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Zwischen Therapie und Zukunft
Wie die Hermera-Klinik Jugendlichen Perspektiven eröffnet
Prof. Dr. Claudia Mehler-Wex, Chefärztin und Ärztliche Direktorin der Hemera-Klinik in Bad Kissingen im Park der Klinik.
Prof. Dr. Claudia Mehler-Wex, Chefärztin und Ärztliche Direktorin der Hemera-Klinik in Bad Kissingen im Park der Klinik. // Marion Eckert
Bad Kissingen – Es ist ein Zufluchtsort für Jugendliche, die mit Unsicherheiten kämpfen und Hilfe benötigen. Mit einem Fokus auf persönliche Stärken und praxisorientierte Erfahrungen wird hier Therapie neu definiert.

Die Corona-Pandemie war ein tiefgreifender Einschnitt in das Leben vieler Menschen und hinterließ deutliche Spuren in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft, insbesondere in den Familienstrukturen. Durch die plötzliche Nähe, verursacht durch Homeoffice, geschlossene Schulen und fehlende Freizeitmöglichkeiten, wurden viele Haushalte stark belastet.

Freunde konnten nicht getroffen werden, der Präsenzunterricht fiel aus, und sportliche oder soziale Aktivitäten waren nicht möglich. Diese angespannte Situation führte in manchen Fällen sogar zu Gewalterfahrungen, da der emotionale Druck innerhalb der Familien erheblich war.

Das bietet die Hemera Klinik

Prof. Dr. Claudia Mehler-Wex, Chefärztin und Ärztliche Direktorin der Hemera-Klinik in Bad Kissingen.
Prof. Dr. Claudia Mehler-Wex, Chefärztin und Ärztliche Direktorin der Hemera-Klinik in Bad Kissingen. // Marion Eckert

Prof. Dr. Claudia Mehler-Wex, Chefärztin und ärztliche Direktorin der Hemera-Klinik in Bad Kissingen, schildert, in einem Gespräch mit dieser Redaktion, die Auswirkungen der Pandemie und den wachsenden Einfluss sozialer Medien auf die psychische Gesundheit junger Menschen.

Die Hemera-Klinik, eine Privatklinik für Jugendliche und junge Erwachsene, ist auf die Bedürfnisse von Patienten im Alter von 14 bis 27 Jahren spezialisiert und bietet einen geschützten Raum für die Therapie speziell von sogenannten internalisierenden psychischen Erkrankungen wie Depression, Angst-, Traumafolge- und Essstörungen, Asperger-Syndromen und Zwangserkrankungen.

„Wir sind die einzige Klinik in Deutschland, die sich als Gesamthaus auf dieses Übergangsalter konzentriert“, erklärt Mehler-Wex. Seit 13 Jahren verfolgt die Klinik einen ganzheitlichen Ansatz, um jungen Menschen in Krisen zu helfen.

Die Folgen der Pandemie

Die Pandemie habe, laut Mehler-Wex bei scheuen Menschen vorhandene soziale Ängste verstärkt, da der Austausch und die soziale Übung durch Quarantänemaßnahmen stark eingeschränkt waren. „Viele trauten sich danach wegen ihrer Schwellenängste nicht mehr in den Alltag zurück.“ Insbesondere betraf das Schüler. 

Der Online-Unterricht stellte für viele zudem durch die Selbstpräsentation im Kamera-Licht und die erhöhte Hürde für Wortmeldungen, eine erhebliche Belastung dar. 

Zukunftsängste und Leistungsdruck

Auf der anderen Seite bereiteten sich einige Jugendliche aufgrund hoher Selbstansprüche zusätzlichen Leistungsdruck. Wer Leistung, insbesondere in Schule und Sport, identitätsstiftend erlebe, sei in der Pandemie durch die beschränkten Möglichkeiten stark verunsichert worden.

Um Struktur, Lebensinhalt und Kontrolle wiederzugewinnen, gerieten manche perfektionistisch veranlagten Jugendlichen in einen überzogenen Fokus auf Ernährungs- und sportliche Selbstoptimierung, was Essstörungen, speziell Anorexie, in die Höhe trieb.

