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Sorgen um Zukunft
ZF in Schweinfurt könnte vor wichtigen Entscheidungen stehen
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Noch ist unklar, wohin der ZF-Standort Schweinfurt steuert. Das Bild zeigt das Werk Nord in der Ernst-Sachs-Straße in Schweinfurt. // Anand Anders
Signet des Fränkischen Tags von Marcel Dinkel,Susanne Wiedemann
Schweinfurt
Schweinfurt – Während der Betrieb an Konzepten feilt, wachsen die Sorgen um die Zukunft von ZF. Eine Aufsichtsratssitzung Ende Juli könnte Klarheit bringen - oder neue Ängste.

Wohin steuert ZF? Nachdem sowohl die internen Spannungen als auch die wirtschaftliche Unsicherheit innerhalb des Konzerns in den vergangenen Wochen weiter zugenommen haben, steht der Automobilzulieferer vor einem Scheideweg samt womöglich folgenschweren Entscheidungen.

An den Standorten in Schweinfurt und am Stammsitz in Friedrichshafen fanden zuletzt mehrere Betriebsversammlungen statt. Die gute Nachricht für Schweinfurt: Im Gegensatz zu den Beschäftigten in Friedrichshafen werden aktuell keine weiteren Lohnkürzungen gefordert. Die schlechte: Es könnte, so Thomas Höhn, Erster Bevollmächtigter der IG Metall, zu einem „brutalen Stellenabbau“ kommen.

Turbulente Szenen in Friedrichshafen

Während es in Friedrichshafen stellenweise zu turbulenten Szenen und Protesten infolge von Lohnverzichtforderungen kam, liefen die Versammlungen im Schweinfurter Eisstadion ruhiger und gesitteter ab, sagt Oliver Moll, Betriebsratsvorsitzender in Schweinfurt, auf Nachfrage.

Dabei hatten es die Ankündigungen seitens der Geschäftsführung durchaus in sich. Mathias Miedreich, der für die E-Division und damit fast 60 Prozent der Beschäftigten in Schweinfurt zuständige Manager, habe bei der Versammlung aufgezeigt, wie man aus der Krise kommen wolle, sagt Höhn. Detaillierte Auskünfte über konkrete Maßnahmen wie einen weiteren Stellenabbau gab es laut Arbeitnehmervertretern nicht. Die Botschaft des Managers wird dennoch als eindeutig verstanden.

Stellenabbau droht weiter anzusteigen

Bislang waren am Standort Schweinfurt akut 650 Stellen bedroht. Die IG Metall ging im vergangenen Jahr sogar von bis zu 2000 Arbeitsplätzen aus, die bei ZF bis Ende des Jahrzehnts verschwinden könnten. Doch selbst diese Befürchtung könnte mittlerweile überholt sein, fürchten die Arbeitnehmervertreter.

Am 14. Juli fand im Schweinfurter Eisstadion eine Betriebsversammlung der ZF statt. Neben der Standortleitung und Arbeitnehmervertretern hatte dort unter anderem der für die Division E zuständige Manager Mathias Miedreich zur Belegschaft gesprochen.
Am 14. Juli fand im Schweinfurter Eisstadion eine Betriebsversammlung der ZF statt. Neben der Standortleitung und Arbeitnehmervertretern hatte dort unter anderem der für die Division E zuständige Manager Mathias Miedreich zur Belegschaft gesprochen. // Marcel Dinkel

Höhns Einschätzung: „Wenn es zu keiner Kurskorrektur kommt, drohen durch die Kombination aus Rückbau der E-Mobility-Aktivitäten, Verlagerungen ins Ausland und einem möglichen späteren Verkauf ein brutaler Stellenabbau – und vor allem eine Abkehr von dem, was diesen Standort ausmacht. Und genau das wäre langfristig noch dramatischer.“ Wie viele Stellen betroffen sein könnten, ließe sich derzeit nur schwer beziffern.

Im Zentrum steht aus Sicht der Arbeitnehmervertreter also die grundsätzliche Frage, was künftig bei ZF noch selbst entwickelt und produziert - und was zugekauft wird. Gerade im Bereich der E-Mobility wäre Schweinfurt davon massiv betroffen. Auch mögliche Verkäufe oder Ausgliederungen von Teilen der Division E waren laut Höhn Thema in der Versammlung.

„Eine mögliche Verlängerung der Arbeitszeitabsenkung ist aktuell eher Teil der Debatte, aber kein zentrales Thema. Sie wird die grundsätzlichen Probleme bei ZF nicht lösen – und ist für die Gewerkschaft ohnehin an die Frage gekoppelt, ob es ein tragfähiges Gesamtkonzept für den Standort Schweinfurt gibt. Das sehen wir im Moment nicht“, so der Gewerkschaftsfunktionär.

