Start Winterzauber
Alles, nur keine biedere Blasmusik
Zum Applaus des Publikums erheben sich die jungen Männer und Frauen des Jugendmusikkorps Bad Kissingen im Max-Littmann-Saal.
Zum Applaus des Publikums erheben sich die jungen Männer und Frauen des Jugendmusikkorps Bad Kissingen im Max-Littmann-Saal.
Werner Vogel
F-Signet von Werner Vogel Fränkischer Tag
Bad Kissingen – Von guten Mächten und Piraten der Karibik: Das Jugendmusikkorps Bad Kissingen legt einen verheißungsvollen Start des Festivals hin.

Ein gespanntes Publikum strömt in einen der schönsten Konzertsäle Europas, hat Lust auf tolle Musik. Corona war gestern, endlich ist die kulturelle Einstimmung auf Weihnachten angesagt. Die Kurgäste fügen ihrem Aufenthalt ein musikalisches Schmankerl hinzu, sind vielleicht auch gerade wegen des Festivals gekommen und die Kissinger wollen „ihr“ Jugendmusikkorps auch mal in einer solchen Gala feiern.

Ein Teil des Welterbes

So ist er gedacht, der Winterzauber und so trägt er zum Ruf des Welterbes bei. Ein Blick auf den Programmzettel verrät: Wow, da haben sie sich wieder mal was vorgenommen, Dirigent Matthias Zull und die 61 Mädchen und Jungs aus der städtischen Musikschule, der Kaderschmiede des JMK.

Ausgesuchte konzertante Juwelen statt biederer Blasmusik, von schottischen Highlands über einen christlichen Choral in den wilden Westen Oregons; und Filmmusik können sie auch. „La Storia“ ist so ein Paradestück, da gibt das tiefe Blech den Ton an, darüber jubeln Flöten und kokettieren Klarinetten.

Zu diesen außergewöhnlich variablen Klängen kann sich das Publikum jedwede Story ausdenken, weil es gar keinen Film zu dieser, von Jacob de Haan geschriebenen, „Filmmusik“ gibt.

Ein Ausflug nach Schottland

Zurückgenommene Klänge hat der Komponist vorgegeben und sie gelingen dem Dirigenten und seinem JMK ähnlich eindrucksvoll, wie das eine Orchesterformation ausdrücken würde. In der Ansage philosophiert Zull, was Komponist Pavel Stanek mit seinem „Amen“ ausdrücken wollte. Der warme Ton der Holzbläser lässt ahnen, wie er den Gebetsschluss deutet.

Auf nach Schotttland

„Highland Cathedral“ führt nach Schottland und die eingängige Melodie, die sich vielfach variiert, lässt erahnen, warum das Stück zur heimlichen Nationalhymne – zumindest der Clans bei den Highlandspielen – im rauen Norden der Inseln wurde. Noch einmal der Niederländer Jacob de Haan. Diesmal führt er in den Wilden Westen Amerikas nach „Oregon“. Herausfordernde Klänge für die Mädchen und Jungen, Gelegenheit für die Klarinetten, sich zu zeigen, den Schlagwerkern an Pauken und Trommeln zu antworten und sich mit dem Blech zu duellieren.

Ein wenig besinnlich darf’s in der Adventzeit dann doch sein. „Von guten Mächten“ des Liedermachers Siegfried Fietz passt da gut dazu, einfühlsam orchestriert mit überraschenden Klangfarben. Aber dann geht es auch schon wieder auf See, wo die Piraten der Karibik ihr Unwesen treiben. Mit Kanonen-schüssen, die aus der Tuba kommen.

Der Marsch als Kernkompetenz

Kräftige Lungen haben sie jedenfalls, die Jungs vom ganz tiefen Blech. Natürlich wird dann zum Ende auch wieder der Tschako aufgesetzt und das Jugendmusikkorps kehrt zur umjubelten Kernkompetenz zurück. Der „Deutschmeister Regimentsmarsch“ liegt auf dem Notenpult, klar, dass das Publikum den Takt mitklatscht und zwar so lange, bis es noch zwei vorweihnachtliche Zugaben gibt. Feliz Navidad und dann zum Mitsingen „Oh du fröhliche“. Das Jugendmusikkorps hat vorgelegt, hat richtig Lust gemacht auf den Kissinger Winterzauber. So darf’s gern weitergehen.

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