Stress und Burnout sowie die positiven Auswirkungen mentaler Entspannung auf solche Belastungen – mit diesen gesellschaftlich wichtigen Themen befassten sich zwei wissenschaftliche Studien, und diese wurden nun – auch wegen ihres gesundheitlichen Bezugs zu Bad Kissingen - mit dem Boxberger-Preis 2026 ausgezeichnet. Stellvertretend für die beiden Autorengruppen nahmen Dr. Lara M. C. Puhlmann und Dr. Lucas A. Maunz die Auszeichnungen der Boxberger-Stiftung durch Dr. Klaus-Henning Kraft bei einer Feierstunde entgegen.
In die Praxis übertragen
Begrüßt wurden die Gäste von Oberbürgermeister Dr. Dirk Vogel, der Rehabilitation und Prävention als Kernkompetenzen für den Gesundheitsstandort Bad Kissingen definierte und betonte, dass man die medizinischen Erkenntnisse in die medizinische Praxis übertragen müsse. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde vom Querflötenensemble der städtischen Musikschule.
In seiner Laudatio hob Prof. Dr. Michael Linden, Vorsitzender des Kuratoriums, die internationale Bedeutung des mit 10.000 Euro dotierten Boxberger-Preises hervor, die sich unter anderem in den 14 eingereichten Arbeiten widerspiegele. Diese seien vom Kuratorium der Boxberger-Stiftung Bad Kissingen bewertet worden und auf dessen Empfehlung würdigte die Vorstandschaft der Stiftung zwei Arbeiten mit jeweils der Hälfte des Preisgeldes. Dabei betonte Dr. Linden die Qualität der eingereichten wissenschaftlichen Studien und bekannte: „Uns ist die Entscheidung nicht leicht gefallen.“
Urkunde für einen Garitzer
Mit Dr. Lukas A. Maunz, der stellvertretend für eine länderübergreifende Arbeitsgruppe stand, konnte ein echter Garitzer die Urkunde entgegennehmen. In der gewürdigten Arbeit „Revisiting the Stressor-Burnout Relationship: Evidence for Reverse Causation and Conditional Change“ ging es um die komplexen, Stress auslösenden Zusammenhänge mit der Folge eines krankhaften Erschöpfungszustandes.
Stress sei ein negativ besetztes Thema, so Dr. Linden, und die Studie habe die „Belastungsthese“ bestätigt, dass negative Lebensereignisse Stress auslösen. Gleichzeitig habe die Studie aber auch ergeben, so Dr. Maunz in einer Ergänzung, „dass wahrgenommener Sinn in der Arbeit sich präventiv auf die Stressbelastung auswirkt und diese Erkenntnis ist auf andere Lebensumstände, zum Beispiel im sozialen Umfeld, übertragbar“.
In der zweiten Studie ging die Arbeitsgruppe der Frage nach, „ob Meditation den Stress-Level positiv beeinflussen kann“, so Dr. Linden in seiner Laudatio für Dr. Lara M. C. Puhlmann. Dabei ging es um die Auswirkungen eines längerfristigen Mentaltrainings auf die Ausschüttung des Stress-Hormons Cortisol sowie eine Veränderung im Gehirn. Dass chronischer Stress schlecht ist, sei hinlänglich bekannt – und vor diesem Hintergrund habe die Studie ergeben, dass sich durch regelmäßige Entspannungsübungen die Körperwerte positiv verändern. „Eine Veränderung ist erkennbar. Es gibt biologisch länger anhaltende Effekte“, so das Fazit von Dr. Linden.
Sehr gute Zusammenarbeit
Übertragen auf den Gesundheitsstandort Bad Kissingen mit seinen 17 Reha-Kliniken bedeuten die Ergebnisse der Studien eine Stärkung der Wohnort fernen Behandlung bei Stress- und sonstigen Belastungsstörungen. Einerseits weil die Rehabilitantinnen/Rehabilitanten aus ihrem üblichen, teils belastenden Lebensumständen herausgenommen werden, andererseits weil die medizinisch-therapeutischen Maßnahmen auf die einzelnen Personen zugeschnitten sind.
In ihren Grußworten betonten die beiden Preisträger die sehr gute Zusammenarbeit in den international besetzten Arbeitsgruppen, dankten der Stadt bzw. der Boxberger-Stiftung Bad Kissingen für die Auszeichnung und äußerten die Hoffnung, dass man in Zukunft noch mehr Daten zu diesen wichtigen Themen sammeln könne und dass der Transfer der Erkenntnisse in die Praxis von Kliniken und Therapeuten erfolgen möge.
Die Arbeiten
- „Revisiting the Stressor-Burnout Relationship: Evidence for Reverse Causation and Conditional Change“; Autoren Dr. Lucas A. Maunz, Dr. Leon T. DeBeer, Dr. Bernad Batinic, Dr. Christian Seubert, Dr. Jürgen Glaser.
- „Serum BDNF Increase After 9-Month Contemplative Mental Training Is Associated With Decreased Cortisol Secretion and Increased Dentate Gyrus Volume: Evidence From a Randomized Clinical Trial“; Autoren Dr. Lara M. C. Puhlmann, Pascal Vrticka, Ropman Linz, Sofie L. Valk, Ioannis Papassotiriou, George P. Chrousos, Veronika Engert, Tania Singer.