Mehr Work-Life-Balance

Die Pandemie habe aber nicht nur negative, sondern auch positive Veränderungen hervorgebracht. Viele Menschen entwickelten ein besseres Bewusstsein für psychische Gesundheit. Themen wie Work-Life-Balance, Achtsamkeit und Selbstfürsorge gewannen an Bedeutung. 

Selbstzweifel und verzerrtes Selbstbild

Dennoch stünden Jugendliche heute vor weiteren neuen Herausforderungen. „Sie fühlen sich oft unter Druck von den vielen Erwartungen, die sowohl von der Gesellschaft als auch durch Medien-Ideale an sie gestellt werden. Mehr als früher legen sie selbst – ganz unabhängig von den Eltern – eigene sehr hohe Maßstäbe für sich zugrunde und werten sich sofort ab, wenn sie diese nicht erfüllen können.“

Während einst der Lebensweg durch das Umfeld oft klar vorgegeben war, irritieren heute endlos viele Entscheidungsoptionen, sei es bei der Berufswahl oder dem Lebensstil. Plattformen wie Instagram und TikTok bieten eine Bühne für Influencer, die scheinbar mühelos Erfolg haben und ein perfektes Leben führen.

Diese Vergleiche führen bei vielen Jugendlichen zu Selbstzweifeln und einem verzerrten Selbstbild. „Die Lebensführung selbst ist zu einem Wettbewerb geworden, den keiner gewinnen kann.“

Identitätsfindung und die Frage nach dem Geschlecht

Nicht selten beschäftige heute viele Jugendliche -  im Rahmen der Identitätsfindung -  die Frage nach Geschlecht und sexueller Orientierung. Immer mehr junge Menschen lehnen traditionelle Geschlechterrollen ab und identifizieren sich als nonbinär oder queer oder gegebenenfalls dem anderen biologischen Geschlecht zugehörig.

Einerseits sei es positiv, dass diese Themen nicht mehr versteckt werden müssen, andererseits könne die große mediale Aufmerksamkeit bei Einzelnen ungünstig wirkende Modelle liefern – wenn Jugendliche zum Beispiel hoffen, über ein Outing alle Probleme zu lösen, die Ursachen aber woanders liegen.

Gezielte Unterstützung für junge Menschen

Die Hemera-Klinik in Bad Kissingen ist spezialisiert auf die psychische Gesundheit junger Menschen.
Die Hemera-Klinik in Bad Kissingen ist spezialisiert auf die psychische Gesundheit junger Menschen. // Marion Eckert

Viele Jugendliche benötigen in dieser komplexen Lebensphase gezielte Unterstützung, die sie in der Hemera-Klinik durch eine ganzheitliche Behandlung erhalten.  Neben intensiver, individueller Psychotherapie werden non-verbale, kreativ-therapeutische Therapieansätze wie Kunst-, Tanz-, Bewegungs- und Musiktherapie angeboten sowie tiergestützte Verfahren, therapeutisches Theater, intuitives Schreiben und therapeutisches Boxen oder Bogenschießen, um den Zugang zu Emotionen zu erleichtern.

Darüber hinaus wird großer Wert auf die praktische Vorbereitung der Jugendlichen für das Erwachsenenleben gelegt. Dazu gehören Haushaltsführung, Bewerbungstraining, Fit-for-Life-Semiare, Kochkurse und konkrete schulisch-berufliche Planungen sowie gegebenenfalls Wohnungssuche oder die Vermittlung von Anschlussmaßnahmen.  „Wir entlassen niemanden ins Nichts“, erklärt Mehler-Wex. Jeder Patient verlasse die Klinik mit einem klaren Plan für seine Zukunft.

Der Ansatz ist erfolgreich: Mittlerweile wurde das „schräge Jubiläum“ des 1234. Patienten gefeiert. Viele Jugendliche, oft durch Cyber- oder Schulmobbing verunsichert, entwickeln in der Klinik neue Perspektiven und stärken ihre Kompetenzen.  „Es ist sehr berührend, den Unterschied zu sehen, wie die jungen Menschen hier eintreffen und wie sie wieder gehen“, sagt Mehler-Wex. Die Klinik gibt den Jugendlichen die Chance, sich zu stabilisieren und gut auf das Erwachsenenleben vorbereitet zu werden.

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