Brauereisaal
Loffelder Fasching : „Es soll roten Pressack regnen“
Beratung statt Krisensitzung: Wenn eine Person durch die Kirche etwas „Zuwendung“ erfährt, dann ist es wieviel Euro wert ...?
Beratung statt Krisensitzung: Wenn eine Person durch die Kirche etwas „Zuwendung“ erfährt, dann ist es wieviel Euro wert ...?
Monika Schütz
F-Signet von Monika Schütz Fränkischer Tag
Loffeld – Lachen bis zum Schluss – in Loffeld hat das Totale Bamberger Cabarett es wieder krachen lassen. Doch gab es auch eine Abschiedsträne zu verdrücken.

Schon lange vor Beginn um 20 Uhr war der urige Brauereisaal in Loffeld restlos gefüllt. Ob die Zuschauer da schon wussten, dass eines der Urgesteine die Gruppe TBC verlässt?

Auf seiner Internetseite hatte das Trio neben den restlichen Terminen der Spielzeit bis März noch keinen Hinweis gepostet. Dennoch sickerte durch, dass es Michael A. Tomis sei.

Tomis spielt seit elf Jahren den Pfarrer, den Metzger, er singt, musiziert und tanzt in den verschiedensten Rollen. Seine Sketche sind unvergessen, seine Rammsteinparodie auf den 1950er Schlager „Knallrotes Gummiboot“ eine unglaubliche Inszenierung und seine Stimmenimitation von Grönemeyer und Lindenberg sucht seinesgleichen.

Abschied mit Humor

Tomis stieß als „Ablösung“ von Helmut Vorndran zur Gruppe. Da hatte der „Preuße“ Georg Koeniger schon den Platz von Daniel Schmidt eingenommen und Florian Hoffmann den von Mäc Härder. 1986 wurde TBC mit Vorndran, Schmidt und Mäc Härder richtig bekannt.

„Wenn du gehst, haben wir wieder mehr Platz auf der Bühne“, stichelte Florian und blickte auf Tomis’ Bäuchlein. „Der Neue ist genau so wie ich“, konterte der.

Auch das Publikum kriegt was ab

„Als TBC zum ersten Mal eine Bühne betrat, gab es noch Wählscheibentelefone, vierstellige Postleitzahlen – und die Oberpfalz wurde gerade ans Stromnetz angeschlossen“, rief er die Zeit Ende der 1980er in Erinnerung. Das Publikum lacht herzhaft.

„Hallo? Was will man von so einem Pulikum im unteren Preissegment erwarten? Seien Sie froh, dass es keine Oberpfälzer sind!“
„Hallo? Was will man von so einem Pulikum im unteren Preissegment erwarten? Seien Sie froh, dass es keine Oberpfälzer sind!“
Monika Schütz

Eigentlich hätte es auch beleidigt sein können: Gleich im ersten Sketch des Abends wurde es noch als „naja, was willst im unteren Preissegment schon erwarten“ bezeichnet.

Corona war eine harte Zeit

„Ich mag sie alle drei, die Jungs“, grinste Tanja Dowerg vom Organisationsteam. „Ausverkauft“ – genau das ist es, worauf viele Künstler und Veranstalter seit langem gewartet hätten.

„Im Herbst haben wir teils vor halbvollen Sälen gespielt“, denkt Michael A. Tomis einige Monate zurück. Die Leute hätten Angst vor Corona gehabt, seien vielleicht selbst erkrankt oder wollten ihr Geld sparen, mutmaßt der Künstler.

Der wahre Grund des Ausstiegs

Dass Tomis selbst auch schwer an Corona erkrankt war, erzählt er schon zu Beginn der mehr als zweistündigen Veranstaltung. Auch, dass er unter Long Covid leide und vielleicht mal zum Husten die Bühne verlassen müsste. Das war kein Scherz. „Dann spielen wir halt lauter“, beruhigte Georg die Gäste.

Ob das der Grund ist, das Erfolgstrio TBC (Totales Bamberger Cabarett) zu verlassen? „Nein, ich muss jetzt endlich das Bordell meines Vaters übernehmen“, erklärte Tomis. Er überzeugt mit seiner Mimik.

Es soll roten Pressack regnen

Die drei Kabarettisten brauchen nicht viel an Requisiten oder gar Dekoration. Ein Tisch, drei Stühle, das reicht. Hier spielen sie die Höhepunkte der letzten 35 Jahre TBC. „Bevor wir’s vergessen“ heißt das Programm – ein Garant für Lachsalven aus dem Publikum, Zwischenapplaus und Kurzweil.

Der Metzger-Song, alias Hildegard Knef: „Für mich soll’s roten Pressack regnen“
Der Metzger-Song, alias Hildegard Knef: „Für mich soll’s roten Pressack regnen“
Monika Schütz

Bei den größten Lachnummern darf natürlich der Metzger-Song nicht fehlen. Hildegard Knefs Chanson „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ wurde umgetextet in „Für mich soll’s roten Pressack regnen“.

Die Entstehung der Oberpfalz

Als kompletter Wahnsinn erwies sich die Schöpfungs-Baustelle mit Petrus und Gott. Problem: Der Staffelberg ist mit 8000 Metern zu hoch geworden. Er muss rückgebaut werden. Ergibt sich die Frage: Wohin mit dem Bauschutt?

Schöpfungsbaustelle: Petrus (l.)  zu Gott : „Wir haben da ein Problem …“
Schöpfungsbaustelle: Petrus (l.) zu Gott : „Wir haben da ein Problem …“
Monika Schütz

Petrus’ Idee ist einfach: Wegschaffen, Zaun drum und schon haben wir die Oberpfalz geschaffen. Das Publikum johlt mittlerweile, Tomis lobt es stolz: „Ihr seid eines der sympathischsten Publikumse!“

Georg, Preuße aus NRW, kommt da nicht mit. Der gebürtige Münsteraner hat schon Schwierigkeiten, die Uhrzeit zu erkennen, wenn ihm ein Franke die Zahl „viertel zwölf“ nennt.

Das Publikum ist begeistert

Leider sind viele Nummern noch heute aktuell, etwa der Missbrauch und die Zahlungen der Kirche an die Opfer oder der rüde Umgangston der Parlamentarier. Und auch die Warnung für Reisende kann nicht oft genug wiederholt werden: „Fahren Sie nicht in die Oberpfalz! Dort gibt es soviel Inzucht, dort sind manche Leute sogar ihr eigener Vater.“

Zweieinhalb Stunden später und nach mehreren Zugaben lassen die drei Künstler ein begeistertes Publikum zurück. Viele sind von weit her gekommen, ein Autokennzeichen aus der Oberpfalz wurde allerdings nicht gesichtet.

Eine Frage blieb für Michael Tomis schließlich offen: „Wie gendert man herrenloses Damenfahrrad?“

 

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