Seit mehr als 60 Jahren thront die Deegenbergklinik auf dem Finsterberg über Bad Kissingen. Die Rehaklinik für Innere Medizin und Orthopädie ist fest mit der Familie Deeg verbunden. Sie ist seit der Gründung familiengeführt. Seit mehr als 30 Jahren steht Prof. Dr. Peter Deeg als Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor an der Spitze. Bis Ende 2026 will sich der 83-Jährige schrittweise zurückziehen. Die Nachfolge ist geregelt: Seit Juli ist Tochter Dorothea Deeg neben ihm Teil der Geschäftsführung.
Dorothea Deeg: Aus der Schweiz nach Bad Kissingen
„Ich bin zufrieden, dass der Betrieb harmonisch auf die nächste Generation übergeht“, sagt Peter Deeg. Zwar habe es auch Überlegungen gegeben, einen externen Geschäftsführer zu suchen, letztlich habe sich die Tochter in den vergangenen Jahren als Krisenmanagerin in der Klinik für Höheres empfohlen. In der Übergangszeit konzentriere er sich auf die medizinische Leitung, Dorothea Deeg um die übrigen Führungsfragen.
Peter Deeg ist Arzt für Innere Medizin und Kardiologie. Dorothea Deeg hat eine betriebswirtschaftliche Karriere hinter sich und arbeitete unter anderem in der gehobenen Hotellerie in der Schweiz. „Aus meinem Werdegang heraus hat sich der Wunsch entwickelt, in der Familienklinik mit einzusteigen“, sagt die 41-Jährige. Vor 13 Jahren kehrte sie nach Bad Kissingen zurück und sammelte offiziell als Assistenz der Klinikleitung Erfahrungen und bildete sich auch medizinisch fort. Erste Härtetests waren die Bewältigung der Coronapandemie und eines Hackerangriffs auf die Klinik an Weihnachten 2023, der die gesamte IT lahmlegte.
Etwa die Hälfte der Patientinnen und Patienten leidet an Herz-, Gefäß- und anderen inneren Erkrankungen. Menschen nach akuten Herzinfarkten werden hier wieder fit gemacht, genauso wie nach geplanten Herz-OPs. Die zweite Hälfte der Patienten hat orthopädische Leiden. Sie kommen nach Unfällen hierher, ebenso wie nach geplanten Eingriffen, etwa wenn Knie- und Hüftgelenke getauscht werden. Das Einzugsgebiet der Klinik ist der nordbayerische Raum sowie Hessen und Thüringen.
Krankenhaus-Sparpläne treffen Rehaklinik nicht direkt
Peter Deeg unterstreicht, dass mit dem Wechsel an der Spitze dennoch Kontinuität gewahrt bleibt. Wobei das nicht heißt, dass es keinen Wandel geben wird. „Es kommen viele Dinge auf Dorothea zu, auf die sie reagieren muss“, sagt er. Politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Wandel erfordern, „dass wir uns darauf einstellen“.
Die Sparpläne der Bundesregierung im Gesundheitswesen treffen den Deegenberg als Reheinrichtung bisher nur indirekt. Aber: Werden weniger Rehas verordnet, wenn weniger operiert wird? „Die Folgen können wir noch nicht bewerten. Aber wir müssen das berücksichtigen und vorsichtig mit Investitionen sein“, meint Peter Deeg. Es gelte, die medizinische Qualität zu sichern.
Eigene KI am Deegenberg
Große bauliche Investitionen sind derzeit nicht vorgesehen, wohl aber die stetige Modernisierung. „Die Klinik ist über 60 Jahre alt, da gibt es immer etwas zu erneuern“, sagt Dorothea Deeg. Ein großer Fokus wurde zuletzt auf Nachhaltigkeit gelegt. Die Klinik deckt beispielsweise ihren Energiebedarf über Solarenergie und ein eigenes Blockheizkraftwerk allein.
Die Digitalisierung der Klinik ist der jungen Geschäftsführerin wichtig: Vor allem, um Mitarbeiter bei der Arbeit zu entlasten. Hierfür hat die Deegenbergklinik eine eigene KI entwickelt, die etwa Ärzte und Pflege bei Dokumentationsarbeiten unterstützt. „Wir wollen möglichst viele freie Mitarbeiterkapazitäten haben, die dann der Behandlung zugutekommen“, sagt sie. Der Name Deeg an der Spitze und der stetige Wandel in der Klinik: Beides wird bleiben.
Deegenbergklinik: damals und heute
- Die Anfänge reichen zurück ins Jahr 1900 zu den Urgroßeltern Maria und Josef Kühnlein. Sie führten zunächst einen Kurbetrieb in der Villa Montana in der Menzelstraße, ab 1926 in der Villa Hohenzollern in der Kurhausstraße.
- 1958 verpachteten die Großeltern Peter und Dorothea Deeg das Haus Hohenzollern an die LVA Baden-Württemberg. 1959 kauften sie den Russischen Hof in der Kurhausstraße und verpachten ihn ebenfalls an die LVA Baden-Württemberg als Kurparksanatorium.
- 1962 verkauften Peter und Dorothea Deeg beide Einrichtungen an die LVA und begannen mit dem Neubau des Deegenbergsanatoriums am heutigen Kliniksitz. 1964 startete der Betrieb. Das Sanatorium entwickelte sich in der Folge zur heutigen Rehaklinik weiter. Seit 1992 ist Vater Prof. Dr. Peter Deeg Geschäftsführer.
- Heute besteht die Deegenbergklinik aus fünf Gebäuden. 212 Patientenbetten sorgen bei einer Belegung von 97 Prozent für rund 76.000 Übernachtungen pro Jahr. 196 Mitarbeiter sind beschäftigt, darunter allein 14 Ärzte und 25 Therapeuten.















