Die Metall- und Elektroindustrie in Unterfranken steht weiterhin unter Druck. Laut der aktuellen Sommer-Konjunkturumfrage der Unternehmerverbände bayme und vbm bleibt die wirtschaftliche Lage angespannt. Es gibt jedoch positive Signale. „Die strukturellen Herausforderungen bestehen nach wie vor. Der konjunkturelle Tiefpunkt ist jedoch überwunden“, erklärt Jörg Wuttke, Vorsitzender der bayme-/vbm-Region Main-Rhön und Geschäftsführer des Wälzlagerherstellers SKF in Schweinfurt.
Geschäftslage immer noch negativ, aber Trendwende in Sicht
Gegenüber dem Winterhalbjahr hat sich die Geschäftslage der Metall- und Elektrounternehmen, wie unter anderem SKF und ZF in Schweinfurt, Bosch Rexroth in Lohr, Koenig & Bauer in Würzburg sowie Linde in Aschaffenburg, etwas verbessert. Zum ersten Mal seit langer Zeit sind die Erwartungen der Unternehmen an das Inlandsgeschäft wieder mehrheitlich positiv.
18,4 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, weniger als zehn Prozent befürchten eine weitere Verschlechterung. „Die Unternehmen sehen trotz der schwierigen Gesamtsituation Licht am Ende des Tunnels. Wir hoffen, dass der ‚Drive‘ der neuen Bundesregierung zu weiteren Verbesserungen führt“, so Wuttke.
Die Zurückhaltung bei Investitionen bleibt aber bestehen. Laut Wuttke ist dies trotz Verbesserungen weiterhin ein Warnsignal: „Die nachlassende Investitionszurückhaltung ist auch der neuen Bundesregierung zu verdanken. Jetzt müssen weitere Reformen, wie die Flexibilisierung der Arbeitszeiten und weniger Bürokratie, schnell umgesetzt werden, um den Standort Deutschland attraktiver zu machen.“
Der Personalabbau entspannt sich leicht: Neun Prozent der Unternehmen planen, neue Stellen zu schaffen. Etwa 45 Prozent der Unternehmen wollen Stellen streichen. Bis zum Jahresende werden in Unterfranken etwa 3.500 Jobs wegfallen. So plant zum Beispiel SKF in Schweinfurt weitere Stellenkürzungen. Insgesamt sollen die Arbeitsplätze in der Metall- und Elektroindustrie der Region von 89.000 auf 85.500 bis Ende 2025 schrumpfen, sagt Wuttke.
Internationaler Druck: Zölle behindern das Geschäft
Unternehmen sehen das schwierige außenwirtschaftliche Umfeld, besonders wegen der USA, als Problem. Fast jedes zweite Metall- und Elektro-Unternehmen in Unterfranken exportiert dorthin; über die Hälfte leidet demnach unter den erhöhten US-Zöllen. „Handelsbarrieren schaden der Wirtschaft. Die Einigung zwischen EU und USA verhindert zwar Schlimmeres, doch die neuen 15-Prozent-Zölle belasten die Exporte und bremsen das Wachstum. Wir müssen weiter Barrieren abbauen und unsere Wettbewerbsfähigkeit stärken“, fordert Wuttke.
Der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) äußerte sich skeptisch. „Der neue Basiszollsatz von 15 Prozent wird voraussichtlich zu einem jährlichen Verlust an Wirtschaftsleistung von 0,15 Prozent in Deutschland führen, das sind über sechs Milliarden Euro pro Jahr“, sagte Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer des BIHK. Für Bayern bedeute dies einen jährlichen Verlust von über einer Milliarde Euro.
Nach Einschätzung von Wuttke braucht es mutige Reformen: „47 Prozent unserer Firmen sehen heute schlechtere Standortbedingungen als vor zwei Jahren. Die größten Probleme sind zu hohe Arbeitskosten, zu viel Bürokratie und teure Energie.“ Ein Fünftel der Betriebe schreibe Verluste, viele arbeiten mit sehr niedriger Rendite. Wuttke sieht die Politik in der Pflicht: „Die Beschäftigten zahlen den Preis für eine viel zu lange verfehlte Industriepolitik. Die Wirtschaftswende ist eingeleitet, doch der Weg bleibt steinig.“









