0
Lifestyle
Staffelsteiner Thermenkönigin: Krone und Tattoo
Vanessa I. bei ihrer Inthronisierung im September zusammen mit Landrat Christian Meißner, der sie krönte.
Vanessa I. bei ihrer Inthronisierung im September zusammen mit Landrat Christian Meißner, der sie krönte. // promedia/Rosi Jörig
Nach dieser Vorlage ließ Vanessa sich ein Tattoo stechen.
Nach dieser Vorlage ließ Vanessa sich ein Tattoo stechen. // Heike Erhard
Bad Staffelstein – Die neue Staffelsteiner Thermenkönigin Vanessa ist die erste, die Tattoos hat. Sie verrät uns, was ihre Tattoos zu bedeuten haben.

Schon beim Stechen ihres ersten Tattoos im Alter von 19 Jahren war Vanessa klar, dass weitere hinzukommen werden. „Ich finde das ästhetisch und cool“, sagt die 27-Jährige über die zahlreichen Tätowierungen, die ihren Körper zieren. Viele der Bilder gehen ineinander über. In der Fachsprache wird das Sleeves genannt. Das englische Wort für Ärmel bezeichnet tätowierte Bilder, die einen Arm oder ein Bein mit meist mehreren Motiven umhüllen – eben wie ein Ärmel Vanessas rechten Arm.

„Die meisten meiner Tattoos kann ich ziemlich gut verstecken“, sagt die neue Thermenkönigin und meint jene an Bauch, Rücken und den Oberschenkeln. Dabei hat sie ein Faible für Tierdarstellungen und für Embleme aus der nordischen Mythologie. Ein Wolf und ein Hirsch sind auf ihrem rechten Arm zu sehen, ein Schmetterling auf ihrem Rücken und ein Pegasus auf einem Oberschenkel. „Ich such’ meine Tattoos gewissenhaft aus, weil mir bewusst ist, dass ich sie ein Lebenlang haben werde“, sagt sie. Namen von Lebensabschnittsgefährten seien aus diesem Grund unüberlegt und scheiden ihrer Meinung nach aus. Dafür trägt sie aber die Namen ihrer Eltern und ihres Bruders in Runenschrift auf der Haut.

Keine Allerweltsmotive

„Ich mag es nicht, wenn es Mainstream ist, wenn es Motive sind, die jeder hat“, ergänzt sie. Deshalb sieht sie sich stets vor dem Stechen eines neuen Tattoos die Arbeiten eines Tätowierers im Internet an oder besucht sein Studio, um sich vor Ort zu informieren. Vanessa sagt, sie bevorzuge realistische Motive, die so filigran gestochen sind, dass sie einem Schwarzweißfoto ähneln. Fast alle ihre Tattoos sind in Schwarzweiß, nur an der Schulter trägt sie das Bild eines roten Herzdiamanten.

Bilder sollen miteinander harmonieren

Natürlich ist es Geschmackssache, welche Motive sie auswählt – etwa eine Rosenranke, die sich über die Außenseite ihres Bauchs schnörkelt. Die Motive sollten aber unbedingt miteinander harmonieren. „Ein Pharao, ein Hirsch und chinesische Schriftzeichen würden nicht zusammenpassen“, urteilt sie.

Das Bild des Schmetterlings zwischen ihren Schulterblättern ist der Gattung Vanessa nachempfunden. Zu dieser Edelfaltergattung mit rund 20 Arten gehört zum Beispiel der in Mitteleuropa vorkommende Admiral (Vanessa atalanta). Der Wolf, fährt sie fort, habe die mythologische Bedeutung eines Krafttiers. Und weil sie sich sehr für die nordische Sagenwelt interessiere, habe sie sich diese Wolfsmotiv stechen lassen. In diesem Kontext sei auch der mit Runen verzierte nordische Kompass zu sehen, der ihren Arm schmückt.

Ein philosophischer Spruch

Auf einem Oberschenkel trägt Vanessa einen Satz von Chief Dan George, einem Häuptling der Tsleil-Waututh-Nation (Ureinwohner Kanadas): „May the stars carry your sadness away, / May the flowers fill your heart with beauty, / May hope forever wipe away your tears, / And, above all, may silence make you strong.“ (Mögen die Sterne deine Traurigkeit hinwegtragen, / Mögen die Blumen dein Herz mit Schönheit füllen, / Möge die Hoffnung für immer deine Tränen wegwischen, / Und vor allem möge die Stille dich stark machen.) Ist das ein Lebensmotto? „Der Spruch hat mich gepackt, weil er auf die Situation passte“, sagt Vanessa.

Ein anderer Satz, der ihr buchstäblich unter die Haut geht, lautet: „Quit livin’ on dreams – life is not what it seems“ (Hör auf, von Träumen zu leben – das Leben ist nicht so, wie es scheint). Diese Zeile stammt aus dem Song „Jeanny“ von Falco. Vanessa: „Als ich das hörte, sagte ich: das isses!“

Eltern stehen hinter ihr

Vanessas Eltern finden es voll in Ordnung, dass ihre Tochter sich Tattoos stechen lässt. Mutter Birgit möchte sich zwar keine Tätowierung zulegen („weil’s weh tut!“), doch ihr Vater Georg hat selbst ein kleines Tattoo – einen heulenden Wolf im Mondlicht.

Aber wie weh tut es eigentlich, sich ein Bild oder einen Sinnspruch auf die Haut brennen zu lassen? „Ja, es tut schon weh“, antwortet Vanessa, aber es komme auf die Sensitivität der jeweiligen Körperstelle an. Viel empfindlicher als die Außenseite eines Oberarmes sei dessen Innenseite, ergänzt sie. Das Stechen eines filigranen Spruchs sei nicht so schmerzhaft wie das eines schattierten Bildes.

Viele positive Rückmeldungen

In der kurzen Zeit seit ihrer Inthronisation als Thermenkönigin hat sie fast nur positives Feedback bekommen, was ihre Tattoos betrifft: „Die meisten Leute fanden es cool, weil es etwas Frisches reinbringt.“ Beim Casting spielte sie mit offenen Karten, denn der tätowierte rechte Arm blieb ja unbedeckt. Die Jury hat sich offenbar damit arrangiert, dass der Zeitgeist eine Tätowierung heute anders beurteilt als früher.

Im Jahr 2006 war erstmals eine Staffelsteiner Thermenkönigin inthronisiert worden. Vanessa ist nun die erste Trägerin dieses Titels, die offensichtliche Tattoos besitzt.

Inhalt teilen
  • kopiert!