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Projekt zur Aktivrente
Talente in Rente: Warum im Ruhestand arbeiten?
Jeder Vierte nach 45 Jahren unter 1.300 Euro Rente
Wer nur auf die Rente angewiesen ist, hat oft nicht viel im Geldbeutel. (Symbolbild) // Alicia Windzio/dpa
Bad Kissingen – Mit der Aktivrente können Rentner steuerfrei hinzuverdienen. Das Projekt „Talente in Rente“ möchte Unternehmen und Rentner zusammenbringen. Das halten Menschen aus Bad Kissingen davon.
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Am 1. Januar 2026 wurde die Aktivrente eingeführt. Rentnerinnen und Rentner können damit steuerfrei 2000 Euro pro Monat hinzuverdienen. Das Projekt „Talente in Rente“ hat das Ziel, Menschen im Ruhestand mit Unternehmen zusammenzubringen. Auf der Homepage können sich Unternehmen und Rentner registrieren.

In der Rente weiterarbeiten

Eva-Maria Zink ist 66 Jahre alt und arbeitet seit 36 Jahren bei der Sparkasse in Bad Kissingen. Seit September 2024 ist sie in Rente und arbeitet bis zur Erreichung ihres gesetzlichen Rentenalters weiterhin einen Tag pro Woche bei der Sparkasse. 

Für Zink war es von Anfang an klar, dass sie als Rentnerin weiterhin arbeiten möchte, „so lange die Gesundheit mitmacht“. Sie erzählt, dass es ihr wichtig ist, mental fit zu bleiben.

Zink ist froh, dass sie bei ihrem bisherigen Arbeitgeber problemlos weiterhin arbeiten darf. In wenigen Monaten jedoch erreicht sie ihr Regel-Rentenalter und ihr Arbeitsvertrag endet. Sie sagt: „Es wird sich die Frage stellen, ob man mich noch brauchen kann oder ich mir einen neuen Arbeitgeber suchen werde. Arbeiten möchte ich weiterhin.“ 

Finanzielle Aspekte spielen eine Rolle

Auch das Projekt „Talente in Rente“ findet sie gut. Zink erwähnt den Fachkräftemangel und meint: „Natürlich können Rentnerinnen und Rentner diese Lücke nicht schließen, aber sie können Unternehmen helfen, die kurz- oder langfristig Arbeitskräfte suchen.“ 

Rentner, die ebenfalls weiterarbeiten möchten, rät sie: „Solange die Gesundheit es zulässt und die Bereitschaft zum Lernen und Arbeiten vorhanden ist – nicht zögern, sondern machen.“ Die mentale Fitness hat Auswirkungen auch auf die körperliche und psychische Gesundheit, und zuletzt erwähnt sie den finanziellen Aspekt: „Mit zusätzlichen Einkünften kann das Rentendasein leichter gestaltet werden.“

Feste Anstellung ist Voraussetzung für Aktivrente

Christof Lemberg, 65-jähriger Lehrer im Vorruhestand aus Münnerstadt, kritisiert, dass man für die Aktivrente einen festen Arbeitsvertrag benötigt. Ein Honorarvertrag reicht nicht. „Wer selbstständig arbeitet, ist draußen“, sagt er, denn „nicht genutzt werden kann die Aktivrente von Gewerbetreibenden, Freiberuflern und Selbstständigen. Minijobber profitieren ebenfalls nicht vom Steuerbonus“, informiert die Deutsche Rentenversicherung. 

Auf der Homepage der Rentenversicherung findet man den Hinweis, dass die Aktivrente keine Leistung der Rentenversicherung, sondern ein Steuerbonus ist. Ein Bonus, der laut Christof Lemberg eine höhere Gehaltskategorie bevorzugt. Rentnerinnen und Rentner, die nicht gut verdienen, müssen unter Umständen eine Vollzeitstelle antreten, um 2000 Euro im Monat zu erhalten.

Lemberg möchte in seiner Pension „ein paar Stunden was machen“. Wie das letztlich klappt, muss er noch abklären.

Rentner sind gute Arbeitskräfte

Das Unternhemen M&P aus Bad Kissingen ist bei „Talente in Rente“ dabei. Auf die Frage, warum gezielt Menschen im Ruhestand erreicht werden sollen, erklärt Geschäftsführer Jürgen Burkard: „Auf diese Menschen kann man sich verlassen. Sie bringen Lebenserfahrung mit und sind teils mehr belastbar als Jüngere.“

Die Plattform „Talente in Rente“ findet er interessant, konnte bisher aber noch keine geeigneten Rentner finden. Nach seiner Ansicht wird die Plattform noch zu wenig genutzt. 

Hauptsponsor zieht positive Bilanz

Die Vereinigung der Bayrischen Wirtschaft (vbw) ist Hauptsponsor des Projekts. Hauptgeschäftsführer Bertam Brossardt erklärt: „Die Plattform stößt auf viel positive Resonanz in Bayern – sowohl bei den Rentnerinnen und Rentnern auf der Suche nach einer Erwerbstätigkeit als auch bei den Unternehmen mit Bedarf an erfahrenen Arbeits- und Fachkräften.“

Das bestätigt ein Blick in die Zahlen, so Brossardt. Die Plattform ging im Oktober 2023 online. „Stand Februar 2026 verzeichnen wir rund 5080 registrierte Rentnerinnen und Rentner und über 408 Unternehmen.“ 

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