0
Plan für die Wärmewende
Ohne Öl und Gas? Wie Altenkunstadt künftig heizen soll
GR Altenkunstadt
In Biomethan steckt ein wichtiges Potential zur Wärmversorgung Altenkunstadt. Die Biogasanlage in Prügel allein reicht dazu nicht aus. Es braucht einen Verbund aus mehreren Anlagen im Landkreis Lichtenfels. // Stephan Stöckel
Signet des Fränkischen Tags von Stephan Stöckel
Altenkunstadt – Altenkunstadts neue Wärmeplanung überrascht mit strategischem Ansatz. Kommunale Unterstützung spielt hier eine entscheidende Rolle.

Deutschland will bis zum Jahr 2045 klimaneutral werden. Eine Schlüsselrolle spielen hierbei die Kommunen. Auch die Gemeinde Altenkunstadt kam ihrer Verpflichtung nach. Einstimmig beschloss der Gemeinderat eine kommunale Wärmeplanung (KWP). 

Das Schriftstück zeigt den aktuellen Wärmebedarf, die bestehenden Versorgungsstrukturen und die lokal verfügbaren Potenziale für eine treibhausgasarme Wärmebereitstellung auf. Für Bürgermeister Stefan Deuerling von der Freien Wähler Gemeinschaft (FWG) ist die KWP ein wichtiger Baustein für die zukünftige Entwicklung der Gemeinde. 

200-Seiten-Schriftstück

Zugleich stellte er fest: „Es gibt keine Pflicht für die Bürgerinnen und Bürger, jetzt Heizungen auszutauschen. Es handelt sich um ein strategisches Planungsinstrument und um keine sofortige Umsetzung von Maßnahmen.“ Die KWP schaffe Orientierung für Gemeinde, Bürger und Energieversorger und bilde die Grundlage für zukünftige Entscheidungen und mögliche Förderprogramme, so Deuerling.

Erstellt wurde das 202 Seiten umfassende Dokument vom Hofer Fachbüro GI Smart Solutions GmbH. Projektmanager Matthias Kreuzer, unterstützt von Geschäftsführer Harald Ley, stellte es dem Gremium vor. 

 8,6 Gigawattstunden Wärme im Jahr 

Neben dem eigentlichen Plan wurden auch vier Gebietssteckbriefe erstellt. Dabei handelt es sich um Fokusgebiete für eine Wärmewendestrategie. Die Bestandsanalyse hatte ergeben, dass derzeit Erdgas und Erdöl dominieren. Den jährlichen Wärmebedarf für ganz Altenkunstadt bezifferte Kreuzer auf 85,5 Gigawattstunden, den jährlichen Strombedarf auf 15,1 Gigawattstunden und die -Emissionen im Jahr auf 34.000 Tonnen. Die jährlichen Energiekosten belaufen sich für Wärme auf 9,2 Millionen Euro und für Strom auf 8,6 Millionen Euro.

Welche Energieträger kommen zukünftig für Altenkunstadt in Frage? Wärmepumpen eigneten sich vor allem für Gebäude jüngeren Datums, so Kreuzer. Ein Potenzial sieht der Fachmann auch für Biomethan, also aufbereitetes Biogas. In der Biogasanlage Prügel wird seinen Worten zufolge 8,6 Gigawattstunden Wärme im Jahr produziert.

Flussthermie: eine weitere Wärmequelle

 Die Anlage allein reiche nicht aus, um Altenkunstadt mit Biogas zu versorgen, sagte Geschäftsführer Harald Ley auf Nachfrage von Hans-Werner Schuster (CSU). „Hierzu benötigt man mehrere Anlagen im Landkreis Lichtenfels, die man zu einem großen Verbund mit sternförmig verlegten Leitungen zusammenlegen muss“, meinte der Redner, der einen solchen Verbund befürwortete. 

Er würde nicht nur für eine preisliche Stabilität, sondern auch dafür sorgen, dass die Wertschöpfung in der Region verbleibe. Kreuzer ergänzte, dass die bestehenden Erdgasleitungen auch für Biomethan genutzt werden könnten. Als mögliche Akteure für ein 19,3 Kilometer langes Biomethannetz, das einen Wärmebedarf von 23,5 Gigawattstunden pro Jahr decke und mit dem sich 265 Gebäude in Altenkunstadt, 113 in Baiersdorf, 51 in Prügel und 68 in Maineck versorgen ließen, sehen die zwei Experten Bayernwerk und das Regionalwerk Obermain. Als weitere wichtige Wärmequellen neben der Wärmepumpe und dem Biomethan nannte Kreuzer die Flussthermie, die tiefe Erdwärme und das Holz. Strom lasse sich vor allem aus Photovoltaik und Wasserkraft erzeugen.

Inhalt teilen
  • kopiert!