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Baustellen in Bad Brückenau
Droht in der Kissinger Straße noch mehr Verkehrschaos?
Ausbau Siebenbrücksgasse und Haltestellen Bad Brückenau
Am Schwaneneck in Bad Brückenau herrscht immer viel Verkehr. Oft stockt er, besonders wenn Schwerlaster wegen Staus von der Autobahn abfahren. Einige Stadträte fürchten noch mehr Verstopfung, wenn die Bushalte in der Kissinger Straße erneuert werden. // Steffen Standke
Bad Brückenau – Die Stadt will neben neuen Versorgungsleitungen in der Siebenbrücksgasse den barrierefreien Ausbau der dortigen Bushalte umsetzen. Das kostet viel Geld und könnte Autofahrer auf die Probe stellen.

Unter dem historischen Natursteinpflaster der Siebenbrücksgasse in Bad Brückenau tickt eine Zeitbombe. Die stählerne Wasserversorgungsleitung stammt aus den 1950er-Jahren. Sie ist so marode, dass die Stadtwerke ihr keinen weiteren Winter mehr zutrauen. Auch Abwasserkanal, Strom- und Gasleitungen sind alt und verschlissen. Kurzum: Die Infrastruktur in der Gasse muss erneuert werden. Daniel Redelberger vom Büro Arz Ingenieure aus Würzburg stellte im Stadtrat erste Pläne vor.

Historisches Pflaster wird wiederverwendet

Die Siebenbrücksgasse gehört zu den ältesten erhaltenen Straßenzügen Bad Brückenaus – auch, weil sie den Stadtbrand von 1876 überstand. Das Gässchen zwischen Kissinger Straße und Obertor gilt als Bodendenkmal und genießt mit ihren aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammenden Fachwerkhäusern Ensembleschutz.

Deshalb werden laut Redelberger das historische Pflaster und die einst über einen Bachlauf verlegten Natursteinplatten wiederverwendet. Die Siebenbrücksgasse wird nach der Erneuerung nicht mehr ganz so huckelig sein.

Ausbau mit Kasseler Bord und taktilem Leitsystem

Gleichzeitig möchte die Stadt die beiden Bushaltestellen an der Einmündung der Gasse in die Kissinger Straße erneuern – und zwar barrierefrei. Dazu werden sie mit einem erhöhten „Kasseler Bord”, das Menschen mit Behinderung den ebenerdigen Einstieg in den Bus ermöglicht, ausgestattet. Ein „taktiles Leitsystem” soll ihnen die Orientierung vor Ort erleichtern.

Ausbau Siebenbrücksgasse und Haltestellen Bad Brückenau
Die Bushaltestellen in der Kissinger Straße sollen 2027 barrierefrei und ohne Einfahrtsbuchten ausgebaut werden. // Steffen Standke

An den beiden Haltestellen sollen die Einfahrbuchten verschwinden. Der Bus würde fürs Aus- und Einsteigen auf der Fahrbahn halten. Redelberger schlägt das vor, weil ansonsten Busfahrer nicht nah genug an den Bordstein herankämen und ein für mobil eingeschränkte Menschen hinderlicher Spalt entstehen könnte. Die Barrierefreiheit wäre dahin.

Befürchtung: Verkehrssituation verschärft sich

Das sorgte für Diskussionen im Stadtrat, weil die Kissinger und Fuldaer Straße als Ausweichrouten bei Stau auf der A7 dienen und das Nadelöhr an der Schwan-Apotheke sich anschließt. Schwerlaster müssen dort weit ausholen, um um die enge Kurve zu kommen. Sollten die Busse künftig auf der Straße halten, wird noch mehr Stau befürchtet, besonders von der Fuldaer Straße her.

Für Claudio Kleinhans (PWG) stand fest: „Der Entfall der Busbuchten verschärft die Situation wegen des Verkehrs von der Autobahn.” Heribert Übelacker (CSU) kennt Busunternehmer, die die Bucht befürworten. Zudem würde der Bus an der Stelle oft länger halten. „Asylbewerber aus der Unterkunft in Volkers steigen dort in Masse ein.” Er riet, den Kreisomnibusbetrieb mit ins Boot zu holen.

