Hohe Preise
Solarflächen lohnen sich auch für Verpächter
Bei Unterzettlitz, unmittelbar neben der Bahntrasse, gibt es bereits einen kleinen Solarpark. Eine neue Photovoltaikfläche kommt  nun dort hinzu. Wo sich im Staffelsteiner Stadtgebiet Vorrangflächen für Photovoltaikanlagen  befinden, wurde vor ein...
Bei Unterzettlitz, unmittelbar neben der Bahntrasse, gibt es bereits einen kleinen Solarpark. Eine neue Photovoltaikfläche kommt nun dort hinzu. Wo sich im Staffelsteiner Stadtgebiet Vorrangflächen für Photovoltaikanlagen befinden, wurde vor einiger Zeit vom Umweltausschuss ermittelt und in einer Flächen-Matrix festgeschrieben.
Foto: Matthias Einwag
Matthias Einwag2 von Matthias Einwag Fränkischer Tag
Bad Staffelstein – Die Stadt Bad Staffelstein weist drei Flächen für neue Solarparks aus. Das Verpachten solcher Flächen ist für Grundstückseigentümer durchaus lukrativ.

Energieversorger machen sich inzwischen verstärkt Gedanken, wie drohende Engpässe vermieden werden können. Um unabhängiger von ausländischen Energielieferungen zu werden, müssen in Deutschland viele neue Anlagen zur Gewinnung regenerativer Energie errichtet werden. Der Staffelsteiner Stadtrat machte nun den Weg frei für drei Photovoltaik-Freiflächen – zwei befinden sich in der Nähe von Stadel im Banzgau, eine liegt bei Unterzettlitz.

Die Stadtwerke Bamberg möchten eine Freiflächenphotovoltaikanlage mit der Bezeichnung „Herrether Berg“ bei Stadel errichten, die 8,7 Hektar groß ist. Die Staffelsteiner Firma IBC Solar AG beantragte die Ausweisung einer 17,6 Hektar großen Photovoltaik-Freifläche mit dem Namen „Solarpark Stadel“ sowie eine weitere, zehn Hektar große Solarfreifläche unter der Bezeichnung „Solarpark Unterzettlitz“. Der Stadtrat votierte jeweils mit 17:3 Stimmen für die Ausweisung dieser Flächen.

Dabei befinden sich die Stadträte in einem Dilemma: Photovoltaik-Freiflächen passen nicht gut in die Urlaubs- und Freizeitregion am Obermain. Sie stören an vielen Orten, etwa im Maintal, wo sie vom Staffelberg aus nicht zu übersehen wären. Auch auf der Jura-Hochfläche sind diese Anlagen nicht unproblematisch – etwa bei Kümmersreuth, wo 2021 ein Solarpark abgelehnt wurde, weil er zu nahe an der Wohnbebauung sowie an einem Kelten-Wanderweg gelegen hätte.

Solarparks nur auf Anfrage

Die Nachbargemeinde Ebensfeld hat in den vergangenen Jahren zwischen Draisdorf und Eggenbach, versteckt hinter den Eierbergen, mehrere großflächige Photovoltaikanlagen ausgewiesen. Diesem Beispiel folgten die Staffelsteiner Räte nun, nachdem entsprechende Anfragen der Stadtwerke Bamberg und der IBC Solar AG vorlagen. Die drei neu ausgewiesenen Areale mit zusammen rund 36 Hektar seien, so der Tenor im Stadtrat, lediglich ein geringer Teil der insgesamt 5182 Hektar landwirtschaftlicher Fläche, die es auf dem Stadtgebiet gibt.

Lukrative Pachteinnahmen

Für Grundstückseigentümer ist es durchaus lukrativ, ihre Areale als Photovoltaikflächen zu verpachten. Während die jährliche Pacht einer landwirtschaftliche genutzten Fläche je nach Standort und Bodenqualität zwischen 70 und 450 Euro pro Hektar einbringt, liegt der Pachtzins bei der Nutzung als Solarpark weit höher. 3000 bis 4500 Euro und mehr sind üblich, wie die Recherchen dieser Zeitung ergaben. In Ausnahmefällen werden sogar bis zu 10 000 Euro pro Hektar bezahlt. Es liegt auf der Hand, dass bei solchen Preisen mehr und mehr Flächen der landwirtschaftlichen Nutzung und somit der Nahrungsmittelerzeugung entzogen werden.

