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Peter Zieglers 85. Geburtstag
Henry Kissinger bedankte sich einst persönlich für ein Buch
Peter Ziegler im Jahr 2021
Peter Ziegler im Jahr 2021 // Susanne von Knobelsdorff
Bad Kissingen – Über Jahrzehnte machte sich der Bad Kissinger Heimatforscher und Autor Peter Ziegler mit seinen Büchern zur Geschichte Mainfrankens und der Rhön einen Namen. Seine Erfolgsgeschichte.

In vergangenen Jahren wurde es allerdings stiller um ihn. Am 29. April wird er nun 85 Jahre alt. Ein guter Anlass zur Würdigung seiner heimatkundlichen Forschung und vielseitigen literarischen Arbeit.

Peter Ziegler: Ein Büchernarr

„Bereits seinen Lehrern an der Volks- und Oberrealschule fiel der Schüler auf, waren doch seine ‚Geschichtsdeutungen‘ schon von eigenwilliger, persönlicher Art, ein Hauch von Satire unverkennbar, seine heimatkundlichen Nachforschungen leidenschaftlich zu nennen“, heißt es über Peter Ziegler im Klappentext seines 1981 veröffentlichten Buches „Die ruhelose Kaiserin. Elisabeth von Österreich auf Reisen“.

In der ausführlicheren Würdigung „Peter Ziegler. Sein Leben und Wirken abseits der breiten Wege“ schreibt deren Verfasser Josef Kuhn (Burgwallbach) im Jahr 1988 über Zieglers „Hang zu einer fast krankhaft zu nennenden Büchernarrheit, an der er – nach seinen Worten – schon seit seiner Kindheit litt, aber auch sein Hingezogensein zur Welt des Theaters“.

Aufgewachsen in Bad Kissingen

Geboren wurde Peter Ziegler am 29. April 1940 im thüringischen Probstzella (Saalfeld-Rudolstadt), dem Heimatort seiner Mutter. Erst im Folgejahr kehrte die Mutter mit ihrem Säugling nach Bad Kissingen ins Elternhaus auf dem Rathausplatz zurück.

Hier wuchs der Junge auf und ging auf die Kissinger Oberrealschule (heute Gymnasium). Nach der Mittleren Reife im Jahr 1956 sollte der Sohn Beamter werden. Also begann der 17-Jährige 1957 bei der Post in Bad Brückenau. Schon damals nutzte er jede Gelegenheit – egal ob dienstlich oder in der Freizeit – die Rhön und das Kissinger Umland zu erwandern.

Peter Ziegler in jüngeren Jahren, S/W-Druck eines Ölgemäldes des Bad Kissinger Malers Robert Kirchner (1940-2009)
Peter Ziegler in jüngeren Jahren, S/W-Druck eines Ölgemäldes des Bad Kissinger Malers Robert Kirchner (1940-2009) // Repro/Josef Kuhn

Karriere in der Industrie

Doch sein spärliches Gehalt als Postbeamter sowie die Aussichtslosigkeit, nach Bad Kissingen versetzt zu werden, ließen Ziegler die sichere Beamtenlaufbahn aufgeben und bessere Chancen in der Industrie suchen.

Er wechselte zu Siemens, begann zunächst am Standort Esslingen am Neckar und kehrte schließlich 1969 als Bilanzbuchhalter in heimatliche Gefilde zur Siemens-Niederlassung in Bad Neustadt (Saale) zurück, wo er bis zum vorzeitigen Ruhestand blieb.

Peter Zieglers Erfolge

Trotz Zieglers schon in Schuljahren ausgeprägtem Geschichtsinteresse und seiner Sammelleidenschaft von Geschichts- und Reiseliteratur war er bereits 35 Jahre alt, als 1975 sein erstes Buch „Geheimnisvolle Kreuze, verschwundene Burgen, verborgene Kunstschätze und andere Kuriositäten“ mit Fotos des Bildjournalisten Friedrich von Knobelsdorff als „heimatkundlicher Bilderbogen von Bad Kissingen und Umgebung“ erschien.

Für die Übersendung eines Exemplars bedankte sich der frühere US-Außenminister Henry Kissinger bei beiden mit einem persönlichen Brief. Noch vier weitere, recht erfolgreiche Bücher folgten in Zusammenarbeit mit dem Fotografen von Knobelsdorff.

So wurde das zweite, im Jahr 1977 veröffentlichte Buch „Abseits der breiten Wege“ mit 8 000 Exemplaren das bis dahin meistgekaufte Porträt dieser Landschaft. Ein weiterer Erfolg wurde der Band „Bismarck in der Badewanne“ aus dem Jahr 1979, durch den Peter Ziegler nach der Buchpräsentation auf der Frankfurter Buchmesse sogar in Österreich bekannt wurde.