Konzern prüft verschiedene Optionen

Gegenüber der Redaktion bestätigt eine ZF-Sprecherin, dass der Konzern nach wie vor verschiedene Optionen für die Zukunft seiner Pkw-Antriebssparte prüft. „Die präferierte Lösung ist eine Partnerschaft für die gesamte Sparte oder zur Unterstützung zumindest von Teilen der Sparte“, so die Sprecherin. Ein Verkauf hingegen sei keine Option - auch weil die Division E enge Verbindungen zu anderen ZF-Sparten habe.

Intern kursieren mehrere Szenarien, wohin die Reise gehen könnte. Konkret prüft das Unternehmen laut Betriebsrat neben einer möglichen Abspaltung von Unternehmensteilen auch, wie es den Bereich Elektromobilität optimieren und querfinanzieren kann. Weitere Erwägungen wären das Auslaufen lassen von Aufträgen, ein Börsengang oder die Suche nach einem Partner.

Es gibt auch positive Signale

ZF-Vorstandsvorsitzender Holger Klein betonte bei der Vorstellung der Geschäftszahlen Ende März, dass ein möglicher Partner das ZF-Herz gewinnen und nicht herausreißen solle. Mit landesweit 30.000 Mitarbeitenden gilt die Antriebssparte Division E als Herzstück von ZF. Weitere Details wollte der Konzern nicht nennen.

Doch es gibt auch positive Signale. In Schweinfurt arbeiten derzeit 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an einem Zielbild für den Standort. Darin enthalten sind laut einer Konzernsprecherin unter anderem effizientere Fertigungsprozesse, eine geeignete Organisation und neue Geschäftsmodelle für innovative Produkte. „Dieses Zielbildprojekt wird mit Hochdruck weitergeführt, auch wenn sich aufgrund der Komplexität des Standorts Verschiebungen im Zeitplan ergeben haben“, so das Unternehmen.

Hohe Zinslast verringert Spielraum

Auch Schweinfurts Betriebsratsvorsitzender Oliver Moll betont die sowohl monetären als auch beschäftigungstechnischen Chancen, die das Zielbild für den Standort bieten könnte. Er selbst, wie auch die IG Metall, hätten den Eindruck, dass die Veränderungsbereitschaft innerhalb der Belegschaft groß sei.

Oliver Moll, Betriebsratsvorsitzender am ZF-Multidivisionsstandort Schweinfurt, bekräftigt die Chancen des Standorts in Schweinfurt. Das Bild zeigt ihn auf einer Kundgebung im vergangenen Jahr am Werk Nord.
Oliver Moll, Betriebsratsvorsitzender am ZF-Multidivisionsstandort Schweinfurt, bekräftigt die Chancen des Standorts in Schweinfurt. Das Bild zeigt ihn auf einer Kundgebung im vergangenen Jahr am Werk Nord. // HMB Media/ Heiko Becker

Weitaus wichtiger dürfte deshalb eher die Frage sein, wozu der Konzern finanziell noch in der Lage ist, um Etwaiges umzusetzen. Die finanzielle Lage von ZF bleibt angespannt, vor allem wegen der steigenden Schulden: Bis Ende 2024 kletterten sie auf 10,5 Milliarden Euro. Ein durchschnittlicher Zinssatz von 4,5 Prozent verursacht jährlich rund 500 Millionen Euro Zinskosten, während der Umsatz sinkt und den Handlungsspielraum des Konzerns einengt.

Alle Augen auf den 29. Juli gerichtet

Man stelle sich nicht grundsätzlich gegen Veränderungen, „auch nicht gegen unangenehme“, so Höhn. Mit Blick auf die zurückliegenden Betriebsversammlungen sei jedoch deutlich geworden, dass ein Weg, der viel von dem infrage stelle, was den Standort ausmache und wofür es ihn gebe, von der Belegschaft abgelehnt werde. „Wer den Standort Schweinfurt strategisch infrage stellt, muss mit unserem Widerstand rechnen.“

Derweil richten sich alle Blicke auf den 29. Juli: Dann tagt der Aufsichtsrat in Friedrichshafen. In der Sitzung wird neben einer strategischen Ausrichtung womöglich auch die Zukunft von Teilen oder gar der gesamten Division E entschieden – und damit über das Schicksal von 6000 aller 9000 Beschäftigten in Schweinfurt.

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