Und wieder eins weniger: Das Bekleidungsgeschäft „Modeart“ in der Brunnengasse in Bad Kissingen schließt. Der Grund: Es findet sich für das kleine Geschäft mit ausgefallener Damengarderobe kein Personal.
Maria Hack bringt „zu verkaufen“-Schilder an Tischen, Regalen oder Kleiderständern an. Alles muss raus. Das fällt ihr nicht leicht. „Ich bin von Anfang an dabei“, erzählt sie. 21 Jahre sind es geworden, Chef und Kolleginnen waren für sie „wie eine Familie“. Sie selbst ist bereits in Rente, versucht nun aber, der Geschäftsleitung so weit es geht in dieser Situation zu helfen.
Monatelange Suche nach Personal
Alexander Jordan ist der Eigentümer von „Modeart“ und betreibt in Schweinfurt noch sein Geschäft „Lieblingsladen“. Der Unternehmer: „Wir suchen seit Monaten einen Nachfolger für unsere langjährigen Mitarbeiter, welche in Rente gehen – und finden niemanden, der zu uns passt.“
Die Produkte sind hochwertig und von Firmen wie Marc Aurel, XOX, Tuzzi, Kenny S. und weiteren ausgefallene Firmen. „Bitte nehmen Sie mir es nicht übel. Aber ich kann keine 17-Jährige anstellen, die eine 40- bis 70-Jährige sehr gut beraten soll und die aber eher Wert auf ihre Work-life-Balance legt“, beschreibt Alexander Jordan das Problem. „Wir stehen für Beratung und nicht für Verkauf“, erklärt er das Konzept.
„Ich möchte nicht missverstanden werden: Es gibt die jungen Frauen, die mit Herzblut dabei sind und die unsere Anforderungen erfüllen. Nur: Auch die haben wir nicht gefunden.“
Die Kundschaft für das „Modeart“ ist da, sagt er. „Das Geschäft lief einfach klasse, Bad Kissingen hat mit seinen Gästen ja auch die ideale Kundschaft für uns“, resümiert er. Aber was nutze das beste Geschäft, wenn niemand da ist, um die Kundinnen zu beraten? Momentan überbrückt er die Situation mit dem Personal aus dem zweiten Geschäft „Lieblingsladen“ aus Schweinfurt, welches weiter bestehen bleibt.
Modeart hat noch bis 30. September geöffnet
Überall habe er versucht, „gutes Personal mit Persönlichkeit zu finden“, auf indeed.de inseriert, war „natürlich“ beim Arbeitsamt, er hat viel Mundpropaganda betrieben – nichts. Jetzt müsse er die „Reißleine ziehen“. Das Geschäft ist noch bis 30. September 2025 geöffnet, bis dahin gelte: Alles muss raus. „Selbst unser Vermieter ist uns entgegengekommen, wie er uns auch bei Corona sehr unterstützt hat“, aber die großzügige Frist, die blieb, war zu kurz für eine noch länger andauernde Suche nach Personal.
Verhalten der Stadt „macht mich traurig“
„Eins macht mich traurig“, sagt Alexander Jordan. Die Stadt Bad Kissingen oder das Stadtmarketing habe sich nicht bei ihm gemeldet. „Seit mehreren Wochen prangen an unseren Schaufenstern Schilder, die auf die Schließung hinweisen. Niemand war da, der sich erkundigt hat, weshalb wir aufgeben oder ob er uns vielleicht helfen kann.“
Seine Prognose ist nicht rosig. „Der Vermieter wird es sich nicht leisten können, das Geschäft leer stehen zu lassen… Und was kommt danach?“ Die Stadt solle alles tun, um weiter hochwertige Läden in der Innenstadt zu halten – mit einem gesunden Mix von allem. „Hier wie in Schweinfurt – da haben wir dasselbe Problem.“
Er möchte nicht schimpfen, sagt er explizit. „Bad Kissingen war toll, wir hatten eine sehr schöne Zeit hier. Aber Bad Kissingen wäre gut beraten, wenn es die Unternehmen unterstützen würde, die von jener Zielgruppe geliebt werden, die die Stadt selbst gerne in ihren Mauern sieht.“
So reagiert die Stadt auf die Kritik
Sebastian Bünner ist Wirtschaftsförderer der Stadt Bad Kissingen. Auf die Kritik angesprochen sagt er: „Die Wirtschaftsförderung der Stadt Bad Kissingen ist grundsätzlich immer persönlich, telefonisch und per E-Mail verfügbar für die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Innenstadt. Neben der städtischen Wirtschaftsförderung gibt es für die Innenstadt den Verein Stadtmarketing Pro Bad Kissingen.“
Der Vorsitzende ist Ralf Ludewig, die Geschäftsstellenleitung hat Ulrike Stegmann. „Der Verein kümmert sich um die Belange der Einzelhandels- und Gastronomiebetriebe in der Innenstadt und wird von der Stadt Bad Kissingen finanziell unterstützt.“
Bünner weiter: „Wenn ein erfolgreicher Betrieb, wie in diesem Fall aufgrund der Personalsituation, nach mehr als 20 Jahren schließen muss, ist dies immer bedauerlich – aber unter anderem aufgrund der allgemeinen Personalknappheit in der Branche leider nicht immer vermeidbar. Die städtische Wirtschaftsförderung kümmert sich vorrangig um das Leerstands-Management und ist im Zuge dessen auch bereits mit verschiedenen potenziellen Nachmietern für das Objekt im Austausch.“












