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Senioren
Betreutes Wohnen an der Hammelburger Kirche?
Vom Obergeschoss des Roten Schlosses aus ist die alte Volksschule neben der Hammelburger Stadtpfarrkirche besonders gut zu überblicken.
Vom Obergeschoss des Roten Schlosses aus ist die alte Volksschule neben der Hammelburger Stadtpfarrkirche besonders gut zu überblicken. // Archiv/Ralf Ruppert
Hammelburg – Die Stadt hat ein Nutzungskonzept für die alte Volksschule in Auftrag gegeben. In dem denkmalgeschützten Gebäude sollen mindestens 40 Plätze entstehen

Beim betreuten Wohnen ist Hammelburg der berühmte weiße Fleck auf der Landkarte: Das aktuelle seniorenpolitische Gesamtkonzept des Landkreises Bad Kissingen weist mehr als 700 betreute Wohnplätze aus, in Hammelburg gibt es demnach allerdings keinen einzigen.

„Der Bedarf ist groß, uns erreichen regelmäßig Anfragen“, berichtet auch der Hammelburger Bürgermeister Armin Warmuth. Anfang 2022 hatte die Carl-von-Heß-Sozialstiftung ein mögliches Projekt am Schafhof mitten in Hammelburg vorgestellt.

„Das hat sich definitiv erledigt“, berichtet der stellvertretende Stiftungsvorstand Martin Pfeuffer auf Nachfrage. Nun lässt die Stadt prüfen, ob betreutes Wohnen in der alten Volksschule neben der Stadtpfarrkirche möglich ist.

In nicht-öffentlicher Sitzung beschlossen

„Der Stadtrat hat in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, ein Nutzungskonzept in Auftrag zu geben“, berichtet Bürgermeister Warmuth. Die frühere Volksschule sei unter seinem Vor-Vorgänger Arnold Zeller als Baudenkmal eingestuft worden. „Wir sind dort in einem sensiblen Bereich“, sagt Warmuth.

Deshalb habe die Stadt den Auftrag auch an das Architekturbüro Brückner und Brückner gegeben: Das Büro hat bereits den Umbau des Klosters Altstadt für die Bayerische Musikakademie geplant. Das Ergebnis dort wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Architekturpreis.

„Es war uns wichtig, ein Büro einzuschalten, das im Bereich Denkmalschutz sehr sensibel arbeitet“, sagt Bürgermeister Warmuth. Die alte Volksschule steht zwischen der Stadtpfarrkirche und dem Kellereischloss des Freistaates Bayern. Erste Sondierungsgespräche mit dem Landesamt für Denkmalpflege habe es bereits gegeben.

Bauliche Veränderungen wahrscheinlich

„Die wichtigste Frage ist, was baulich überhaupt machbar ist“, konkretisiert Warmuth den Planungsauftrag. Konkrete Vorgabe gebe es zwar keine, aber ein wirtschaftlicher Betrieb sei vermutlich erst ab mindestens 40 Wohnplätzen möglich, schätzt der Bürgermeister. Und: „Der Bestand wird wohl nicht ausreichen, es wird vermutlich bauliche Veränderungen geben müssen.“

Was das konkret bedeutet, lässt der Bürgermeister offen. Viel Fläche rund um das Gebäude steht auch gar nicht zur Verfügung: Der Stadt gehören der Innenhof des U-förmigen Gebäudes und eine kleine Freifläche in Richtung Weiher. Geprüft werde unter anderem, ob an der Fassade zum Beispiel Balkone möglich seien.

Für das Nutzungskonzept sei der Stadt auch die Unterstützung im Rahmen der Städtebauförderung in Aussicht gestellt worden. Davon hänge noch der endgültige Auftrag ab, allerdings drückt Warmuth auf die Tube: „Der Auftrag soll möglichst bald rausgehen.“

Ergebnisse sollen im September vorliegen

Auf Ergebnisse hofft der Hammelburger Bürgermeister unmittelbar nach der Sommerpause im September. Mindestens bis dahin bleiben auch die zwei wichtigsten Fragen offen: Investiert die Stadt selbst in ihr Gebäude? Und wer könnte das betreute Wohnen betreiben?

„Wir sind grundsätzlich für alles offen“, kommentiert Martin Pfeuffer von der landkreiseigenen Carl-von-Heß-Sozialstiftung das Projekt. Betreutes Wohnen werde im Landkreis dringend benötigt. Die Stiftung erweitere ihr Angebot in Münnerstadt aktuell bereits zum zweiten Mal: Im ehemaligen Jugendhaus entstehen weitere Plätze, auch wenn diese vorübergehend zunächst als stationäre Pflege verwendet werden sollen, um für einen Umbau Platz zu haben.

Mehr Platz für Verwaltung notwendig

Klar sei auch, dass die Stiftung mehr Platz für die Verwaltung brauche, die aktuell unter anderem in Hammelburg und Münnerstadt untergebracht ist. In Kombination mit dem geplanten Projekt am Schafhof gab es eine Zustimmung des Stadtrates, die Verwaltung im leerstehenden Bürgerspital unterzubringen. Das würde laut Stadt dem Zweck der Stiftung entsprechen.

Offen lassen sowohl Warmuth als auch Pfeuffer, ob die Stiftung ihren Verwaltungssitz auch ohne ein Projekt in der Innenstadt ins Bürgerspital verlegt. „Wir warten jetzt das Nutzungskonzept ab und schauen, wie sich die Stadt entscheidet“, sagt Pfeuffer.

Offen ist auch, wie es mit den aktuellen Nutzern der alten Volksschule weitergeht: Untergebracht sind dort laut Stadt das Jugendzentrum, die Büros der städtischen Jugendarbeit, die Kleiderkammer sowie Schulungsräume für die Volkshochschule und die Jugendmusikvereinigung Saaletal.

Bei der Volkshochschule steht laut Bürgermeister bereits fest, dass sie ins Bürgerhaus umzieht. Für die Kleiderkammer und die Musikausbildung müssten Räumlichkeiten gefunden werden: „Hierzu sind wir im Gespräch“, berichtet Warmuth.

„Für das JUZ wurden und werden verschiedene Möglichkeiten diskutiert“, sagt Warmuth weiter. Zu den Kriterien für einen neuen Standort gehöre unter anderem, dass sich Jugendliche auch einen Außenbereich wünschen. Deshalb komme zum Beispiel das ehemalige Kupsch-Gebäude eher nicht in Frage.

Tagespflege im Bürgerspital wird geprüft

Parallel zu den Plänen für die alte Volksschule prüft die Stadt laut Warmuth aktuell, ob im Erdgeschoss des Bürgerspitals  eine Tagespflege möglich sein könnte. „Hierzu gibt es ein ganz starkes Interesse“, sagt der Rathaus-Chef. 

Das „aufwendige Prüfungs- und Genehmigungsverfahren durch einen potenziellen Betreiber“ nehme voraussichtlich  einige Monate in Anspruch. „Der große Bedarf dafür ist gegeben“, kommentiert Warmuth die Pläne. Zudem entspreche eine Tagespflege  dem Stiftungszweck. 

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