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Personalmangel
Warum muss das Seniorenheim in Michelau schließen?
Für 20 Bewohnerinnen und Bewohner des Michelauer Seniorenheims bekamen bereits neue Räume in anderen Einrichtungen zugesichert – 13 Personen warten noch, dass für sie Wohnheimplätze gefunden werden.
Für 20 Bewohnerinnen und Bewohner des Michelauer Seniorenheims bekamen bereits neue Räume in anderen Einrichtungen zugesichert – 13 Personen warten noch, dass für sie Wohnheimplätze gefunden werden. // Peter Atkins - stock.adobe (Symbolbild)
Michelau – Die Diakonie schließt das Katharina-von-Bora-Haus in Michelau. Seit der Coronakrise hatte sich die Situation im Seniorenheim immer weiter zugespitzt.

Das Altenheim ist seit Jahrzehnten eine Institution in der Gemeinde. Auf großes Unverständnis bei den Bürger stieß deshalb die Ankündigung des Diakonischen Werks, das Seniorenwohnhaus werde in Kürze geschlossen.

Die Coronakrise war offenbar der Auslöser: Die Personaldecke im Katharina-von-Bora-Seniorenwohnhaus der Diakonie wurde immer dünner. Das ging eine Zeitlang gut, weil sich die Diakonie mit Personal von anderen Standorten selbst helfen konnte. In den vergangenen Wochen war die Versorgung der 33 Bewohnerinnen und Bewohner jedoch zunehmend gefährdet.

Zunächst vorübergehende Wirkung

Die Diakonie zog daraus die Konsequenz und beschloss in Absprache mit der Heimaufsicht des Landratsamts, das Michelauer Haus zu schließen. Die zunächst noch vorübergehende Maßnahme könnte zur dauerhaften Schließung werden, wenn es nicht gelingt, mehr Personal zu finden. Momentan sind 20 Seniorinnen und Senioren bereits in andere Einrichtungen umgezogen, 13 wohnen noch in Michelau. Für sie werden derzeit neue Zimmer gesucht.

Probleme, die andere Träger auch haben

Wie es zu den personellen Engpässen gekommen ist, lässt sich so skizzieren: Zunächst, so unsere Insider-Informationen, lief der Dienstplan nach dem „Wünsch-dir-was-Prinzip“. Das funktionierte, solange genügend Personal zur Verfügung stand. Mit fest verordneten Dienstplänen änderte sich das jedoch. Hinzu kam eine hohe Quote von Impfverweigerern, was bei einer ohnehin dünnen Personaldecke fatal wirkte – eine Situation, mit der andere Träger vergleichbarer Einrichtungen ebenfalls zu kämpfen haben.

Gemeinde war nicht informiert

Bei Michelaus Bürgermeister Jochen Weber (CSU) steht das Telefon nicht mehr still. Die Leute wollen von ihm Auskünfte zur Zukunft des Seniorenwohnhauses, die er nicht geben kann: „Von der Schließung sind wir absolut überrascht. Wir möchten dazu eine offizielle Stellungnahme der Diakonie haben, um zu wissen, wie die Gemeinde weiter verfahren kann. Wir können nicht auf Hörensagen reagieren, sondern brauchen eine offizielle Aussage.“

Vergebliche Bauplatzsuche

Die Diakonie sucht in Michelau bis dato vergeblich nach einem Grundstück, um ein neues Haus zu bauen. „Wir stehen seit Jahren in engem Kontakt mit der Diakonie, um zu helfen ein Grundstück zu finden“, sagt der Bürgermeister auf unsere Frage, warum das mit dem Neubau so schleppend voran gehe. Es sei schwierig, in Michelau einen passenden Bauplatz zu finden, fährt er fort. Es gebe zwar rund 180 bebaubare Parzellen in Privathand, die jedoch nicht verkauft werden. Ein vom Diakonischen Werk benötigtes Grundstück von 4000 bis 4500 Quadratmetern zu finden, sei „bei uns im Innenbereich nicht möglich“.

