In einem idyllischen Waldstück zwischen Kaider und Kümmersreuth liegen drei kleine Teiche. Einen davon hat David Klob aus Bad Staffelstein gepachtet, um darin Fische zu halten. 400 Forellen, 100 Saiblinge und drei Störe befanden sich in dem kleinen Gewässer, das vom Überlauf des Angerbrunnens gespeist wird und das an der Staumauer etwa drei Meter tief ist.
Eigentlich wollte David Klob die Fische in dem glasklaren Bergquellwasser großziehen, um sie dann im Familienkreis zu verspeisen. Doch daraus wurde nichts. Als der 31-Jährige vor einigen Tagen zu seinem Teich fuhr, fand er ihn leer. Bei Nacht und Nebel abgefischt – von Unbekannten. Er schaltete die Polizei ein, die umgehend Ermittlungen aufnahm. Doch vergeblich, denn die Täter hatten sich mit ihrer Beute unerkannt aus dem Staub gemacht.
Wildkameras werden ausgewertet
Aber sie blieben nicht unbeobachtet, denn zwei in der Nähe angebrachte Wildkameras zeichneten die Tat auf und werden derzeit von der Polizei ausgewertet. Dumm ist nur, dass die Übertragung der Bilder in Echtzeit von dort nicht möglich ist, denn in dem engen Tal hinter Kaider besteht keine Verbindung zum Netz.
Besonders traurig ist David Klob über den Diebstahl seiner drei Störe. Der größte von ihnen war beim Einsetzen etwa 90 Zentimeter groß und dürfte nun gut einen Meter gemessen haben. „Den großen Stör hat man immer gesehen, der war wie ein Hai.“ Rund 250 Euro sei dieser markante Fisch wert gewesen.
Störe sind lebende Fossile
Störe werden zu den Knochenfischen gezählt und sind bekannt für ihr urtümliches Aussehen. Der Stör wird auch als lebendes Fossil bezeichnet. Er braucht sauberes Wasser, in dem er sich ständig bewegt. Dadurch erhält er konstant die gute Qualität des Wassers. Ein Stör hat nicht genügend natürliche Möglichkeiten, Wasser durch die Kiemen zu pumpen und muss deswegen – genau wie ein Hai – schwimmen, um genug Sauerstoff einzuatmen.
Viel Zeit und Futter in Aufzucht investiert
Vor rund zwei Jahren hatte David Klob die Fische in den Teich eingesetzt. Der reine Sachschaden des Diebstahls wird von der Polizei auf 2000 Euro geschätzt. „Aber das allein reicht nicht, denn man investiert in die Aufzucht viel Zeit und Futter“, sagt Klob. Nun aber kann man bis auf den Grund des Teichs sehen, in dessen glasklarem Wasser kein Fisch mehr schwimmt. Allein das Laub des umgebenden Mischwaldes sprenkelt die spiegelnde glatte Wasseroberfläche.
Täter eigneten sich Ortskenntnisse an
„Niemand kommt hier zufällig vorbei“, sagt David Klob. Der oder die Täter müssten Ortskenntnisse gehabt oder die Teiche ausgekundschaftet haben.
Und sie müssen mit einem geländegängigen Fahrzeug angerückt sein, denn die Waldwege sind jetzt, im Herbst, durch das Laub und die Feuchtigkeit sehr glitschig. Ein vierradgetriebenes Fahrzeug ist erforderlich, wenn große Mengen Fisch abtransportiert werden sollen.
„Es gibt sicherlich Menschen, die große Gefriertruhen haben und die Fische nach und nach verkaufen“, mutmaßt David Klob. Doch auch das Betäuben der Tiere mit elektrischem Strom hält er für möglich, denn dann könnten die lebenden Fische später in anderen Teichen wieder eingesetzt werden.
Polizei geht von ortskundigen Tätern aus
Polizeihauptkommissar Ronny Beck von der Polizeistation Bad Staffelstein geht ebenfalls von ortskundigen Tätern aus. Die Aufzeichnungen der beiden Wildkameras würden derzeit noch ausgewertet.
Inzwischen ermittelt die Polizei in einem weiteren Fall von Fischdiebstahl aus einem Teich bei Kaider. Ein 62-jähriger Teichbesitzer musste wenige Tage nach dem ersten Coup feststellen, dass auch sein Gewässer von Fischdieben heimgesucht wurde. Insgesamt fehlen daraus 500 Fische im Wert von rund 2200 Euro.
Der Eigentümer von David Klobs Teich aus Bad Staffelstein, der ungenannt bleiben möchte, hatte das Gelände vor einigen Jahren von einer alteingesessenen Staffelsteiner Familie erworben. Diese Familie wiederum hatte die Teiche verkauft, weil schon damals öfters Fische aus den abgelegenen Gewässern gestohlen wurden.
Nachtwache an den Teichen
Ein weiterer Pächter aus einem Staffelsteiner Stadtteil erinnert sich ebenfalls, dass dort in der Vergangenheit schon öfters Fische gestohlen wurden. Er selbst habe daraufhin bereits Wache gehalten und an den Teichen übernachtet.
Helmut Wagner aus Kaider sagt, dass im Ort niemand verdächtige Fahrzeuge gesehen habe. Es sei jedoch denkbar, dass die Täter von oben, aus Kümmersreuth, über einen anderen Forstweg zu den im Wald versteckten Teichen gelangten.
Fische bekommen nun kleine Peilsender
Ob David Klob noch einmal Fische in seinen Teich einsetzen werde, wollen wir wissen. Er überlegt kurz und antwortet: „Wahrscheinlich schon.“ Er denkt aber darüber nach, einigen Tieren kleine Peilsender unter die Schuppen zu klemmen. Bei Stören sei das gut möglich, ohne ihnen Schmerz zuzufügen. Dann könnte man künftig per GPS-Tracker verfolgen, wohin die Fische gebracht werden.