Kritik an zeitweiliger Vollsperrung

Kritisch sahen einige Räte auch, dass zeitweise unter Vollsperrung gearbeitet werden soll. Redelberger zufolge werden neben dem Umbau der Busstopps Teile der Fahrbahn neu asphaltiert und der Fußweg um die Haltestellen mit Betonsteinpflaster versehen.

Michael Berger (Volinare) fand eine Vollsperrung „hochproblematisch”. „Die Rettungskräfte müssen hoch zur Autobahn.” Laut Redelberger wird die Straße nicht grundhaft ausgebaut. Die Vollsperrung dauere während der Deckensanierung eine bis zwei Wochen, ergänzte er gegenüber dieser Redaktion. „Der Ausbau der Haltestellen kann halbseitig und mit Ampelregelung erfolgen.” Auch könnten während der Erneuerung des Kanals Stahlplatten über den Schächten die Überfahrt der Retter sicherstellen.

Dilemma bei der Bauzeit

Grundsätzlich strebe man eine Straßenerneuerung in den Sommerferien an, weil dann kein Schülerverkehr stattfinde. Andererseits dürfe man die Autobahn-Umleitung nicht einschränken. Dieses Spannungsverhältnis müsse mit Staatlichem Bauamt und Autobahn GmbH abgeklärt werden.

Florian Wildenauer (SPD) fragte, ob man staatliche Zuschüsse für die Haltestellen nur mit Kasseler Bord erhalte. Redelberger bejahte da. Es sei eine Mindestlänge des Bordsteins vorgeschrieben, damit beide Türen des Busses abgedeckt sind. Von der Länge des Bordes hänge die Förderung ab.

Entwässerung in Siebenbrücksgasse wird überprüft

Lukas Dill (Grüne) schlug eine Entwässerung der Siebenbrücksgasse über eine Mittelrinne vor. So ließe sich vermeiden, dass Niederschlag in die Anwesen fließt. Redelberger will das prüfen. Seine Planung sieht vor, dass das Wasser durch eine Querneigung in eine seitliche, mit Pflaster ausgebildete Rinne gelangt und bergab geführt wird. Am Fuße der Gasse würde es quer dazu in einer Kastenrinne aufgefangen, damit es nicht auf die Kissinger Straße gelangt. Eine Mittelrinne bezeichnet der Planer bei dem starken Gefälle der Gasse als schwierig.

Ausbau Siebenbrücksgasse und Haltestellen Bad Brückenau
Die Wasser-, Strom- und Gasinfrastruktur unter der historischen Siebenbrücksgasse muss schleunigst erneuert werden. // Steffen Standke

Übelacker fragte, ob man nicht die Siebenbrücksgasse zuerst erneuern und als zweiten Schritt die Haltestellen mit dem Schwaneneck zusammen angehen könne. Bürgermeister Jan Marberg (SPD) bejahte das.

Baukosten im sechsstelligen Bereich

Redelberger rechnet mit Baugesamtkosten von 385.000 Euro. Auf die Gasse würden 125.000 Euro entfallen, auf die Haltestellen 215.000 Euro. Die Entsorgung preist er mit 46.000 Euro ein. Die Planungskosten bezifferte er nicht näher; sie dürften bei nochmal zehn bis 15 Prozent liegen.

Laut Kämmerer Andreas Braun stehen 340.000 Euro im Haushalt bereit. An staatlichen Zuschüssen wären 50 bis 80 Prozent für die Haltestellen möglich, circa 107.000 Euro. Bei 50 Prozent Förderung läge der städtische Eigenanteil bei rund 277.000 Euro. Die Stadtwerke werden sich laut Geschäftsführer Torsten Zwingmann an den Kosten beteiligen. Mit ihm hat Marberg darüber noch nicht gesprochen.

Ingenieurbüro erhält Auftrag

Der Stadtrat beauftragte das Ingenieurbüro Arz mit weiterer Entwurfsplanung, Ausschreibung und Bauüberwachung des gesamten Projektes. Die Erneuerung der Leitungen in der Siebenbrücksgasse könnte im September oder Oktober 2026 starten. Der Umbau der Bushalte ist für Frühjahr 2027 angedacht. Fertig wäre der Bau im Sommer.

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