„Blutspender sind Lebensretter“ – so Michael Rendl als Vorsitzender des Kreisverbandes Bad Kissingen des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) bei der Würdigung von 62 Personen, die als sogenannte „Mehrfach-Spender“ für ihre Bereitschaft ausgezeichnet wurden, Blut zu spenden.
Insgesamt wurden im Kreisverband von rund 5700 Menschen bei 52 Terminen im Landkreis insgesamt 2950 Liter Blut gespendet. Eine Herausforderung bestehe laut Michael Rendl darin, den täglichen Bedarf von 2000 Blutkonserven in Bayern sicherzustellen: „Dafür sind die Mehrfach-Spender das Fundament, aber wir brauchen viel mehr Neu-Spender.“
Im Beisein zahlreicher Ehrengäste wollte sich der BRK-Kreisverband bei den regelmäßigen Spenderinnen und Spendern bedanken, die bislang mindestens 75 Mal dazu bereit waren. In 25er-Schritten ging es dann bis auf die 200 Blutspenden, für die Roland Burger und Walter Johannes Emmert ausgezeichnet wurden.
Nikolaus Kiesel ist Spitzenreiter
Besonders gewürdigt wurde Nikolaus Kiesel, der bereits 225 Mal einen Spendetermin wahrgenommen hat, und damit – bei rund einem halben Liter pro Termin – 110 Liter Blut für Notsituationen wie Unfälle, Operationen oder Krebstherapien zur Verfügung stellte.
Damit der Bedarf langfristig gesichert wird, wurde die Altersbegrenzung nach oben aufgehoben; dagegen blieb das Einstiegsalter bei 18 Jahren.
Vom Gesetzgeber wurde auch die Häufigkeit der Blutspende pro Jahr neu festgelegt: Frauen dürfen viermal jährlich, Männer bis zu sechsmal jährlich Blut spenden, wobei jeweils rund 500 Milliliter Blut durch die Kanülen in den hermetisch verschlossenen Beutel fließt. Beim vorangehenden Gesundheitscheck werde der Eisenwert bestimmt beziehungsweise ausgeschlossen, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen wie Infektionen bestehen.
Lücke von 140.000 Konserven pro Jahr
In seiner Begrüßung bezifferte Michael Rendl den Jahresbedarf auf rund 700.000 Blutkonserven in Bayern. Bei aktuell 280.000 aktiven Blutspendern, die im Durchschnitt zweimal jährlich spenden, ergebe sich eine Lücke von 140.000 Blutkonserven pro Jahr. Dabei liege man in Bayern mit fünf Prozent der spendefähigen Bevölkerung über dem bundesweiten Durchschnitt, der rund drei Prozent betrage. „Das System ist anfällig“, so der Vorsitzende des Kreisverbandes, denn Ferienzeiten, Fußballweltmeisterschaften oder Grippewellen wirken sich nicht nur auf die Zahl der Blutspenden aus, sondern auch durch steigenden Bedarf.
Bereits seit 1953 gibt es den Blutspendedienst des BRK und damit sei man ein wichtiger Partner im bayerischen Gesundheitswesen. Über 700 Mitarbeiter, zusätzlich 200 freiberufliche Spendeärzte und rund 8000 ehrenamtliche Helfer aus 72 Kreisverbänden organisieren rund 5000 Blutspendetermine in Bayern.
Für Kreisgeschäftsführer Harald Erhard bezeichnete die bayerischen Blutspender als „größte Bürgerinitiative Bayerns“, die jede Altersgruppe, jedes Geschlecht, jede Bevölkerungsschicht repräsentiere. Ergänzt werden die spendewilligen Personen durch die Logistik des BRK, das mit Haupt- und Ehrenamt den Blutspendedienst organisiert. Im Fokus stehen dabei die Menschen, die uneigennützig mit ihrer Blutspende anderen Menschen in Notfällen helfen würden. Deren Motivation weiterzumachen, möchte man mit dem Dank im feierlichen Rahmen sowie einer Urkunde, einer Ehrennadel und einem Präsent würdigen.
Gleichzeitig appellierte Erhard an die „Mehrfach-Spender“, weitere Menschen als „Mitglied dieser Bürgerinitiative“ zu gewinnen.
Chefarzt Dr. Ralph Brath steuerte Wissenswertes zu diesem „Wunderwerk der Natur“ bei, das bislang noch nicht künstlich in guter Qualität hergestellt werden könne. Neben dem Blutplasma, das rund 55 Prozent ausmache, sind die Bestandteil Erythrozyten, Leukozyten oder Thrombozyten für den Sauerstofftransport, für das Immunsystem oder für die Wundheilung verantwortlich.
Wesentlich für die Eingruppierung der Blutspenden seien die Blutgruppen A, B, AB und 0 sowie der Rhesusfaktor negativ oder positiv. Am häufigsten seien in Mitteleuropa die Blutgruppen 0+ (35 Prozent), A+ (37 Prozent) und B+ (9 Prozent) vertreten. Für die Verträglichkeit bei den Empfängern müssen Blutgruppe und Rhesusfaktor zusammenpassen, so Dr. Brath, wobei die Blutgruppe 0 negativ als „Universalspender“ für alle Empfänger gilt.
Jede Spende wird getestet
Dagegen müsse für Empfänger mit der Blutgruppe AB positiv die gleiche Klassifikation verwendet werden. Jede Blutspende werde zum Beispiel auf Hepatitis oder HIV getestet, nach der Freigabe aufbereitet und im BRK-Blutspendezentrum Wiesentheid für die weitere Verwendung verarbeitet.
Einsatzbereiche für die Blutkonserven seien die Krebstherapie (19 Prozent), bei Herzerkrankungen (16 Prozent), bei Magen-/Darmerkrankungen (16 Prozent), bei Unfällen (12 Prozent) sowie bei Geburten, Leber- und Nierenerkrankungen.
Mit den medizinischen Möglichkeiten und mit dem steigenden Alter der Bevölkerung werde der Bedarf steigen, so Dr. Brath, und schloss sich den Dankesadressen der Vorredner an: „Wir brauchen Sie – mehr denn je.“










