Hinter dem Firmengebäude des Familienbetriebs Wagner-Haustechnik in der Reundorfer Straße klafft ein Loch. Ein kleiner Bagger steht in frisch ausgehobenen Baugrube. „Hier entsteht unser Hackschnitzel-Bunker“, sagt Frank Wagner. Mit dem dazu gehörenden Hackschnitzel-Blockheizkraftwerk wollen der 51-jährige Heizungsbauer und sein Sohn Florian das eigene Betriebsgebäude, eine Halle sowie drei umliegende Wohnhäuser mit Wärme versorgen. Rund 150 Kilowatt soll die Anlage leisten. Und sie wird so konzipiert, dass sie jederzeit erweiterbar ist, falls sich weitere Nachbarn für einen Anschluss interessieren.
Hackschnitzelbunker ist im Bau
Der Hackschnitzelbunker ist auf ein Fassungsvermögen von rund 80 Kubikmetern ausgelegt. Hinzu kommt eine offene Halle mit einem Volumen von rund 400 Kubikmetern.
Damit, sagt Frank Wagner, soll das kleine Biomasse-Heizkraftwerk betrieben werden, in dem pro Jahr schätzungsweise 220 bis 240 Kubikmeter Hackschnitzel verfeuert werden. Das Rohrnetz zu den drei Wohnhäusern und zum Firmengebäude ist bereits im Boden verlegt.
Holz aus dem eigenen Wald
„Das alles macht nur Sinn, wenn man selber Wald hat“, sagt Florian Wagner. Der 27-Jährige und sein Vater Frank haben sich deshalb extra acht Hektar Wald bei Vierzehnheiligen zugelegt. Dieser Wald liefert genügend Brennstoff für den Eigenbedarf. Kurze Wege sind ihnen dabei wichtig, denn sonst wäre das gesamte Nahwärme-Konzept nicht wirtschaftlich.
Kurze Anschlussleitungen sparen Energie
„Man hört immer wieder, dass bei den Leuten Interesse für so eine Form des Heizens da ist“, sagt Florian Wagner. Kurze Erschließungswege seien jedoch das A und O, denn dadurch gehe zwischen dem Kleinkraftwerk und den Abnehmern wenig Energie verloren, ergänzt Frank Wagner, der Innungsobermeister für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik im Kreis Lichtenfels ist.
Dass das Holz aus der Region bezogen werde, sei ein weiterer Vorteil, um künftig ein bisschen unabhängiger von Öl- und Gas-Importen zu werden, sagt Frank Wagner. Das Holz für sein kleines Heizkraftwerk werde von einem regionalen Holzernte-Betrieb mit dem Harvester eingeschlagen und dann von einem anderen lokalen Lohnunternehmen gehäckselt.
Bereits Erfahrungen mit Kleinkraftwerk gemacht
Bereits seit rund zehn Jahren betreibt Frank Wagner ein 1,1 Kilowatt leistendes Blockheizkraftwerk zur Strom- und Wärmegewinnung für sein Wohnhaus. Die Hälfte der elektrischen Energie nutze er für den Eigenbedarf, die andere Hälfte müsse er ins Netz einspeisen. Auch das sei eine effiziente Anlage, die seinen Strombedarf zu 50 Prozent decke.
Kleinstkraftwerk für Zweifamilienhaus
Doch auch andere gehen den Weg, sich unabhängig von Öl und Gas zu machen: Manfred Zillig nutzt seit zweieinhalb Jahren ein kleines Blockheizkraftwerk mit rund 40 Kilowatt Leistung. Damit beheizt er sein Zweifamilienhaus in Schönbrunn. Eingebaut wurde diese Anlage von seinem Bruder Reiner, der Heizungsbauer ist, und von Frank Wagner.
Brennstoff aus der Umgebung
Die Zilligs haben selbst Wald und beziehen Hackschnitzel über die Waldbauernvereinigung. Auch ihnen ist es wichtig, den Brennstoff aus der Nähe zu beziehen, sagt Reiner Zillig.
In der ehemaligen Scheune neben dem Wohnhaus befinden sich die relativ kleine Heizanlage sowie der Hackschnitzelbunker. Über eine Schnecke werden die Hackschnitzel zu dem Kleinkraftwerk transportiert.
Feinstaubfilter sind Standard
Eine Anlage in dieser Größe sei in wenigen Tagen installiert, sagt Frank Wagner. Bei solchen Anlagen sei eine Feinstaubfilteranlage heute Standard, ergänzt er. Das Schöne an diesen Heizanlagen liegt für Frank Wagner auf der Hand: „Du bist damit dein eigener Herr.“ Dadurch werde man ein stückweit unabhängiger von Gas und Öl – und von den damit verbundenen Kostenschwankungen.










