Knapp 40 Jahre lang sorgte der engagierte Jurist Dr. Matthias Göbhardt als Straf- und Zivilrichter sowie als Richter für Betreuungsrecht im unterfränkischen Justizwesen für Recht und Gerechtigkeit. Zuletzt leitete er 13 Jahre lang bis zu seinem Wechsel in den Ruhestand am 31. März 2017 das Bad Kissinger Amtsgericht. Am 11. August verstarb Amtsgerichtsdirektor a.D. Matthias Göbhardt nach nur kurzer Krankheit im Alter von 73 Jahren.
Studium in Würzburg
Am 14. Oktober 1951 wurde Matthias Göbhardt als Sohn eines Volksschullehrers in Wiesentheid (Landkreis Kitzingen) geboren. Nach dem Abitur (1971) am humanistischen Celtis-Gymnasium in Schweinfurt studierte er Rechtswissenschaften an der Würzburger Julius-Maximilians-Universität und machte 1975 sein erstes Staatsexamen. Ein Jahr später wurde er mit seiner Dissertation „Rechtsfolgen des Unvermögens eines Darlehensnehmers, die mit dem Darlehensgeber vereinbarte Sicherheit zu leisten“ promoviert. Im Jahr 1978 schloss er das zweite Staatsexamen ab.
Karriere in der Justiz Unterfrankens
Nach dem Referendariat begann der Jurist seine berufliche Laufbahn zunächst als Richter auf Probe am Amtsgericht Schweinfurt, wechselte aber 1981 zur Schweinfurter Staatsanwaltschaft. Doch schon drei Jahre später kehrte er ans Amtsgericht wieder zurück. Im Juni 1988 wurde er dann ans Landgericht Schweinfurt versetzt, wo er als Mitglied in Straf-, Jugend- und Zivilkammern tätig war. Nach der Wiedervereinigung war er von Juni 1991 bis Mai 1993 mit einem Drittel seiner Arbeitszeit dem Senat für Rehabilitierungsverfahren beim damaligen Bezirksgericht Meiningen zugewiesen. Ab 1. März 1994 war Göbhardt als Staatsanwalt und Gruppenleiter wieder bei der Schweinfurter Staatsanwaltschaft.
Fünf Jahre später kam er schließlich ans Amtsgericht Bad Kissingen, zunächst als ständiger Vertreter des damaligen Amtsgerichtsdirektors Dieter Scheicher. Nach dessen Ausscheiden wurde Göbhardt am 1. April 2004 die Leitung des Amtsgerichts übertragen, bis er selbst nach 13 Jahren am 31. März 2017 in den Ruhestand verabschiedet wurde.
Große Anerkennung der früheren Kollegen
„Göbhardt war ein glänzender Jurist sowie ein hochgeschätzter und ausgesprochen beliebter Kollege“, würdigt ihn der heutige Bad Kissinger Amtsgerichtsdirektor Joachim Meßler voller Anerkennung. Noch heute haben langgediente Mitarbeiter im Amtsgericht ihren früheren Chef in bester Erinnerung, weiß er aus Gesprächen. „Göbhardt war ein vornehmer, feiner Mensch und ein großer Menschenfreund.“ Auch deshalb lag ihm das Jugendstrafrecht besonders am Herzen. Manche Jugendliche haben mit familiären Problemen zu kämpfen, wusste Göbhardt aus seinen Fällen, andere kommen mit dem Leistungsdruck in Schule und Elternhaus nicht klar.
Ein Humanist alter Schule
Als Humanisten alter Schule schätzte ihn auch Ehefrau Birgit. „Er war ein gütiger und verständnisvoller Mensch und hat immer nur das Gute in den Menschen gesehen.“ Dies galt auch für die Angeklagten, über die er im Gericht ein Urteil sprechen musste. „Er hat immer Verständnis für sie aufgebracht.“ Diese positive Eigenschaft spürten auch Familie und Freunde. „Er konnte mit allen umgehen und sprechen.“ In den wenigen ihm verbliebenen Jahren des Ruhestands sorgte Göbhardt für seine älteren Schwestern und die Schwiegereltern und kümmerte sich liebevoll um seine Enkel. „Er war ein ausgesprochener Familienmensch.“
Sportlich vielfältig aktiv und passionierter Imker
Auch ins Vereinsleben hat sich Göbhardt zeitlebens eingebracht. Bis zuletzt war der begeisterte Mannschaftssportler insgesamt 45 Jahre seinem TV Jahn 1895 Schweinfurt treu geblieben. Er spielte Tennis, Tischtennis, Fußball und Faustball. Ruhe und Erholung fand Hobby-Gärtner Göbhardt, der während seiner Bad Kissinger Dienstjahre die Mittagspause meistens im Luitpoldpark und Rosengarten verbrachte, daheim in seinem Garten in Üchtelhausen (Landkreis Schweinfurt) und bei seinen Bienen. Gern pflegte er seine Bäume und Stauden, liebte aber besonders die Rosen. Als Imker sorgte er sich um die zehn Bienenvölker im Garten seines Vaters.
Aber das war nicht alles, mit dem Matthias Göbhardt sich beschäftigte. „Mein Mann war vielseitig interessiert und hat auch viel gelesen“, erzählte Ehefrau Birgit im Telefonat mit der Redaktion. Schon seit seinem 14. Lebensjahr hatte er die Wochenzeitschrift „Die Zeit“ abonniert, anfangs noch als Geschenk seines Vaters. Im Bücherschrank stehen Romane, Biografien und Sachbücher, darunter Fachliteratur über Gärten und Pflanzen. Hin und wieder setzte er sich ans Klavier, spielte Klassik ebenso wie leichte Musik und, wenn die Enkel zu Besuch waren, auch ein paar Kinderlieder.
Gemeinsame Reisen
Die vielseitige Begabung Göbhardts zeigte sich auch im sprachlichen Talent. Seine Kenntnisse in Englisch, Französisch und Italienisch waren vor allem auf den gemeinsamen Reisen sehr hilfreich. „Wir sind in seinen Ruhestandsjahren viel verreist.“ So erinnert sich Birgit Göbhardt an das besondere Erlebnis einer fünfwöchigen Seereise in die Karibik. „In diesem Jahr sind wir am 18. Mai aus unserem Südtirol-Urlaub zurückgekommen“. Mitte Juni musste ihr Ehemann ins Krankenhaus. Nur acht Wochen später starb er am 11. August. Matthias Göbhardt hinterlässt seine Ehefrau Birgit und zwei Söhne mit ihren Familien.
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