Der Lichtenfelser Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV), Michael Bienlein, schlägt deshalb vor, sogenannte Agro-Photovoltaikanlagen zu errichten. Das sind Anlagen, deren Module auf hohen Stahlgerüsten angebracht sind, so dass ausgewachsene Rinder darunter weiden können. Der Flächenverbrauch wäre dadurch nicht so extrem, denn der Landwirtschaft würden nicht so viele Wiesen und Äcker entzogen. Es sei ein Anliegen der Landwirtschaft, solche Doppelnutzungen zu präferieren, sagt Bienlein. Seines Wissens gebe es derzeit noch keine solche Anlage im Kreis Lichtenfels.

Weismain weist keine neuen Flächen aus

„Mit der Photovoltaik sind wir schon so weit wie andere Kreise“, fügt er hinzu und verweist an die großflächigen Anlagen an der A 70 auf Weismainer Stadtgebiet. Deshalb habe der Weismainer Stadtrat vor wenigen Jahren den Grundsatzbeschluss gefasst, keine zusätzlichen Photovoltaikflächen mehr auszuweisen.

Eine weitere Möglichkeit wäre, mehr Biogasanlagen zu schaffen, in denen das Straßenbegleitgrün verarbeitet werden könnte, sagt Michael Bienlein. Mit solchen Feststoffbiogasanlagen lasse sich zugleich hochwertiger Dünger erzeugen. Das wäre unter dem Aspekt der jetzigen Düngerknappheit sehr wichtig im Hinblick auf die Nahrungsmittelversorgung.

Solarparks besser verteilen

Stadtrat Jürgen Hagel (CSU), der selbst im Banzgau wohnt und gegen die Anlagen stimmte, lehnt solche Freiflächen nicht grundsätzlich ab. Er möchte jedoch einen paritätischen Gleichklang haben, also eine gleichmäßige Verteilung solcher Flächen. Landwirte im Banzgau klagten schon jetzt darüber , dass sie kaum noch Flächen zur landwirtschaftlichen Nutzung bekämen, sagt Jürgen Hagel. Beim Ausweise neuer Photovoltaikflächen sollten die Landwirte deshalb künftig stärker mit einbezogen werden, denn auch die Anschlussleitungen müssten ins Kalkül gezogen werden. Aus seiner Sicht wäre es wichtig, zunächst die Dächer bestehender Gebäude mit Photovoltaik-Anlagen nachzurüsten, bevor Solarparks ausgewiesen werden.

Sandra Nossek, Staffelsteiner Stadträtin der SBUN/Grünen, findet: „Es ist wichtig, dass die Stadt einen Schritt vorwärts geht. Wir haben bisher keine großen Fläche zur Photovoltaik-Energiegewinnung ausgewiesen.“ Die drei jetzt ausgewiesenen Areale seien kein großes Gebiet. Ihrer Ansicht nach seien Solarparks viel effizienter als Biogasanlagen.

Doch warum werden die Flächen im Banzgau versteckt? „Das liegt nicht allein in der Hand der Stadt, sondern ist eine Sache zwischen Grundstückseigentümern und Energieanbietern“, sagt Sandra Nossek. „Es ist nicht unsere Aufgabe, die Vertragspartner zusammenzubringen, das läuft zwischen diesen beiden ab“, fährt sie fort.

Im übrigen habe der Stadtrat nicht nur die beiden Flächen im Banzgau befürwortet, sondern auch das Vorhaben bei Unterzettlitz. Alle drei Flächen böten die Möglichkeit einer Bürgerbeteiligung, sagt Sandra Nossek, das bedeute, der Bürger vor Ort könne Anteile kaufen und sich an den Anlagen beteiligen.

Wertschöpfung sollte in der Region bleiben

Die Staffelsteiner IBC Solar AG, die Anlagen vom einzelnen Modul bis zum Solarpark plant und einrichtet, möchte die Bürger vor Ort mit einbeziehen. Es werde auf jeden Fall in wenigen Monaten einen Informationstermin geben, sagt IBC-Mitarbeiter Toni Dippold. Zunächst einmal würden die Flächen nun beplant. Derzeit, so Dippold weiter, sei alles noch im Fluss. Sobald sich etwas Genaueres sagen lasse, werde dies auf der Webseite der IBC Solar AG kommuniziert. Interessierten Bürgern werde dann bei einer Informationsveranstaltung die Möglichkeit aufgezeigt, sich an dem Projekt zu beteiligen, so dass die Wertschöpfung in der Region bleibe.

Lesen Sie mehr zu folgenden Themen:
Inhalt teilen

Oder kopieren Sie den Link: