Seit 20 Jahren sorgen sich ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter des Malteser-Hilfsdienstes im Raum Bad Kissingen um sterbende Mitmenschen und deren Familien und unterstützen Hinterbliebene bei der Trauerarbeit. Im Rahmen eines Festaktes im Burkardus Wohnpark wurden anlässlich dieses Jubiläums neun langjährige Ehrenamtliche in Anwesenheit von Vertretern der Lokalpolitik und regionaler Sozial- und Hilfsdienste von Diözesanleiterin Martina Mirus und Diözesangeschäftsführer Stefan Dobhan mit Verdienstplaketten in Bronze und Silber sowie einer Dankesurkunde für vorbildliches Engagement ausgezeichnet.
„Rhöner Saxophöner“ sorgen für Musik
Für die musikalische Begleitung sorgten die „Rhöner Saxophöner“ aus Stangenroth, deren Mitglied Regina Kirchner ebenfalls als Hospizbegleiterin bei den Maltesern tätig ist.
„Begonnen hat der Hospizdienst im Landkreis Bad Kissingen über unsere Malteser Ortsgliederung in Nüdlingen in der ehemaligen alten Schule“, erinnerte Diözesanleiterin Martina Mirus, die den Malteser-Hospizdienst einst gegründet hatte, in ihrer Festansprache. Ein Jahr später habe es einen Kurs in der Bad Brückenauer Weckbecker-Klinik gegeben, dann in Hammelburg im Seniorenheim der Carl von Heß'schen Sozialstiftung und schließlich im Pfarrheim in Oberthulba. „Langsam wurde der ganze Landkreis erobert.“ Diesen Kursen vorausgegangen waren Vorträge zu den Themen „Was ist Hospizarbeit?“, „Sterbebegleitung, was geht das mich an?“ oder „Patientenverfügung“. Mirus: „Der Begriff 'Hospiz' musste erst bekannt gemacht werden.“
Innovative Kraft und Flexibilität
Die Diözesanleiterin dankte allen Ehrenamtlichen für „20 Jahre gelebtes hospizliches, palliatives Handeln“ und für deren „innovative Kraft, Flexibilität und Kreativität“. In zwei Jahrzehnten habe sich der Malteser-Hospizdienst zwar weiterentwickelt und verfügt in Bad Kissingen mit Petra Reith und Susanne Binder über zwei hauptamtliche Koordinatorinnen. Doch eines sei bis heute gleich geblieben: „Es ist die Haltung, die Euch auszeichnet.“ Neben fundierter Vorbereitung, erlerntem Fachwissen und praktischer Erfahrung sei es die persönliche Haltung gegenüber den zu begleitenden Menschen. „Haltung entsteht nicht von allein“, betonte Mirus. „Es ist etwas, um das man sich bemühen muss. Etwas, das die vielen Zwischentöne aufnimmt und am Ende das Bestmögliche auf dem Fundament eines christlichen Menschenbildes nachvollziehbar tut.“ Haltung lasse sich auch nicht einfach bei Bedarf einschalten und wieder ablegen, sobald der Dienst vorbei ist. Denn diese Haltung präge den Menschen immer vollumfänglich und nicht nur für seine Arbeit als Hospizbegleiterin oder -begleiter, folgerte Mirus.
Diese mitmenschliche, achtsame Haltung könne und müsse tagtäglich gelebt werden. Gerade heute, wo in der Gesellschaft vieles aus den Fugen zu geraten und haltlos in den Abgrund zu stürzen scheine, „ist Halt und Haltung mehr denn je gefragt“, betonte die Diözesanleiterin. „Haltung ist mehr als eine Meinung.“ Sie mache Menschenwürde sichtbar und erfahrbar – nicht nur am Ende eines Lebens. Wenn man mit Betroffenen offen über Sterben, Tod und Trauer spreche, gebe man einander Halt. Mirus: „Der Hospizdienst ist ein Engagement rund um den Tod – nein, rund um ein menschenwürdiges Leben.“
Emil Müller: „Es geht nicht ohne Ehrenamtliche“
Viele Menschen würden vom heutigen Sozialstaat alles abverlangen, doch nicht alles könne allein vom Staat geleistet werden, betonte der stellvertretende Landrat Emil Müller (CSU) in seinem Grußwort. „Es geht nicht ohne Ehrenamtliche.“ Der Hospizdienst sei in einer Ausnahmesituation nicht nur wichtig für Sterbende, sondern auch für deren Familie. Dieser Dienst fordere auch jene heraus, die ihn leisten, sprach Müller allen Hospizdienstleistern seine Anerkennung und seinen Dank aus. „Sie werden weiterhin und künftig noch mehr gebraucht.“ Denn es werde immer wichtiger, jenen Menschen, die lieber zuhause sterben wollen, eine professionelle Begleitung bieten zu können.
Diesem Dank schloss sich auch Bad Kissingens zweiter Bürgermeister Anton Schick (DBK) an: „Unsere Gesellschaft kommt – von der Jugendarbeit über die Sicherheit bis zum Sozial- und Pflegebereich – nicht ohne Ehrenamtliche aus.“ Deshalb sei diese Jubiläumsfeier „ein besonderer Tag“, an dem das Ehrenamt einmal in den Vordergrund gestellt wird. Dabei sei der Hospizdienst „wohl das uneitelste Ehrenamt“, da ihm kaum öffentliche Aufmerksamkeit zuteil wird. Gerade in Bad Kissingen, das in seiner demografischen Entwicklung dem Land immer einen Schritt voraus sei, komme dem Hospizdienst besondere Bedeutung zu.
Plaketten und Urkunden überreicht
Umso wichtiger sei es, dass dieser Jubiläumstag zum 20-jährigen Bestehen von der Öffentlichkeit gebührend wahrgenommen wird. Nach dem Cliff-Richard-Hit „Congratulations“, gespielt von den „Rhöner Saxophönern“, übergab Martina Mirus an besonders verdiente und langjährige Hospizbegleiterinnen und Hospizbegleiter sechs Bronzeplaketten, eine in Silber und zwei Dankesurkunden – in Einzelfällen sogar für mehr als 20-jährigen Hospizdienst.
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