Rathaussturm
Piratenmeute enterte das Rathaus
Ab jetzt war für das Rathaus alles verloren - eine Piratin schnappte sich den Schlüssel und bald folgte die Kapitulation des Rathauses.
Ab jetzt war für das Rathaus alles verloren - eine Piratin schnappte sich den Schlüssel und bald folgte die Kapitulation des Rathauses.
Foto: Markus Häggberg
F-Signet von Markus Häggberg Fränkischer Tag
Lichtenfels – Mit Säbeln und Schlagern verschafften sich die Narren die Regierungsgewalt.

Das war’s, aus ist’s. Die Vernunft hat im Rathaus nichts mehr zu melden. Zumindest seit dem 11.11. ab 11.11 Uhr und wenn es nach den „Reundorfer Maapiraten“ geht. Jahr um Jahr nimmt diese Faschingstruppe mit Theateraktivitäten das Rathaus ins Visier. Unter Beifall und reichlich Böllerschüssen. Alles klar zum Entern!

Dem Piraten Jan Haffner ergab sich der historische Sitzungssaal, und bald proklamierte er ziemlich närrische Gesetze.
Dem Piraten Jan Haffner ergab sich der historische Sitzungssaal, und bald proklamierte er ziemlich närrische Gesetze.
Foto: Markus Häggberg

So gegen 10.30 Uhr zog der Tross der Piraten von Nordwesten kommend durch das Untere Tor heran. Bald standen sie, zwölf, 13 Mann stark, vor dem Rathaus. Doch was heißt hier „Mann“? Der Anteil an Frauen ist bei den Reundorfer Piraten erstaunlich hoch. Und so bestand die Crew, die unter der Schaulust der Passanten und bei allerlei Piratenschlagern aus dem Lautsprecher tanzend Säbel und Pistolen schwangen, aus nahezu ebenso vielen grimmig-lustigen Piratenamazonen wie Piraten. Aber die sahen gemeinsam jetzt kurz vor 11.11 Uhr hinauf zum ersten Stock des Rathauses, wo sich Stadträte mitsamt Zweiter Bürgermeisterin Sabine Rießner versammelten, um nach unten zu feixen und nun ihrerseits launig zum Rathaussturm anzustacheln.

Mit derlei verscheuchen Winzer Stare: eine Böllerkanone, ziemlich laut und etwas über kniehoch.
Mit derlei verscheuchen Winzer Stare: eine Böllerkanone, ziemlich laut und etwas über kniehoch.
Foto: Markus Häggberg

Von unten erklangen die martialischen Aufforderungen, den Schlüssel zum Rathaus freizugeben, Rießner aber ließ den Schlüssel an einem Seil für lange Zeit nur so weit herab, dass er als Objekt der Begierde unerreichbarer von links nach rechts pendelte. Doch irgendwann näherten sich die Piraten mit Anlauf, nahmen eine Piratin (Melanie Franke) auf die Schultern und die griff beherzt zu. Was folgte, war eine Art Kapitulation, denn wenig später erschien Pirat Jan Haffner am Fenster und erklärte den Rat für abgelöst.

Piraten stellten neue Gesetze auf

Mehr noch, der Mann stellte 11,11 neue Gesetze auf: Paragraf 1 – „Der Narr hat recht.“ Oder: Paragraf 2 – „Den Weisungen von Maapiraten-Commander Klaus Fischer und seiner Crew ist unbedingt Folge zu leisten.“ Dazu wurde launig verfügt, dass bis Aschermittwoch in Lichtenfels „Feiertag sei“. Am interessantesten, weil mit schwersten Folgen behaftet, dürfte aber der zehnte Paragraf sein: „Wer sich während der Feiertage prügelt oder sich randalierend durch die Stadt bewegt, wird für den Rest seines kümmerlichen Daseins nach Thüringen gebracht.“

Damit die Piraten, die schon mit reichlich lauten Böllerschüssen aus einer dem Ordnungsamt vertrauten Böllerkanone martialisch auftraten, nicht etwa allzu schwere Plünderungsschäden hinterlassen, sorgte man seitens des Rathauses vor. Zur Beschwichtigung wurde Sekt eingeschenkt und es warteten auch schon reichlich Faschingskrapfen. Eine Tradition, die reichlich neu ist, die sich die Piraten aber künftig gefallen lassen dürften.

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