Mit seinem im Jahr 1979 veröffentlichten Buch „Bismarck in der Badewanne“ wurde Peter Ziegler auch in Österreich bekannt
Mit seinem im Jahr 1979 veröffentlichten Buch „Bismarck in der Badewanne“ wurde Peter Ziegler auch in Österreich bekannt // Friedrich von Knobelsdorff

Alljährlicher Urlaub in Wien

Dies kam dem Kissinger Heimatforscher sehr gelegen, denn seitdem er als Kind auf dem Dachboden der Großeltern ein altes Grammophon und eine Schallplatte mit einem Lied des österreichischen Komponisten Robert Stolz gefunden hatte, wollte er unbedingt Wien kennenlernen.

Seit seiner ersten Reise im Jahr 1962 von Wien begeistert, verbrachte Ziegler alljährlich ein paar Urlaubstage in der österreichischen Metropole, bot diese ihm doch alles, was er als Theater- und Konzertliebhaber, aber auch als an Geschichte Interessierter liebte.

Hier recherchierte Ziegler über mehrere Jahre die Biografien von Wiener Komponisten, die er schließlich 1987 im Band „Musenwiege an der Donau“ zusammenfasste.

ARD-Quizshow „Alles oder nichts“

Durch seine Recherchen hatte er Einzi Stolz kennengelernt, die Witwe des Komponisten Robert Stolz. Dieser Begegnung verdankte nicht nur Bad Kissingen im Jahr 1982 seine Robert-Stolz-Woche, sondern Ziegler wurde Anfang 1986 sogar nach Wien als Kandidat der damals beliebten ARD-Quizshow „Alles oder nichts“ mit Moderator Max Schautzer eingeladen.

Er verließ das Studio als Gewinner, da er sämtliche Fragen zu Leben und Werk von Robert Stolz – allein in der Endrunde waren es 30 Fragen – richtig beantwortet hatte.

Seine letzten Werke

In den 1990er-Jahren erschienen nur noch wenige Bücher, darunter 1991 der gemeinsam mit Horst Jäger und Bernhard Nieland verfasste Band „Abseits der großen Städte. 10 Tage durch die thüringische Rhön und Grabfeld“.

Nach jahrelanger Quellen- und Archivforschung erschien schließlich 2004 sein letztes und noch heute antiquarisch lieferbares Buch „Prominenz auf Promenadenwegen“ über Kaiser, Könige, Künstler und Kurgäste in Bad Kissingen.

Peter Zieglers letztes Buch „Prominenz auf Promenadenwegen“ erschien im Jahr 2004
Peter Zieglers letztes Buch „Prominenz auf Promenadenwegen“ erschien im Jahr 2004 // Verlag Schöningh, Würzburg

Bibliografie des Autors Peter Ziegler (soweit bekannt):

1975: „Geheimnisvolle Kreuze, verschwundene Burgen, verborgene Kunstschätze und andere Kuriositäten. Ein heimatkundlicher Bilderbogen von Bad Kissingen und Umgebung“, 168 Seiten, Verlag Karl Hart (Volkach)

1977: „Abseits der breiten Wege. Briefe über die Rhön“, 348 Seiten, Verlag Karl Hart (Volkach)

1978: „Kurschatten gesucht. Schnappschüsse aus einer Bäderstadt“, 135 Seiten, Verlag Karl Hart (Volkach)

1979: „Bismarck in der Badewanne. Als eiserner Kurgast in Bad Kissingen, Baden-Baden und Gastein“, 288 Seiten, Selbstverlag Peter Ziegler

1981: „Die ruhelose Kaiserin. Elisabeth von Österreich auf Reisen“, 343 Seiten, Verlag J. G. Bläschke (St. Michael, Salzburger Land)

1986: „Die Saale in Franken von der Quelle bis zur Mündung“, 83 Seiten, Stürtz Verlag (Würzburg)

1987: „Musenwiege an der Donau. Theater und Musik in Wien“, 256 Seiten, Rötter Verlag (Bad Neustadt/Saale)

1990: mit Bernhard Nieland, „100 Jahre Bratwurst-Glöckle Bad Kissingen 1890–1990. Geschichte und Geschichten rund um's Glöckle", 32 Seiten, Rötter Verlag (Bad Neustadt/Saale)

1990: „Was ZIP´t denn da im Blättterwald? Peter Zieglers ausgewählte Zeitungsbeiträge“, 140 Seiten, Rötter Verlag (Bad Neustadt/Saale)

1991: mit Bernhard Nieland u. Horst Jäger, „Abseits der grossen Städte. 10 Tage durch thüringische Rhön und Grabfeld“, 429 Seiten, Verlag Frankenschwelle (Hildburghausen)

1997: mit Raimar Wieser, „Liebes Wien, Du Stadt der Lieder. Heinrich Strecker und seine Zeit“, 288 Seiten, Amalthea Signum Verlag (Wien)

2004: „Prominenz auf Promenadenwegen. Kaiser - Könige - Künstler - Kurgäste in Bad Kissingen“, 322 Seiten, Schöningh Verlag (Würzburg)

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