlichkeiten, berichtet Kastl. Die Kahils waren sichtlich enttäuscht: Der Bürgermeister habe sein Versprechen zu einer Lösung nicht erfüllen können, zwischenzeitlich habe er auch nicht auf ihre Anrufe reagiert. "Er schickte uns dann Mitte August einen Brief, dass wir gehen müssen und es in Münnerstadt keinen Platz für uns gibt."
Frist war sehr knapp
Weil die Zeit nach den Gesprächen und der Absage schon vorangeschritten war, hatte Kastl das Ende der Duldung auf 1. Oktober verschoben. Doch die Kahils legten Widerspruch ein: "Ich kann mein Personal nicht einfach rauswerfen, sie haben drei Monate Kündigungsfrist. Auch der Platz und unser Lager haben diese Frist", erklärt Mohamad Kahil. Das habe nicht gefruchtet. "Danach haben wir den Laden gefunden und dann noch mal Widerspruch eingelegt, dass wir noch Zeit bis Ende Oktober brauchen, weil der neue Vertrag Anfang November beginnt. Das hat die Stadt bestätigt."
Michael Kastl stellt klar, dass hinter den ins Leere gehenden Anrufen keine böse Absicht steckte. Er hätte sich gefreut, eine Lösung zu finden, doch man sei einfach auf keine gekommen. Dass jetzt ein Raum gefunden wurde, freut ihn. Dass die Frist nicht weiter verlängert wurde, begründet er damit, dass es kein Mietverhältnis mit einer Frist für die Nutzung des städtischen Grundes gegeben hatte. "Es gab eine Duldung, dass sie auf unserem Grund und Boden stehen dürfen. Und es stand fest, dass sie Ende August gehen müssen. Wir haben die Frist ja sogar verlängert, um ihnen entgegenzukommen."










