Fasching
Bad Staffelstein ist in Narrenhand
Attacke! Der Sturm aufs Rathaus beginnt um 11 Uhr 11.
Attacke! Der Sturm aufs Rathaus beginnt um 11 Uhr 11.
Foto: Werner Dienfenthal
F-Signet von Werner Diefenthal Fränkischer Tag
Bad Staffelstein – Die Narren erobern das Rathaus und setzen den Ersten Bürgermeister ab.

Jede Gegenwehr war vergeblich. Pünktlich um 11.11 Uhr wurde das Rathaus von den Narren gestürmt. Zwar versuchte der Bürgermeister der Stadt Bad Staffelstein, Mario Schönwald, heroisch und unter Einsatz seines Lebens noch das Schlimmste zu verhindern, doch als man drohte, sich an den Rathaustüren festzukleben, gab er nach und überreichte den Schlüssel, begleitet von lautstarkem „SKK RA-RA-RA“, den zum Rathaussturm erschienen Narren samt Gefolge. Nach der Corona-bedingten Verlegung in den Außenbereich im vergangenen Jahr drangen die narre heuer wieder ins Innere des Rathauses ein.

„Wir haben ihn!“ SKK-Präsident Matthias Graß hat die Herausgabe des Rathausschlüssels von Bürgermeister Mario Schönwald (rechts) erreicht.
„Wir haben ihn!“ SKK-Präsident Matthias Graß hat die Herausgabe des Rathausschlüssels von Bürgermeister Mario Schönwald (rechts) erreicht.
Foto: Werner Diefenthal.

So wurde dann auch der Rathaussaal kurzerhand zur Narrenzentrale und die zahlreich erschienen Gäste hatten sichtlich ihren Spaß, vor allem, als der nunmehr Ex-Bürgermeister den Schlachtruf nicht korrekt intonieren konnte. Mit dem Hinweis vom Präsidenten Matthias Graß „Letztes Jahr war er der neue Bürgermeister, da haben wir ihn noch geschont. Doch in diesem Jahr ziehen wir die Zügel an“, wurde Mario Schönwald bewusst, dass ihm wohl eine schwere Zeit bevorsteht. Doch er wurde getröstet: „Heute kriegt fast jeder sein Fett ab.“

Musicals als Motto

Doch vorher bekam er den Sessionsorden und, gemäß dem diesjährigen Motto „The Night of Musicals“ und da er vom Löwental stammt, eine Kopfbedeckung aus „Der König der Löwen.“

Als besondere Überraschung durfte er noch eine Krönung vornehmen, genau genommen sogar zwei. Unter großem Beifall betraten die frisch gewählten „Därme(n)königinnen den Saal, stil- und geschmackvoll in ihrem „Därme(n)ornat“ gekleidet

Die gekrönten „Därme(n)königinnen“ Elfriede I. (rechts) und Roswitha II. mit dem abgesetzten Bürgermeister Mario Schönwald.
Die gekrönten „Därme(n)königinnen“ Elfriede I. (rechts) und Roswitha II. mit dem abgesetzten Bürgermeister Mario Schönwald.
Foto: Werner Diefenthal

„Normalerweise musst du ja immer die Krone abnehmen und der Landrat setzt die neue auf. Heute darfst du direkt zweimal krönen – und du darfst auch beide küssen“, ermunterte ihn Matthias Graß. So setzte Mario Schönwald den beiden Majestäten die Kronen auf die Häupter, passend zum Motto erhielt Elfriede I. eine Saublase und Roswita II. einen Wurstringel.

Narren setzen neue Stadtverordnung ein

In der neuen Stadtverordnung, die verlesen wurde und, zumindest theoretisch,, 103 Tage lang Gültigkeit hat ist unter anderem festgelegt, dass die Faschingszeit bis auf weiteres unbefristet verlängert würde. Ausschlaggebend sei dafür das Gebaren der Bundesregierung, welches eine einzige Narretei darstelle. Ferner würde zur Verhinderung von Leerständen verfügt, dass die Mundschänke leere Gläser immer unverzüglich nachzufüllen haben. Gerade dieser Passus stieß auf allgemeine Zustimmung. Natürlich würden alle Geschäfte, Gaststätten und Cafés mit edlen Vorhängen und Bodenbelägen ausgestattet, ferner sollen für alle Gäste rote Teppiche ausgerollt werden.

Sekt und Kanapees zur Begrüßung

Zur Begrüßung würden dann Sekt und Kanapees gereicht, nicht zu verwechseln mit Cannabis, das ja wohl demnächst legalisiert werden solle. Der Begriff „Hasch mich“ würde wohl in Berlin zu wörtlich genommen. Die Keltenbox solle nach dem drei Jahre gültigen Kooperationsvertrag in ein Musical-Haus umgebaut werden, gemäß des diesjährigen Mottos. Denn „die Standortfrage im Stadtrat war bereits ein Schauspiel“.

Bratwurstskandal in Coburg

Mottogerecht ging es weiter, denn da der Erste Bürgermeister aus Uetzing sei, habe er doch gelernt, dass es auch „hinter dem Horizont“ weiter gehe. Süffisant wurde ein Skandal im benachbarten Coburg aufgedeckt. Dieser betraf die Bratwürste, denn bei einem Fest zu Pfingsten war es einem Staffelsteiner Metzger erlaubt worden, seine Bratwürste dort anzubieten, was für viele Einheimische skandalös war. Unklar blieb, ob die Brötla katholisch, also quer, oder aber wie in Coburg üblich evangelisch, also von oben aufgeschnitten wurden.

Was nun folgte, war so weder geplant noch abgesprochen. Eingangs wurde dem Pressevertreter schon signalisiert, man würde sich noch mit ihm befassen. Doch entwickelte sich ein Dialog, der die Besucher zu regelrechten Lachstürmen hinriss. Matthias Graß hatte sichtlich Spaß daran, dieses Duell führen zu können.

Ehrungen und Sonderorden

Nach den Ehrungen für elfjährige Mitgliedschaft für Michael Hellmuth und Heike Alin sowie der Verleihung eines Sonderordens an Karin Hellmuth und Sandra Döppmann, welche sich während der Corona-Zeit besondere Verdienste erworben haben, näherte sich die Veranstaltung dem Ende. Einen besonderen Schnitzer leistete sich der Vorsitzende am Schluss. Er wies auf den SKK-Ball hin, der am 28. Januar 2022 stattfinden solle, was zu lautstarken Protesten führte, denn tatsächlich war der 28. Januar 2023 gemeint. Durch die „Därme(n)königinnen wurden kleine Gelbwürste verteilt und das Gelbwurstlied gesungen. Einig war man sich, dass diese Veranstaltung rundum gut gelungen und äußerst humorvoll war. Und so konnte am Ende der, nunmehr Ex-Bürgermeister, auch den Schlachtruf der Bad Staffelsteiner Narren anstimmen. In diesem Sinne: SKK RA RA RA!

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen:
Inhalt teilen

Oder kopieren Sie den Link: