Millimeter für Millimeter schiebt sich der Bohrkopf voran. An der Grenze zu Thüringen bei Eußenhausen, einem Ortsteil von Mellrichstadt, soll die SuedLink-Trasse im Untergrund verschwinden. Dafür wird kein Graben gezogen, kein Land aufgerissen. Stattdessen kommt eine horizontale Spülbohranlage (HDD) zum Einsatz.
Zuerst setzt die HDD eine 1060 Meter lange Pilotbohrung. „Pilot heißt sie, weil sie uns den exakten Verlauf vorgibt“, sagt Chris Göpfert, Projektsprecher des Übertragungsnetzbetreibers TransnetBW. Ein schlanker, steuerbarer Bohrkopf tastet sich entlang der berechneten Achse durch den Untergrund.
Sensoren im Bohrkopf und Messgeräte an der Oberfläche kontrollieren ständig Richtung und Tiefe. Wenn diese Spur stimmt, wird die Bohrung Schritt für Schritt aufgeweitet, bis Leerrohre eingezogen werden können.
Bohrungen nur unter sensiblen Bereichen wie Wäldern
Die HDD-Anlage arbeitet mit Zugkräften von rund 100 Tonnen. Sie ist dafür ausgelegt, große Distanzen unter sensiblen Bereichen zu überwinden – unter Wäldern, Straßen oder Gewässern. Insgesamt entstehen fünf getrennte Bohrkanäle: vier für die beiden HGÜ-Systeme (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) mit Plus- und Minuspol, ein weiterer für Lichtwellenleiter zur Steuerung und Überwachung. „Oben sieht man nur Technik“, sagt Göpfert. „Alles andere passiert im Untergrund.“
Die Baustelleneinrichtung für die Bohrung umfasst rund 17.000 Quadratmeter. Darauf stehen Misch- und Filtrationsanlagen, Generatoren, Bohrgestänge und Baucontainer. Zentrales Arbeitsmedium ist Bentonit – eine mineralische Spülsuspension. Sie stabilisiert den Bohrkanal und transportiert das Bohrmaterial nach hinten. Das Gemisch wird aufgefangen, gefiltert und erneut eingesetzt. „De facto ist das ein Kreislauf“, sagt Göpfert, „auch wenn es im Untergrund immer geringe Verluste gibt.“
Beim Tiefbau wird der Boden streng nach Plan abgetragen
Etwa 46 Kilometer weiter, auf freiem Feld zwischen Rannungen und Pfersdorf, ist eine weitere Baustelle. Hier gibt es klassischen Tiefbau. Bagger heben den Graben aus, streng nach Plan. Der Boden wird Schicht für Schicht getrennt: erst der Oberboden, dann die tieferen Horizonte. Alles wird separat gelagert.
Im Graben werden dann 20 Zentimeter Bettungsmaterial aufgebracht, darauf kommen die Leerrohre, darüber nochmals 20 Zentimeter Bettung. Erst dann wird der Boden wieder eingebaut. „Entscheidend ist, dass sich der Untergrund später genauso verhält wie vor dem Bau“, sagt Göpfert. „Die Flächen sollen ja wieder landwirtschaftlich ohne Einschränkungen nutzbar sein.“
Koordiniert wird der Abschnitt aus dem zentralen Baulager in Ebenhausen. Auf knapp 25.000 Quadratmetern arbeiten Bauleitung, Umweltbaubegleitung, Archäologie und Bauüberwachung zusammen. Der von dort gesteuerte Trassenbereich ist 63 Kilometer lang, reicht von der Grenze zu Thüringen bis an die Grenze der Landkreise Schweinfurt und Bad Kissingen. 60 Kilometer davon befinden sich bereits im Bau – es wird gerodet, archäologisch untersucht, gebaggert oder gebohrt.
Ruhe zwischen Weihnachten und Dreikönig
„Wir arbeiten an der ganzen Trasse an so viel Stellen wie möglich parallel“, sagt Göpfert. Aktuell gibt es in diesem Abschnitt sechs aktive Baustellen mit Bohr- oder Grabenarbeiten. Zwischen Weihnachten und Dreikönig kehrt kurz Ruhe ein, danach wächst die Trasse weiter, Millimeter für Millimeter.
Ab 2027 sollen die ersten Kabel eingezogen werden, Ende 2028 soll SuedLink Strom übertragen. Der eigentliche Metallleiter, der den Strom transportieren wird, misst nur rund sechs Zentimeter Durchmesser. Durch ihn fließen dann 4000 Megawatt Leistung – eine Größenordnung von zwei Kernkraftwerken. In der Landschaft wird davon nichts zu sehen sein.












