Die Idee klingt einfach: Beim Haus- oder Lungenfacharzt pustet der Patient in ein tragbares Spirometriegerät. Dieses analysiert die Gase in der Atemluft und bewertet innerhalb von wenigen Minuten, ob beim Patienten der Verdacht auf Lungenkrebs besteht oder nicht.
„Aktuell gibt es für Lungenkarzinome keine Screeningverfahren, die von den Kassen übernommen werden. Unser Ziel ist es, ein günstiges und schnelles Verfahren für Routine- und Vorsorgeuntersuchungen zu entwickeln“, sagt Florian Dassel, Geschäftsführer beim in Bad Kissingen ansässigen Medizingerätehersteller Geratherm Respiratory.
Geratherm Respiratory beteiligt sich mit der TU Ilmenau, der Uniklinik Jena sowie einem auf Sensortechnik spezialisierten Unternehmen aus Thüringen an dem Forschungsprojekt „Breath Observer“. „Es geht darum, das Atemgas so zu analysieren, dass wir gezielt Lungenkrebs detektieren.
Bei Karzinomen in der Lunge wird ein bestimmtes Bündel an Gasen freigesetzt, die sich messen und bestimmen lassen“, erklärt er. Bisher etablierte Verfahren zur Lungenkrebserkennung seien vergleichsweise aufwendig, teuer oder mit körperlichen Eingriffen verbunden. Weiterer Vorteil der Gasanalyse: Weil sie einfach sein soll, sei eine höhere Akzeptanz bei Patienten zu erwarten.
Prototyp aus Bad Kissingen wird an Uniklinik getestet
Kerngeschäft von Geratherm ist die Entwicklung und Produktion von Geräten, mit denen Pneumologen in Praxen und Kliniken hauptsächlich die Funktion der Lunge und, bis zu einem gewissen Grad, auch des Herzens diagnostizieren. „Breath Observer“ ist eins von aktuell zwei Forschungsprojekten, an denen das Unternehmen sich aktuell beteiligt.
„Wir sind ein Mittelständler und können keine Grundlagenforschung machen. Wir suchen uns unsere Forschungsprojekte sehr gezielt aus“, sagt Dassel. Das Lungenkrebsvorhaben hält er für vielversprechend. Rund 600.000 Euro lässt Geratherm sich die Entwicklungsarbeit hierfür kosten.
Ob aus der Idee ein funktionierendes Gerät hervorgeht, lasse sich bisher noch nicht abschätzen. Bis dahin wird es noch fünf bis sechs Jahre dauern. Das Forschungsprojekt ist auf drei Jahre bis Anfang 2028 mit Gesamtkosten von 1,9 Millionen Euro angelegt. „Wir haben jetzt den Prototypen bald fertig und werden ihn der Uniklinik Jena übergeben“, sagt Dassel. Die TU Ilmenau hat die Software entwickelt, der Thüringer Hersteller den Sensor und Geratherm fügt die Komponenten zum Medizingerät zusammen. Aufgabe der Uniklinik ist es, das Gerät ausführlich mit Probanden zu testen und das Gerät mit Daten zu füttern.
Ist das Projekt erfolgreich beendet, wird es mindestens weitere zwei bis drei Jahre dauern, bis das Zulassungsverfahren für das Gerät durchlaufen ist. „Wir müssen dann unter anderem eine Zulassungsstudie erstellen und eine Risikoabschätzung vornehmen. Das müssen wir als Hersteller übernehmen“, sagt Dassel.
Forschung und Entwicklung ein großer Teil der Arbeit
Geratherm ist mit 36 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund sieben Millionen Euro ein innovatives, mittelständisches Unternehmen. Forschung und Entwicklung machen einen großen Teil der Arbeit aus. Fünf Mitarbeiter sind an den beiden externen Forschungsprojekten beteiligt, rund eine Million Euro wendet die Firma dafür auf.
Hinzu kommt die interne Weiterentwicklung und Optimierung der eigenen Produkte. „Wir geben das ungern nach außen, sondern versuchen das in den eigenen Händen zu behalten“, sagt Dassel. Weil Forschung teuer ist, bewirbt sich Geratherm bei externen Projekten nahezu ausschließlich auf staatlich geförderte Vorhaben, um die eigenen Kosten und damit das unternehmerische Risiko besser handhaben zu können.
Forschung für mehr Unabhängigkeit vom Ausland
Das zweite Projekt, an dem das Unternehmen mitarbeitet, nennt sich „Mini Gas“, gemeinsam mit Fraunhofer-Institut Freiburg und ebenfalls dem Sensorspezialisten aus Thüringen. Hier geht es laut Dassel darum, eigene Gas-Sensoren für Spirometer zu entwickeln und in Deutschland zu bauen, um sich von ausländischen Herstellern unabhängig zu machen.
Die eigenen Sensoren sollen zudem schneller und genauer arbeiten, was die Qualität der medizinischen Diagnostik verbessere. „Die bisherigen Ergebnisse sind sehr vielversprechend“, sagt Dassel. Erste Prototypen gibt es bereits. Geht alles gut, kann Geratherm die deutschen Sensoren bereits 2028 in seinen Geräten einbauen.














