Justiz
Stalker lebt in seiner Scheinwelt
Ein 37-Jähriger musste sich vor dem Amtsgericht Lichtenfels verantworten.
Ein 37-Jähriger musste sich vor dem Amtsgericht Lichtenfels verantworten.
Volker Hartmann /dpa
F-Signet von Markus Häggberg Fränkischer Tag
Lichtenfels – Ein Mann stellte seiner Ex-Freundin nach und wird vom Gericht in Lichtenfels wegen Stalkings verurteilt

„Das Verfahren wird wieder aufgerollt“, erklärte ein angefressener Verurteilter gegenüber Richter Matthias Huber. In einem Verfahren um Nachstellung, bei dem der Angeklagte einer Frau zusetzte, zeigte sich dieser sehr oft sehr uneinsichtig.

Dass er „in einer Scheinwelt“ lebe, suchte Richter Huber im Saal 14 des Amtsgerichts einem Lichtenfelser beizubringen: Der suchte immer wieder Kontakt zu einer Frau aus der Landkreismitte, die mit ihm eine kurze Affäre hatte, sich aber im April 2020 gegen ihn entschied.

Auf allen Kanälen präsent

Das konnte der Angeklagte weder akzeptieren noch tolerieren. Vom Zeitpunkt der Trennung an suchte der 37-Jährige oftmals Kontakt aufzunehmen, schrieb SMS, suchte die Frau sogar unangemeldet daheim auf, warf ihr Briefe in den Postkasten, änderte seine Telefonnummer, um auf diese Weise nicht blockiert werden zu können, sang einmal gar ein obszönes Lied und blieb bis zum März dieses Jahres hinweg lästig.

Es war eine dementsprechend lange Anklageschrift, die Staatsanwältin Maike Sattler wegen Nachstellung gegen ihn verlas. Tatsächlich wurde gegen den Mann auch schon ein Kontaktverbot ausgesprochen.

Angeblich von der Trennung nichts gewusst

Doch den 37-Jährigen focht das nicht an. Während der Verhandlung zeigte er sich von einer Frage beherrscht: „Ich weiß nicht, wann, wie und wo meine Ex-Freundin Schluss gemacht hat.“

Richter Huber entgegnete ihm darauf, dass das letztlich keine Rolle spiele und die Frau nicht verpflichtet sei, mit ihm eine Beziehung zu führen.

Dann wurde Huber im Ton etwas schärfer. „Ist das richtig, was da drin (in der Anklage) steht, oder müssen wir die Frau befragen?“ Huber suchte eine Begegnung zwischen den beiden Parteien zu vermeiden, doch der Angeklagte sah das anders: „Ja, klar müssen wir sie befragen.“

Als die in den Zeugenstand tretende 33-Jährige den Saal unter Beistand ihrer Mutter betrat, würdigte sie den Angeklagten kaum eines Blickes.

Doch was sie – mitunter den Tränen nahe – über sich selbst erzählte, sollte betroffen machen. Schlafstörungen, akute Belastungsstörungen, ärztliche Hilfe, eingeschränkte berufliche Leistungsfähigkeit und eine in ihr gewachsene Scheu unter Menschen zu gehen – das alles seien die Auswirkungen all der Nachstellungen. „Er hat meine Telefonnummer weitergegeben an Leute, die ich nicht kenne (…) und ich habe von ihm einen Brief bekommen, darin stand, ’ich müsste meine Mauern niederreißen’“, so die Frau weiter.

Angeklagter spielt Belustigten

Während ihrer Angaben wirkte der Angeklagte selbst teilweise belustigt und zeitweise sollte er sich als Opfer gerieren. Kurz vor dem Plädoyer der Staatsanwältin gab der Mann in Richtung Richter Huber sprechend Ausblick auf sein weiteres geplantes Vorgehen: „Ich werde mir einen Anwalt suchen, sofern das hier mit uns nicht funktioniert und dann sehen wir uns halt wieder, nä?!“

Für Staatsanwältin Sattler war der Fall klar, sie forderte eine Geldstrafe von 5500 Euro.

Doch Richter Huber sollte mit seinem Urteil einen anderen Blick auf die Sache werfen. Er ging davon aus, dass der Angeklagte in einer Scheinwelt lebt und verhängte gegen den bis dato nur einmal mit dem Gesetz in Konflikt geratenen Mann eine achtmonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung. Grund: „Weil durch eine Geldstrafe lassen Sie sich nicht abschrecken!“ Und weiter führte Huber aus: „Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass man die Frau vor Ihnen schützt.“

Fünf Jahre Bewährungszeit

Falls der Verurteilte nun erneut Nachstellungen betreiben sollte, wird er gegen die Bewährung verstoßen und läuft Gefahr, einsitzen zu müssen. Auf fünf Jahre wurde die Bewährungszeit festgelegt, wobei drei Jahre ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt ist. Darüber hinaus wurde eine Bewährungsauflage in Höhe von 1500 Euro festgelegt.

Der Verurteilte nahm das, den Richter angrinsend, zur Kenntnis und dieser konterte: „Da können Sie mich angrinsen, wie Sie wollen.“

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