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Seit Anfang Oktober
Aussegnungshalle gesperrt – wohin mit den Toten?
Sperrung der Aussegnungshalle am Waldfriedhof: die Folgen
Die seit 1. Oktober 2025 gesperrte Aussegnungshalle am Waldfriedhof in Bad Brückenau. Weil die Scheiben der Fenster unter dem Druck des Dachtragwerks eventuell bersten und Splitter Menschen verletzen könnten, ist das Gebäude unter anderem teilweise mit einem engmaschigen Netz umspannt. // Steffen Standke
Bad Brückenau – Anfang Oktober überraschte die Stadt Bad Brückenau ihre Einwohner mit der Schließung der Räume am Waldfriedhof in der Leimbachstraße. Das hat Folgen, nicht nur für Angehörige und Bestatter.

Der Post der Bad Brückenauer Stadtverwaltung auf dem sozialen Netzwerk Instagram war kurz und knackig: „Die Aussegnungshalle in der Leimbachstraße ist ab Mittwoch, den 01.10.2025 gesperrt.“ Als Grund dafür werden Gebäudeschäden genannt. Außerdem wurde um Verständnis gebeten, „dass wir im Zuge eurer Sicherheit diese Maßnahme ergreifen müssen“. Bestatter, Kirchen sowie Polizei seien informiert.

Unbeantwortete Fragen

Der Internet-Eintrag wirft einige Fragen auf: Welche Gebäudeschäden sind gemeint? Sind sie so schlimm, dass man einen ganzen Komplex sperren muss? Können künftig am Waldfriedhof noch Bestattungen wie bisher geschehen stattfinden? Wenn ja, in welcher Form und mit welchen Einschränkungen?

Die Redaktion hat bei der Stadtverwaltung nachgefragt. Thorsten Grament vom städtischen Bauamt schildert die Ereignisse, die sich ab Mitte September abspielten – und zu der Sperrung ab 1. Oktober führten.

Zunächst einmal waren schon vor einigen Jahren Teile der Verkleidung von der Decke des 1980 errichteten Gebäudes gefallen. Daraufhin wurde alles mit einer Vielzahl an Schrauben gesichert, so Grament.

Inspektion: merkwürdig aussehende Stütze entdeckt

Bei einer Inspektion der Liegenschaft im September 2025 sei dann eine tragende Stütze entdeckt worden, die „im unteren Bereich dezent merkwürdig ausgesehen“ habe. Es stellte sich heraus, dass die unteren 30 bis 40 Zentimeter verfault waren, berichtet der Mann vom städtischen Bauamt.

Sperrung der Aussegnungshalle am Waldfriedhof: die Folgen
An dieser Stütze im Außenbereich ist die Fäule des Holzes deutlich zu erkennen. // Steffen Standke

Einen Tag später seien weitere Holzpfeiler genauer angeschaut worden – mit dem Ergebnis, dass einige weniger, andere aber auch stärker geschädigt waren als die erste Stütze.

„Keine andere Möglichkeit als zu sperren“

Ein Statiker begutachtete die Lage insgesamt. „Seine Stellungnahme ließ uns keine andere Möglichkeit, als das gesamte Gebäude außer Betrieb zu nehmen und komplett abzusperren“, sagt Grament.

Das betrifft nicht nur die eigentliche Trauerhalle, sondern auch die Kühl- und Leichenvorbereitungsräume, das öffentliche WC, den kleinen Pausenraum, Umkleide und Vorbereitungsraum für Geistliche sowie eine Lagerfläche. Derzeit umgibt ein Bauzaun das gesamte Gebäude inklusive Vorplatz.

Grundsätzliche Mängel an Stützkonstruktion

Wie konnte es soweit kommen? Grament bezeichnet „die grundsätzliche Bauweise und Detailausbildung des 45 Jahre alten Gebäudes, wie die Bauteile miteinander verbunden sind und wie das Holz seine Last abgibt“, als "mangelhaft“.