Mittelpunkt für Menschen an ihrem Lebensabend

Auf der aktuellen Webseite wirbt die Diakonie für das 1989 errichtete Haus mit drei Pflegebereiche noch so: „In der Einrichtung stehen für Menschen im höheren Lebensalter 85 Betten zur Verfügung, die überwiegend einen Pflege- und Betreuungsbedarf nach dem Pflegeversicherungsgesetz haben. Das Haus ist Heimat und Mittelpunkt für viele Menschen an ihrem Lebensabend geworden, oft in der vertrauten Nähe zur früheren Wohnung.“

Personalausfälle und Krankenstand

Karin Pfadenhauer, Geschäftsführender Vorstand des Diakonischen Werks Kronach-Ludwigsstadt/Michelau, erklärt auf unsere Anfrage die Gründe, die zur vorübergehenden Schließung des Katharina-von-Bora-Wohnheims führten: „Wir mussten schon während Corona von 80 auf 54 Betten zurückschrauben und hatten jetzt erneut Personalausfälle – Personal, das länger im Krankenstand ist.“

Mit Personal aus anderen Häusern überbrückt

Durch diese jüngsten Krankheitsausfällen könne das Diakonische Werk den Betrieb und die Versorgung der Bewohner nicht mehr aufrecht erhalten, fährt sie fort. Zwar habe man bereits versucht, mit Personal aus anderen Einrichtungen auszuhelfen, doch das funktioniere nun nicht mehr. „Wir sind beim Landratsamt gewesen und haben von dort am 26. Oktober den Bescheid erhalten, dass das Heim unverzüglich zu räumen ist“, erklärt Karin Pfadenhauer. Das Landratsamt habe die Auffassung der Diakonie geteilt, dass das Heim unter diesen Voraussetzungen mit so wenig Personal nicht weiter zu betreiben ist.

Verträge wurden gekündigt

„Wir haben am Mittwoch die Angehörigen der 33 Bewohnerinnen und Bewohner informiert und die Verträge gekündigt. Jetzt sind wir – Heimaufsicht, Pflegekasse, andere Wohlfahrtsverbände und weitere diakonische Träger – dabei, die Bewohner umzuverlegen in andere Heime“, sagt Karin Pfadenhauer. Ende nächster Woche sollen alle Bewohner bis auf 13 umgezogen sein. Für diese 20 Menschen seien bereits Plätze gefunden. Die Angehörigen seien sehr verständnisvoll gewesen und wirkten an der Umverlegung mit. Karin Pfadenhauer: „Wir suchen nun unter Hochdruck für diese 13 Bewohner freie Heimplätze.“

Umsetzung mit anderen Immobilien

Zum angestrebten Neubau in Michelau sagt sie: „Wir suchten Grundstücke, aber wir haben bisher kein gefunden. Wir halten jedoch an dem Standort Michelau im Bezug auf Pflege fest.“ Derzeit werde die Umsetzung eines Pflegeangebots in vorhandenen Immobilien geprüft.

„Wir werden keinen Pflegekräften kündigen, denn wir brauchen sie“, bekräftigt Karin Pfadenhauer. Bezüglich der Mitarbeiter aus anderen Bereichen, die im Heim arbeiten, sei man derzeit am Prüfen und in Gesprächen, „um diese bei uns in anderen Einrichtungen zu beschäftigen“. Die Diakonie wünsche sich, dass alle rund 25 Kräfte weiterbeschäftigt werden können.

Das Haus in Michelau sei derzeit noch nicht geschlossen, fügt Karin Pfadenhauer hinzu. Das Wohl der Bewohner gehe vor: „Wenn wir es selber nicht leisten können, wollen wir dafür sorgen, dass es woanders geleistet werden kann.“

Suche nach freien Wohnheimplätzen

Im Landratsamt Lichtenfels ist man alles andere als erfreut über diese Situation, wie sie bisher im Kreis noch nicht vorgekommen ist. Eine Anordnung zur Schließung sei jedoch nicht erteilt worden, sagt Andreas Grosch, Sprecher der Behörde. Die Heimaufsicht sei in Kontakt mit ihren Kollegen der umliegenden Kreise, um die Möglichkeiten der Unterbringung von Senioren mit dortigen Heimträgern auszuloten. Aber niemand halte eben Betten auf Vorrat frei. Grosch: „Wir haben zudem alle Kliniken im Kreis angeschrieben und um Unterstützung bei der Suche nach examinierten Kräften gebeten.“

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