Holocaust
„Züge in den Tod“: die Opfer vom Obermain
Blick in die Ausstellung im April 2022
Blick in die Ausstellung im April 2022
Foto: Stadt Lichtenfels
F-Signet von Redaktion Fränkischer Tag
Lichtenfels – „Züge in den Tod“: Die Ausstellung in Lichtenfels präsentiert neue Biografien deportierter ehemaliger jüdischer Mitbürger.

Die Ausstellung „Da49, Da512 – Züge in den Tod“, die bereits im April dieses Jahres in der ehemaligen Synagoge Lichtenfels gezeigt wurde, ist ab 2. September, erweitert um die Biografien der Opfer aus Kronach, erneut in der ehemaligen Synagoge zu sehen.

Die Ausstellung vergegenwärtigt 80 Jahre nach ihrer Deportation die Lebensgeschichten von 64 Jüdinnen und Juden aus der Region des Oberen Mains und ihren Weg in den Tod. Die 64 stammten aus Lichtenfels, Altenkunstadt, Burgkunstadt, Coburg, Kronach und Kulmbach.

Dem Holocaust, dem Völkermord der Nationalsozialisten an den europäischen Juden, fielen insgesamt 5,6 bis 6,3 Millionen Menschen zum Opfer.

Nachdem im Herbst 1941 eine erste Deportationsserie, unter anderem mit dem „Frankentransport“ nach Riga-Jungfernhof stattgefunden hatte, wurden in den Jahren 1942 und 1943 die noch verbliebenen Juden in Konzentrations- und Vernichtungslager im östlichen Mitteleuropa verschleppt und zum allergrößten Teil ermordet.

Dem Sonderzug „Da49“ wurden in Bamberg am 25. April 1942 Opfer aus Unter-, Ober- und Mittelfranken „zugeladen“ – 52 davon aus dem westlichen Oberfranken. Am Bamberger Bahnhof wurde der Zug zum rollenden KZ. Mit circa 1000 Deportationsopfern war er zu 140 Prozent überbelegt.

Gestapo machte Geschäft mit dem Fahrpreis der überbelegten Züge

Das Kürzel „Da“ war die Bahnkennung für „Deutsche Aussiedler“. Die Bahn berechnete der SS den normalen Fahrpreis von 4 Pfennig pro Person und Kilometer, gab aber bei mehr als 400 Personen 50 Prozent „Mengenrabatt“. Die Gestapo hatte sich das Geld von den Deportierten geholt, die für die Fahrt in ihren Tod 60 Reichsmark zahlen mussten.

Knapp vier Tage später erreichte der Zug Krasnystaw bei Lublin, von wo aus der Fußweg 17 Kilometer ins Transitghetto Krasniczyn führte. Vermutlich Anfang Juni 1942 ermordete die SS die oberfränkischen Opfer in den Gaskammern des Vernichtungslagers Sobibor.

Die Initiative zur Ausstellung geht zurück auf Gaby Schuller aus Coburg, die auch die Biografien der Deportierten aus Coburg recherchierte. Weiterhin maßgeblich beteiligt waren Christine Wittenbauer vom Stadtarchiv Lichtenfels sowie Manfred Brösamle-Lambrecht, Wolfgang Schoberth, Hubertus Habel und Christian Porzelt.

Ausstellungsort und -zeit: Ehemalige Synagoge Lichtenfels, Judengasse 12, vom 2. bis 12. September, Montag und Donnerstag 16 bis 19 Uhr, Freitag und Sonntag 14 bis 17 Uhr sowie zu Sonderöffnungszeiten für Gruppen nach telefonischer Vereinbarung unter Telefon 09571/795-134.

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