Heißt, dass die Stützkonstruktion aus Holz zu wenig gegen Witterungseinflüsse, insbesondere Nässe von unten, gewappnet wurde. Etliche Stützen seien nicht frei belüftet, teilweise verkleidet, teils auch unters Pflaster an den Boden geführt. Einige stünden gar in Erde vom benachbarten Hang.

Derzeit erstellt ein Statiker ein Notsicherungskonzept inklusive Kostenschätzung, das dem Stadtrat zeitnah vorgestellt werden soll. Aus Graments Sicht bestehen zwei Optionen: entweder das Gebäude stehenlassen und sanieren oder es abreißen und neu bauen. Zu Dimensionen von Kosten möchte er sich vor der Kostenschätzung des Statikers nicht äußern.

Sofortsicherung für Aussegnungshalle

Mit der Sperrung hat die Stadt auch eine Sofortsicherung am Gebäude vorgenommen. Neben der Absperrung mit Bauzäunen ließ sie die Fenster mit Holzplatten verkleiden. Denn sollte sich das Dachtragwerk wegen der darunterliegenden maroden Stützen senken, könnten Spannungen in den Scheiben entstehen. Sie könnten bersten; Glassplitter Passanten auf der vorbeiführenden Leimbachstraße oder dem Friedhof treffen.  Aus demselben Grund wurde ein feinmaschiges Netz um das obere Gebäudegeschoss gespannt. Auch aus der Deckenverkleidung könnten wieder Teile herabfallen.

Änderung im Ablauf bei Urnenbestattungen

Bereits am 26. September wurden Bestatter, Geistliche, aber auch die Polizei über die Sperrung informiert. Diese hat durchaus Folgen in gewissen Abläufen, bestätigt Ralf Keßler, Bestatter und städtischer Friedhofsreferent.

95 Prozent aller Begräbnisse seien heutzutage Urnenbestattungen, sagt er. Bei diesen ließe sich das Problem der gesperrten Trauerhalle leicht umgehen. Die Verstorbenen würden eh im Krematorium eingeäschert; Verabschiedung und Trauerfeier könnten mit Einverständnis der Geistlichen vom Waldfriedhof in die Kirchen verlagert werden. Die Urne müsste dann nach dem Zeremoniell zum Friedhof gefahren und in die Erde gebracht werden. Insgesamt nur ein leichtes Mehr an Aufwand, so Keßler.

Probleme bei Bestattung im offenen Sarg

Darüber hinaus finden aber immer noch Erdbestattungen im Sarg statt – auch wenn es mit rund zehn pro Jahr eine überschaubare Zahl ist. Besonders unter den Spätaussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion, aber auch bei Inhabern einer Gruft sei das Tradition, hat Keßler beobachtet.

Bei der Zeremonie auf dem Friedhof stehe der Sarg dann durchaus offen, so der Begräbnisunternehmer. Jetzt, in der kalten Jahreszeit, sei das kein Problem. Und auch nicht, dass der Sarg mal für kurze Zeit beim Bestatter zwischengelagert werde.

Anders in der Sommerzeit, bei 30 bis 35 Grad Außentemperatur. Da hätten sich die abschließbaren Kühlräume am Waldfriedhof als sehr nützlich erwiesen, so der Bestatter.

Platz für „Polizeileichen“

Leider bieten die Leichenhäuser in der Umgebung keine so effektive Kühlmöglichkeit wie in der Leimbachstraße, hat Ralf Keßler festgestellt. Was dazu geführt habe, dass bisher auch die „Polizeileichen“ zum Bad Brückenauer Waldfriedhof gebracht worden seien. Damit sind nicht nur an Suizid Verstorbene gemeint, sondern auch Unfallopfer oder auch Menschen aus Altenheimen, deren Todesursache zunächst unklar ist. Sieben bis acht solcher Fälle gibt es laut Keßler pro Jahr im Raum Bad Brückenau.

Provisorium für geschützte Erdbestattung

Laut Thorsten Grament will das städtische Bauamt einen Vorschlag erarbeiten für ein Provisorium, das Trauergäste bei einer Erdbestattung vor Wind und Wetter schützen kann. Schließlich soll es nicht in den offenen Sarg regnen oder schneien.

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