Die Standbeine der Landmetzgerei Kleinhenz in Unterleichtersbach – sie sind vielfältig. Das sei in der heutigen Zeit als Unternehmen unerlässlich, wie Geschäftsführerin Silvia Kleinhenz weiß. Und umso mehr, wenn es sich um Fleischproduktion handelt, die sehr stark äußeren Schwankungen unterliegt.
„Momentan ist der Fleischpreis vom Rind extrem hoch“, erklärt Silvia Kleinhenz. Das liege unter anderem an Krankheiten, die zu einer reduzierten Anzahl von Jungtieren führe und den gestiegenen Aufzuchtkosten. Im Biobereich haben sich zudem die Auslaufbedingungen für die Rinder geändert. Das könnten viele technisch nicht mehr erfüllen.
Kerngeschäft Bio-Erzeugnisse
30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat der Betrieb heute noch, nach der Schließung der Filialen im vergangenen Jahrzehnt. „Wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft“, erklärt Kleinhenz die gewollte Schrumpfung. Das sei die Produktion von Fleischerzeugnissen mit dem EU-Bio-Zertifikat, aber auch noch in kleiner Sparte aus konventioneller Aufzucht.
Für Großkunden aus der Region bereitet die Metzgerei die Produkte für die Selbstvermarktung zu, eigene Produkte verkauft die Landmetzgerei deutschlandweit in Supermärkten. Seit 2022 bietet der Betrieb zusätzlich Hundenahrung mit der Eigenmarke „Rhöndog“ an. „Uns ist es wichtig, alle Teile vom Tier zu verwerten – auch die, die vom Menschen heute kaum noch gegessen werden“, sagt Kleinhenz.
Kosten für Energie sind extrem gestiegen
Bereits 2020 hat sich der Familienbetrieb dazu entschlossen, den Verkaufsraum an der Produktionsstätte zu verkleinern. „Das war nicht nur in Hinsicht auf Corona die richtige Entscheidung“, sagt Kleinhenz. So sei der Betrieb effizienter aufgestellt.
Was insbesondere der Metzgerfamilie Kleinhenz seit dem Krieg in der Ukraine zu schaffen macht, das sind die Kosten für die Energie. Die Fleischproduktion ist durch die Herstellung mit großen Kochkesseln, Backöfen und Kühlung besonders energieintensiv.
Neue Technik nötig
„2023 haben wir uns umfassend informiert und geplant“, erklärt Kleinhenz. Bisher war der Betrieb auf den rund 700 Quadratmetern Produktionsflächen mit rund 50 Prozent über Heizöl und 50 Prozent mit Strom betrieben. „Die alten Maschinen waren in die Jahre gekommen“, erinnert sich die Geschäftsführerin.
Schließlich entschied sich die Familie gegen Öl und für Wärmepumpen sowie im Produktionsbereich zu einem Umbau der gesamten Heizgeräte und Kochkessel von Ölbrenner auf elektrische Heizung.
Doppelt soviel Strom für Produktion
Mit der Ausstattung durch PV-Anlagen hatte der Betrieb bereits 2013 begonnen. Heute liegt die Spitzenleistung der Stromerzeugung bei 170 Kilowatt Peak. Zwei Wärmepumpen auf dem Dach des Betriebes und große Puffertanks für die Erhitzung ersetzen die Ölheizung. Seit dem Umbau 2024 benötigt der Betrieb in Unterleichtersbach etwa doppelt so viel Strom wie bisher.
„Wir haben deshalb die Übertragungsleistung unseres Netzanschlusses von 100kW auf 250kW erhöht“, so Kleinhenz. Ein normaler Hausanschluss für ein Einfamilienhaus liegt bei etwa 16 bis 25 kW.
Flexibel bleiben
Dennoch sieht Kleinhenz den Umbau nicht als Ende der Fahnenstange. „Wir müssen immer flexibel reagieren auf das, was kommt“, sagt die Geschäftsführerin. „Mit dem Umbau sind wir jetzt gut aufgestellt.“ Ideen gebe es trotzdem noch einige. Die promovierte Lebensmittelchemikerin hält sich immer auf dem Laufenden.
Geschichte des Betriebes
Richard Kleinhenz gründetet die Landmetzgerei Kleinhenz im Jahr 1988. Tochter Silvia Kleinhenz absolvierte die Metzgerlehre, im Anschluss ein Studium der Lebensmittelchemie mit Promotion. Seit 2010 ist sie im Betrieb der Eltern dabei und übernahm 2021 die Geschäftsführung der Landmetzgerei.
Im September 2007 erhielt die Metzgerei die EU-Zulassung als Zerlegungsbetrieb von Schweinen und Rindern und als Herstellungsbetrieb von Fleischerzeugnissen sowie für das Ausschmelzen von tierischen Fetten erhalten.
Für langjährige Mitarbeit zeichnete die Landmetzgerei Kleinhenz aus Unterleichtersbach kürzlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus. Folgende Personen wurden geehrt: Manfred Hahn, Fahrer, 20 Jahre, Rudolf Halbig, Fahrer, 30 Jahre, Jurij Klamer, Metzger, 15 Jahre, Stefan Eirich, Metzger, 10 Jahre, Brigitta Trautsch-Martin, Verkäuferin, 30 Jahre, Sigrid Goldfuß, Verkäuferin, 15 Jahre, Monika Görke, Verwaltungsmitarbeiterin, 10 Jahre, Valentina Gartung, Produktionsmitarbeiterin an der Füllmaschine, 25 Jahre, Reißer Susanne, Fahrerin und Produktionsmitarbeiterin, 10 Jahre, Armella Heil, Produktionsmitarbeiterin, 20 Jahre, Heidi Plobner, Reinigungskraft und Produktionsmitarbeiterin, 30 Jahre sowie Angela Brand, Verkäuferin, 10 Jahre.















